Der «Pitbull» aus Grenoble

Yoric Ravet ist zu YB gekommen, um den ersten Titel in seiner Karriere zu holen.

Glänzte gegen den FC Luzern mit drei Assists: Aussenläufer Yoric Ravet hat sich bei YB schnell eingelebt.

Glänzte gegen den FC Luzern mit drei Assists: Aussenläufer Yoric Ravet hat sich bei YB schnell eingelebt.

(Bild: Keystone Peter Klaunzer)

Ruedi Kunz

Wenn Yoric Ravet lossprintet, müssen sich die meisten Gegner warm anziehen. Der Franzose gehört zu den schnellsten Spielern auf den Schweizer Fussballplätzen. Bei den Young Boys mag ihm noch am ehesten Alexander Gerndt das Wasser reichen. «Je nach Tagesform wird es eng zwischen uns beiden», sagt der Schwede. Die Geschwindigkeit ist eine von Ravets grossen Stärken, der seit der Rückrunde die rechte Aussenbahn besetzt. Der Neuzuzug sorgt auf dieser Position für nicht weniger Wirbel als Renato Steffen, der Aargauer Irrwisch mit nicht zu unterschätzendem Provokationspotenzial, welcher nun beim FC Basel unter Vertrag steht.

Was der 26-Jährige besser kann als sein Vorgänger: stehende Bälle schlagen. Im letzten Heimspiel gegen Luzern sorgten seine Eckbälle regelmässig für Panik in der Gästeabwehr. Wie viele andere Berufskollegen will auch Ravet die eigene Leistung relativiert haben. Es sei Teil seines Jobs, scharf und präzise zu flanken und selber in den Abschluss zu gehen. Dass er selber noch nicht getroffen hat für YB, beunruhigt den Offensivspieler (vorerst) nicht. Die Form stimme, wenn er weiter gut trainiere und hart arbeite, werde er früher oder später belohnt, ist er überzeugt.

Schneller Karriereknick

Als Yoric Ravet 19, 20 war, dachte er nicht im Traum daran, einmal in der Schweiz sein Geld zu verdienen. Er hatte bei Grenoble Foot 38, bei der er sämtliche Juniorenstufen durchlaufen hatte, den Sprung in die erste Mannschaft geschafft und nebenbei drei Länderspiele mit Frankreichs U-20-Nationalmannschaft absolviert. Im Winter 2011, wenige Monate vor der Insolvenz des Clubs, wurde der talentierte Aussenläufer zu AS St. Etienne transferiert. Anders als Aubameyang und Dimitri Payet (Marseille, West Ham), die damals bei den «Stéphanois» zum grossen Karrieresprung ansetzten, fand sich Ravet bald auf der Tribüne «parkiert» und zog deshalb nach etwas mehr als einem Jahr in die Niederungen der Ligue 2. Bei CO Angers durfte der Stürmer zwar spielen, wurde dennoch nicht wirklich glücklich. «Die harte und defensiv geprägte Spielweise in der Ligue 2 entspricht nicht meinem Naturell», erzählt er.

Sein Glück war, dass sich im August 2013 in der Super League ein Türchen auftat. Lausannes französischer Trainer Laurent Roussey machte sich für die Verpflichtung seines damals 23-jährigen Landsmannes stark.

Aubameyang und Kallström

Der Rest ist schnell erzählt: Ravet findet sich in der neuen Umgebung rasch zurecht. Er schiesst für den späteren Absteiger neun Tore und fungiert zehnmal als Passgeber. Als Belohnung winkt im Sommer 2014 ein deutlich besser dotierter Dreijahresvertrag beim Grasshopper Club, wo er seine Offensiv-Qualitäten bestätigen kann (63 Spiele/18 Tore/15 Assists).

Bei den Stadtzürchern profitieren Ravet und Co. von der magistralen Arbeit, die Spielmacher Kim Kallström verrichtet. Die Frage, ob der 125-fache schwedische Internationale sein bester Mitspieler war, bringt ihn kurz ins Grübeln. Das verwundert nicht weiter, denn bei St.Etienne hiess einer der Teamkollegen ­Pierre-Emerick Aubameyang, der nach seinem Wechsel zu Borussia Dortmund zu einem der weltbesten und begehrtesten Stürmer aufgestiegen ist.

Diese Woche kursierten Gerüchte, Real Madrid sei bereit, für den Gabuner 100 Millionen Euro zu bezahlen. Ravet ist die Geschichte auch zu Ohren gekommen. Ob etwas dran sei, könne er nicht beurteilen. Was er hingegen weiss: «Pierre hat eine unglaubliche Entwicklung durchgemacht.»

Der temporäre Küchenchef

Nach seinem Transfer von GC zu YB braucht Ravet nicht lange, um sich zurechtzufinden. Er sei auf eine Gruppe getroffen, die ihn mit offenen Armen empfangen habe, berichtet er. Dass über ein Drittel der YB-Spieler frankophoner Zunge ist, erleichtert die Integration. Ravets bester «Copain» ist Guillaume Hoarau, der immer wieder mal für ein Spässchen zu haben ist. Vor dem Rückrundenstart bezeichnete er Ravet wegen seines dynamischen und kampfbetonten Spiels als «Pitbull».

Abseits des Fussballplatzes ist der Pitbull ein ruhiger Typ, der sich über Mittag am liebsten in seine Wohnung in Ostermundigen zurückzieht und sich ein Schläfchen gönnt. Den Haushalt besorgt er bis zur Ankunft seiner Freundin selber. Das wird im Sommer der Fall sein, wenn sich die beiden in der Kirche das Jawort gegeben haben. Dann wird Ravet sofort die Küche räumen, denn seine baldige Ehefrau koche «viel, viel besser» als er.

Der Bund

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