Der Steuermann ist wieder an Bord

Mehr als zwei Monate hat Sékou Sanogo verletzungshalber gefehlt – das hat die Mannschaft geschwächt. Jetzt meldet sich der robuste Zentrumsspieler zurück.

Sékou Sanogo (am Ball) in der Champions-League-Qualifikation gegen Donezk – an diese starken Auftritte will der YB-Spieler wieder anknüpfen.

Sékou Sanogo (am Ball) in der Champions-League-Qualifikation gegen Donezk – an diese starken Auftritte will der YB-Spieler wieder anknüpfen.

(Bild: Keystone Thomas Hodel)

«Weltklasse» – so ein Superlativ ist im Zusammenhang mit den Young Boys eine gewagte Sache. Und wenn er aus dem Mund von Adi Hütter kommt, der sonst nicht bekannt ist für grosse Töne, erstaunt das noch viel mehr.

Die verbale Verneigung des YB-Trainers galt Sékou Sanogo. Sie datiert von Anfang August, der Ivorer hatte am Tag zuvor beim grossen Triumph über Schachtar Donezk seine wohl beste Leistung im Dress der Berner abgeliefert.

Ob die Leistung nun «Weltklasse» war oder nicht, darüber will Sanogo heute nicht feilschen. «Sicher ist aber», sagt er, «dass ich in dieser Phase in einer sehr guten Form war.» Und deshalb traf es ihn mental sehr hart, als er nur drei Tage später im ausverkauften Stade de Suisse beim 4:1 gegen Thun nach 55 Minuten verletzt vom Feld musste.

Die Diagnose war ernüchternd: Muskelfaserriss am Oberschenkel und mehrere Wochen Pause. Was besonders schmerzte: Es war ein Déjà-vu für den laufstarken Mittelfeldspieler. Im Jahr zuvor hatte er sich in der Champions-League-Qualifikation im Heimspiel gegen Monaco einen Faserriss im Adduktorenbereich zugezogen.

Auch damals musste er zehn Wochen aussetzen. «Ich war ziemlich am Boden», erinnert sich Sanogo an die ersten Tage nach der neuerlichen schweren Verletzung. «Und es tat auch weh, tatenlos zusehen zu müssen, wie sich die Mannschaft mit immer mehr verletzten Spielern durch die vielen Partien im August und September kämpfte.»

«Es wird nicht gleich alles besser»

In den Wochen, in denen er fehlte, ist viel passiert. YB hat viel vom anfänglichen Schwung eingebüsst, der FCB ist bereits wieder ausser Reichweite. Beim Club gab es interne Umwälzungen, und mit Christoph Spycher ist seit kurzem ein neuer Sportchef im Amt. Sanogo will sich zu all dem nicht gross äussern. Er sagt nur: «Wuschu ist eine gute Wahl.»

Und die neue Marschrichtung, wonach der Club verstärkt auf junge Talente setzen will, kommentiert er schmunzelnd: «Ich bin schon 27, da zähle ich wohl nicht mehr dazu.» Und dann ernsthafter: «Der neue Kurs ist kein Problem für mich. Ausserdem geht es ja nicht nur mit jungen Spielern, es braucht auch Erfahrung. Der richtige Mix ist entscheidend.»

Was er damit andeutet: Eine Mannschaft braucht Steuermänner. Leaderfiguren, wie er eine ist. Seine physische Präsenz und Dominanz im Zentrum, sein Gespür dafür, wann die Gangart im Laufe einer Partie geändert werden muss, seine Fähigkeit, ein Spiel zu reissen – all dies hat YB in den letzten Wochen spürbar gefehlt. Wie die Tore von Guillaume Hoarau.

Nun melden sich beide zurück. «Ich fühle mich fit und freue mich sehr», sagt Sanogo. Er warnt aber vor zu grossen Erwartungen, dass mit ihm und Hoarau nun gleich alles besser wird. «Wir dürfen jetzt nicht wieder gleich von grossen Zielen reden. Was zählt, ist das Lugano-Spiel. Dann kommt der nächste Match. Nur so geht es.» Sich selber gönnt Sanogo weniger Anlaufzeit: «Ich will möglichst schnell wieder mein Niveau und meinen Rhythmus aus der ersten Phase der Saison erreichen.»

Ein Jahr mit Rückschlägen

Sanogo gibt sich vor seinem Comeback ambitioniert, aber auch realistisch. «Ich bin nicht mehr der Typ, der weit nach vorne schaut», sagt er. Ihn interessiere nur noch die «nahe Zukunft». Zu dieser Erkenntnis hätten ihn die Verletzungen gebracht.

Wie die anderen Rückschläge, die er in diesem Jahr verkraften musste: der buchstäblich in allerletzter Minute geplatzte Transfer zum Hamburger SV im Winter, die schwierige Zeit in der Rückrunde, als er bei Trainer Adi Hütter wochenlang nur noch zweite Wahl war, und dann im Sommer der nächste gescheiterte Wechsel zu Stuttgart.

All das will er hinter sich lassen. «Alles passé, daran kann ich heute nichts mehr ändern», sagt er. «Ich will jetzt vor allem eines: dass es wieder aufwärts geht.»

Denn noch hat er seinen Traum von einem Wechsel ins Ausland nicht aufgegeben. Es wäre für ihn nochmals ein Karriereschritt. Auch wenn er schon 27 sei und sich bei YB «sehr wohl» fühle. Für dieses Ziel müsse er nun wieder sehr gut Fussball spielen, sich empfehlen. Und diese Chance habe er bei YB, wo er noch bis 2018 unter Vertrag steht.

Der Bund

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