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Der kleine Ballzauberer

Wie sich ein 14-jähriger Paraguayer mit seinen Fussballtricks in die Herzen seiner Landsleute jongliert.

Die Autofahrer sind Ivans Zuschauer – und Kunden. Bild: Getty Images
Die Autofahrer sind Ivans Zuschauer – und Kunden. Bild: Getty Images

Der 14-jährige Junge lächelt scheu in die Fernsehkamera. Wie viel Mal am Stück er denn jonglieren könne, wird Ivan Genes gefragt. «Ochocientos veinticinco», 825 Ballberührungen habe er einmal geschafft, ohne dass der Fussball auf den Boden fiel. Dass er deshalb gleich von mehreren paraguayischen TV-Sendern im Frühstücksfernsehen porträtiert wird, scheint er noch nicht ganz realisieren zu können.

Doch die Geschichte von Ivan Genes ist mehr als nur die eines Jonglierkünstlers. Es ist die eines bettelarmen Buben, der durch ein Video Bekanntheit erlangt – und dadurch eine Chance bekommt, sein ganzes Leben zu verbessern.

Vom Schuheputzer zum Jongleur

Ivan kommt aus dem Armenviertel Chacarita im Herzen der Hauptstadt Paraguays, Asuncion. Seine Geschichte beginnt mit dem Kampf gegen Armut, Hunger und Elend. Ivan bettelt und putzt Schuhe, um über die Runden zu kommen. Doch das dritte von fünf Kindern merkt schnell, dass es anderswo mehr Münzen verdienen kann. Stundenlang übt Ivan Jongliertricks, dann geht er vors Publikum.

Sein Arbeitsplatz sind Zebrastreifen, seine Überlebenshilfe sind rote Ampeln. Ivan weiss genau, wie lange er Zeit hat, seine Choreografie einzustudieren, wie lange es dauert, bis die Ampel wieder auf Grün schaltet. Mit Lockerheit streichelt er den Ball in der Luft, balanciert ihn auf seinem Nacken. Ruhig liegt das Leder zwischen seinen Schulterblättern, als er Liegestützen macht oder sich gar das T-Shirt aus- und wieder anzieht. Ivan lächelt.

Dann läuft er zwischen den Autos hindurch, hier und da geht eine Fensterscheibe nach unten, einige Münzen landen in seiner Hand. Passanten filmen eine dieser unzähligen Ampelphasen und stellen das Video ins Internet. Es sollte Ivans Glück sein.

Das Video geht viral, bald spüren Journalisten vor Ort den Buben auf, Ivan gibt Interviews und führt seine Künste vor Kameras auf. Ronaldinho sei sein Vorbild, erzählt er da. «Ich möchte ein grosser Fussballer werden. Und ich würde gerne einmal mit Neymar zusammen spielen.»

Der Magier mit dem Ball – im Slum

Auch ein Spielerberater sieht Ivans Talent. Er schenkt ihm eine richtige Fussballausrüstung und verspricht, dass er von nun an mit den Junioren seines Lieblingsclubs trainieren darf. Der «Magier mit dem Ball» – so nennt ihn ein TV-Sender – spielt nun für Guarani, eine der besten Mannschaften des Landes.

Der Fussball könnte das Leben von Ivan Genes komplett verändern. Noch aber ist er ein armer Bub. Das TV Red Guarani begleitet ihn bis zu seinem Zuhause, einer Wellblechhütte im Slum. Eine Reporterin warnt ihn bestimmt, aber in einem angenehmen Ton: «Bildung ist wichtiger als Sport. Bleib dran mit Lernen!» Und Ivans grösster Wunsch für Weihnachten bleibt bescheiden: «Ich wünsche mir, dass ich Kleider kaufen kann. Nicht für mich, sondern für meine Geschwister.»

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