Der FC Basel tritt gegen ein Märchen an

Nach turbulenten Jahren spielt Linz erstmals um die Teilnahme an der Champions League. Die erste Hürde ist am Mittwoch der FCB.

Trainer mit prominentem Namen, Mannschaft mit hohen Zielen: Valérien Ismaël und seine Spieler beim Training im St.-Jakob-Park. Foto: Georgios Kefalas (Keystone)

Trainer mit prominentem Namen, Mannschaft mit hohen Zielen: Valérien Ismaël und seine Spieler beim Training im St.-Jakob-Park. Foto: Georgios Kefalas (Keystone)

Auch wenn der LASK dafür ein paar Buchstaben mehr braucht – die Philosophie ist dieselbe. «#gemeinsamsindwirlask» lautet das Vereinsmotto bei den Oberösterreichern, die heute im Hinspiel der 3. Qualifikationsrunde zur Champions League im Basler St.-Jakob-Park gastieren. «#zämmestark» steht auf der Visitenkarte des FCB. Eine weitere Parallele: In ihren Ligen beendeten die beiden Mannschaften die vergangene Saison auf Platz 2.

So nahe die Clubausrichtungen und das sportliche Abschneiden beieinanderliegen, so unterschiedlich ist die jüngste Vergangenheit der zwei Vereine. Denn: Dass der Linzer Athletik-Sport-Klub (LASK) in diesen Tagen erstmals in seiner Historie um die Königsklasse spielt und die Teilnahme an der Europa League bereits auf sicher hat, kommt einem Fussballmärchen gleich.

2012 stand der Verein vor dem Aus. Geld war keines mehr da, die Liga verweigerte dem 1908 gegründeten Club die Lizenz. Es folgte der Fall in die Drittklassigkeit, wo die Gegner nicht Salzburg, Rapid oder Austria Wien, sondern Union Vöcklamarkt, USV Allerheiligen oder Union St. Florian hiessen. Nichts war mehr vom Glanz des Vereins übrig geblieben, der 1965 als erster Club ausserhalb von Wien das Double gewinnen konnte.

Die Hilfe der Freunde

In diesen dunkelsten Monaten der Vereinsgeschichte erinnerten sich einige Anhänger an die Bedeutung ihres LASK für die Region. 19 Sympathisanten aus unterschiedlichen Berufsgruppen taten sich zusammen, um den Club zu retten. Bis heute sind diese Männer die tragende Stütze des Vereins. Die «Freunde des LASK» tun dies nicht nur mit Engagement und Herzblut, sondern auch mit persönlicher Haftung und jährlichem Sponsoring. Fürs eigene Portemonnaie verdienen möchte dieses Gremium nichts. Vielmehr fliessen die Gewinne in den Verein, allem voran in die Fussballakademie Linz.

Ohne diese Trägerschaft, da ist man sich in Linz einig, hätte die fussballerische Nummer 1 der 200'000-Einwohner-Stadt den Turnaround so rasch nicht geschafft. Mit der finanziellen Sicherheit und den professionellen Strukturen der LASK-Freunde gelang es, sportlich dorthin zurückzukehren, wo die Linzer hingehören: in die Bundesliga.

Massgeblichen Anteil an diesem Aufbruch hat Oliver Glasner. In den letzten vier Jahren führte der 44-jährige Österreicher den LASK als Trainer und Sportdirektor sukzessive an die Spitze der nationalen Liga. Das blieb nicht unbemerkt. Heute trainiert Glasner den VfL Wolfsburg.

Das schwere Erbe Glasners hat nun einer angetreten, dessen Name weitaus glamouröser ist als derjenige seines Vorgängers: Valérien Ismaël.

Das schwere Erbe Glasners hat nun einer angetreten, dessen Name weitaus glamouröser ist als derjenige seines Vorgängers: Valérien Ismaël. Der 43-Jährige aus Strassburg hat seine besten Jahre als Fussballer in Deutschland erlebt. Mit Werder Bremen wie auch mit Bayern München gewann der Verteidiger Meisterschaft und Cup. Es waren dies die grössten Erfolge seiner Karriere, die er 2009 wegen Knieproblemen beenden musste.

Seither gibt Ismaël das Wissen von der Trainerbank aus weiter. Sein Leistungsausweis auf höchster Stufe liest sich allerdings bislang bescheiden: Bei Nürnberg wie auch bei Wolfsburg endete sein Engagement jeweils nach ein paar Wochen.

Das soll in Linz anders werden. Der Ligastart ist dem Franzosen geglückt. Aus den ersten zwei Spielen resultierte das Punktemaximum. Weitaus wichtiger scheint jedoch, dass die Linzer weiterhin im unter Glasner einstudierten 3-4-3-System agieren. Und – wie zuletzt beim 3:0 über Austria Wien ersichtlich – nach wie vor bei Eckbällen und Freistössen brandgefährlich sind. In der letzten Saison schoss ­keine Mannschaft mehr Standardtore als der LASK. «Wir möchten unserer Spielphilosophie treu bleiben», sagt Ismaël.

Die Proteste der Fans

Das macht den Linzern Mut für das Gastspiel in Basel. «Wir sind hierhergekommen, um unsere Stärken zu zeigen», sagt Ismaël. Damit wird der Fokus wieder auf das Sportliche gelegt, nachdem aus Fankreisen etwa steter Protest da ist, wenn es um den Bau des neuen Stadions, in dem 2022 gespielt werden soll, oder die neuen Heimtrikots geht. Diese kommen nicht mehr in den ­Vereinsfarben Schwarz-Weiss daher, sondern – angelehnt an einen Geldgeber – in Grau-Weiss-Rosa.

Es kommt dem LASK also gerade recht, dass Fussball-Linz am Mittwoch auf dieses Europacup-Abenteuer schaut, das den Club im Champions-League-Glanz der Grossen strahlen lässt. Anders als am Montag, als die Linzer Spieler an der Sommerwoche in Prambachkirchen weilten. 70 Kinder trainierten dort mit ihren Vorbildern. «#gemeinsamsindwirlask» auf allen Ebenen – Europacup-Spiel hin oder her.

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