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Der Goalie ist jetzt wieder er

Marco Wölfli, Rückkehrer wider aller Prognosen, verbringt beim 2:0-Sieg von YB gegen St. Gallen einen ruhigen Abend im Tor.

Kaum geprüft, aber in seinen wenigen Aktionen überzeugend: Routinier Marco Wölfli im Tor der Berner Young Boys. Foto: Pascal Müller/Freshfocus
Kaum geprüft, aber in seinen wenigen Aktionen überzeugend: Routinier Marco Wölfli im Tor der Berner Young Boys. Foto: Pascal Müller/Freshfocus

Es war ganz nach seinem Geschmack. Die Geschichte schrieben andere, der schnelle Sulejmani, der grosse Hoarau. YB fuhr gestern Abend mühelos einen weiteren Heimsieg ein, vorne fielen zwei Tore und hinten, da stand die ganze Zeit über er, Marco Wölfli, und freute sich, wie sich Marco Wölfli eben so freut: Still, für sich und ohne grosse Worte. Das 2:0 der Young Boys gegen St. Gallen war nicht nur ein erfolgreicher Jahresauftakt für den Spitzenreiter, es war auch ein weiterer Moment, in dem YB mal wieder nach Wölfli rief. Und Wölfli war da, so sind sie es sich von ihm gewohnt in Bern.

Der Mann ist eine Institution bei YB. Seit bald 20 Jahren ist der 35-Jährige im Verein, 2003 absolvierte er seine erste Partie bei den Profis, und es ist gut möglich, dass Wölfli in seiner Laufbahn noch die Marke von 450 Spielen für YB erreicht. In all den Jahren hat er viel gesehen und erlebt, beileibe nicht nur Erfreuliches, doch nie hätte er sich zu Polemik hinreissen lassen, es würde ihm auch kaum einer abnehmen mit seiner geruhsamen Gestik und den endlos langen Vokalen seines Solothurner Idioms.

Nach der Verletzung schien seine Zeit abgelaufen

2013, da riss sich Wölfli die Achillessehne, es geschah beim Derby in Thun, das hässliche Geräusch hörten sie bis auf die Trainerbank. Wölfli war nicht nur für Monate ausser Gefecht, er schien entmachtet bei YB, Talent Mvogo übernahm und reifte zu einem Top­goalie. Wölflis Zeit schien abgelaufen. Gewissenhaft verrichtete er seinen Dienst als Nummer 2.

Tadelloser Rückrundenauftakt: Die Berner Young Boys besiegen den FC St. Gallen klar und deutlich. Guillaume Hoarau ebnet mit einem sehenswerten Kopfballtreffer den Weg zum stets ungefährdeten Sieg.
Tadelloser Rückrundenauftakt: Die Berner Young Boys besiegen den FC St. Gallen klar und deutlich. Guillaume Hoarau ebnet mit einem sehenswerten Kopfballtreffer den Weg zum stets ungefährdeten Sieg.
Peter Schneider, Keystone
Beinahe arbeitslos: Die Gäste aus St. Gallen bleiben über die gesamte Partie hinweg offensiv völlig harmlos. YB-Goalie Marco Wölflis Paraden kann man an einer Hand abzählen.
Beinahe arbeitslos: Die Gäste aus St. Gallen bleiben über die gesamte Partie hinweg offensiv völlig harmlos. YB-Goalie Marco Wölflis Paraden kann man an einer Hand abzählen.
Peter Schneider, Keystone
Freude herrscht: Die Zentralschweizer bescheren Trainer Gerardo Seoane dank eines 2:1-Heimsieges den perfekten Einstand.
Freude herrscht: Die Zentralschweizer bescheren Trainer Gerardo Seoane dank eines 2:1-Heimsieges den perfekten Einstand.
Alexandra Wey, Keystone
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Mvogo ging und Von Ballmoos kam, die jungen Keeper gaben sich die Klinke in die Hand und dahinter stand Wölfli, still und auch ein wenig demütig. Nun gibt es in seiner Geschichte eine unerwartete, fast dramatische Wendung, dass sich Konkurrent Von Ballmoos ausgerechnet jetzt schlimm verletzte und er, der Vergessene, wieder im Tor steht. Und würde Wölfli seinem Verein tatsächlich mithelfen, den unliebsamen Bann von 30 titellosen Jahren zu brechen, so wäre es ein kleines Märchen.

Mutloses St. Gallen, souveränes YB, schweigender Wölfli

Gestern Abend hatte er wenig Arbeit. YB kam ohne Mühe aus der Winterpause, es gab nie Zweifel über den Ausgang dieser Partie, auch wenn das Resultat den Spielverhältnissen lange hinterherhinkte. Bereits nach 30 Sekunden startete Sulejmani aufs St. Galler Tor, nach zwanzig Minuten hatte er die beste Chance für YB und nach 27 Minuten trat er jenen Freistoss, welchen Hoarau schliesslich per Kopf zur verdienten Berner Führung nutzte. Hinten freute sich Wölfli, klatschte und spuckte in die kaum geprüften Handschuhe. Einmal hatte er einen Ball fangen müssen, später liess er sich vom weit abseits stehenden Itten bezwingen, holte gemächlich trottend den Ball aus dem Tor. Es war ein ruhiger Winterabend für Wölfli, den er cool im Kurzarmtrikot verbrachte.

«So stellen wir uns das vor», sagte YB-Coach Hütter, «vorne kreativ und hinten zu Null.» Der Österreicher hatte kaum etwas zu beanstanden an seiner Mannschaft, weil sie auch nach dem 1:0 druckvoll auftrat und früh nach dem Seitenwechsel auf 2:0 erhöhte, als Stojanovic im St. Galler Tor einen Weitschuss Bertones nicht behändigen konnte und Sulejmani profitierte. Der neuen Führung ist es in St. Gallen noch nicht geglückt, das gegen aussen hin portierte Selbstvertrauen auf die Mannschaft zu übertragen, und so hätten in der Folge gut und gerne noch mehr Tore für YB fallen können. «Wir haben da fast etwas zu viel kombiniert, aber grundsätzlich gefällt mir das», befand Hütter.

Und Wölfli? «Fragt doch einen anderen», sagt er nach dem Spiel, entschuldigend winkt er ab, mit seinem Nachwuchs an der Hand. Aufmerksamkeit hat er noch nie gesucht, doch künftig dürfte es schwieriger werden, ihr zu entkommen. Er steht im Mittelpunkt. Der Goalie ist jetzt wieder er.

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