Der FCZ spielt offensiv – und die Stadt Zürich kontert

Der Club behauptet, die Stadt habe ihm ein Landstück zum Bau eines Campus zur Verfügung gestellt. Doch das stimmt offenbar gar nicht.

Die Sportanlage Heerenschürli am östlichen Stadtrand Zürichs.

Die Sportanlage Heerenschürli am östlichen Stadtrand Zürichs.

(Bild: Reto Oeschger)

Ueli Kägi@ukaegi

Der FCZ spielt gerade ziemlich offensiv. Die Stadt habe ihm auf dem Heerenschürli in Schwamendingen einen Platz im Baurecht überlassen, verkündete der Club am Dienstagmorgen per Communiqué, auf dem Landstück wolle er einen Trainingscampus für alle FCZ-Abteilungen bauen. Ausserdem bewerbe er sich beim Schweizerischen Fussballverband (SFV) um eines der sechs bis acht angedachten Leistungszentren.

Das Problem nur an der Geschichte: Die Stadt hat das Grundstück dem FCZ noch gar nicht zugesprochen, wie eine entsprechende Anfrage von Radio Energy beim Schul- und Sportdepartement ergab. Gemäss Recherchen von DerBund.ch/Newsnet ist die Stadt zwar nicht abgeneigt, dem Club das fragliche Stück Land im Baurecht zu überlassen. Vermutlich ist es sogar wahrscheinlich, dass dies irgendwann passieren wird, immerhin sagt Ralph Kreuzer, Leiter Kommunikation des Schul- und Sportdepartements: «Die Stadt und der FCZ mögen sich gut. Wir möchten, dass die Stadtzürcher Clubs gute Bedingungen für Trainings und Spielerausbildung haben.» Nur eben: Das Geschäft ist nicht konkret besprochen, entsprechend liegen auch nicht schon unterschriftsbereite Verträge vor, wie es die Meldung des FCZ praktisch suggeriert.

Mitarbeiter der Stadt sind erstaunt

Gemäss gut unterrichteter Quellen sind die beteiligten Mitarbeiter der Stadt erstaunt über das Vorgehen des FCZ. Offenbar haben sich Vertreter des Sportamtes und des FCZ am Dienstagabend bei einem schon früher vereinbarten Termin zu Gesprächen getroffen, dabei ging es auch darum, was die nächsten Schritte beim Heerenschürli-Projekt sein könnten, unter anderem Stand die Finanzierung im Zentrum. Der FCZ will den Sandplatz mit einem Raumprogramm von 3000 Quadratmetern überbauen, gesichert hat der Club die Finanzen allerdings noch nicht.

Ungeklärt ist, weshalb der FCZ in der Sache so forsch kommuniziert. Auf entsprechende Anfragen reagierte er bislang nicht. Eine Spekulation ist, dass er sich unter Druck fühlt. Mit den sogenannten «Leistungszentren» führt der SFV ein neues Spitzenlabel im Nachwuchsfussball ein, die ersten Stützpunkte sollen im Sommer schon bereit sein. Wer von den Clubs dabei sein will, muss neben hochqualifiziertem Ausbildungspersonal eine erstklassige Infrastruktur bieten können. Letzteres fehlt dem FCZ derzeit noch, Konkurrenten wie GC oder der FC Basel, die beide bereits über einen Campus verfügen, haben wesentlich bessere Voraussetzungen. Das kann im Kampf um die besten Nachwuchskräfte des Landes entscheidend sein.

DerBund.ch/Newsnet

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