Der erste Dämpfer unter Hütter

YB tut sich in Vaduz lange Zeit sehr schwer und muss sich mit einem Remis begnügen. Vor dem Spitzenkampf im St.-Jakob-Park liegen die Berner nun wieder neun Punkte hinter Basel.

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Ruedi Kunz

Seit Adi Hütter bei YB das Sagen hat, ist in Bern schon viel geschrieben und geredet worden über Pressing und Gegenpressing. Der Österreicher ist ein konsequenter Verfechter der Balleroberung im Sprinttempo und des rasanten Umschaltens. Das erfordert Spieler, die schnell und viel rennen mögen und die gedanklich auch dann noch präsent sind, wenn die Beine müder und müder werden. Auf dem Kunstrasen des Stade de Suisse ist der hüttersche Express-Fussball erstaunlich schnell ins Rollen gekommen. Nacheinander bekamen Vaduz, Basel und GC die neue Aggressivität, Unternehmenslust und Lebendigkeit des BSC Young Boys zu spüren.

All das war am Samstagabend in ­Vaduz während der ersten Spielstunde wie weggeblasen. Sprintende Berner? Wenn ja, dann meistens in der Rückwärtsbewegung nach einem Ballverlust. Frühzeitige Balleroberungen weit in der gegnerischen Hälfte? Wenns hoch kommt, ein halbes Dutzend. Eine der wenigen führte in der 27. Minute zur höchst schmeichelhaften Führung durch Sulejmani, der eine Ballstafette über Steffen, Bertone und Kubo mit einem satten Schuss abschloss. Das Beste der langen Durchhängerphase war das Resultat. Weil die schnörkellos nach vorne spielenden Gastgeber dreimal in aussichtsreichen Positionen äusserst knapp am Tor vorbeischossen oder nicht am starken Mvogo vorbeikamen, stand es 1:1. Einziger Torschütze bei ­Vaduz war der auffällige Spielmacher Marcus Neumayr.

Spätes Erwachen

Die letzten rund 35 Minuten nutzten die Berner, um den Gesamteindruck etwas zu schönen. Sie setzten sich zusehends in der Platzhälfte der kräftemässig nachlassenden Vaduzer fest, gewannen die Mehrzahl der Zweikämpfe und bezogen konsequenter die schnellen Flügelspieler Sulejmani und Steffen ins Angriffspiel ein. Insgesamt machte der Serbe den besseren Eindruck als der Neu-Nationalspieler, welcher in den 1-gegen-1-Duellen zumeist den Kürzeren zog.

Gute Chancen zum Siegestor hatten andere Berner auf dem Fuss beziehungsweise Kopf. Gerndt scheiterte zweimal aus wenigen Metern an Vaduz-Goalie Jehle. Keine Chance hätte Jehle in der Nachspielzeit gehabt, als Bertone den Ball aus knapp 20 Metern perfekt traf. Sein Glück war, dass der kurz zuvor eingewechselte Tabakovic in der Schussbahn stand. «Der Schuss hätte in den Bügel gepasst», war sich Bertone wenige Minuten später in der Mixed-Zone sicher. Der Mittelfeldspieler wusste auch, wieso das Pressing lange Zeit nicht funktioniert hatte: «Wir waren zu wenig aggressiv und standen viel zu weit auseinander.»

Continis Gegenrezept

Dass YB in der tristen Atmosphäre des Rheinpark-Stadions lange Zeit nicht wie gewünscht den Taktstock schlagen konnte, hatte auch mit der Taktik zu tun, welche die Vaduzer praktizierten. Anders als bei der 0:4-Niederlage vor fünf Wochen im Stade de Suisse versuchten sie sich gar nicht erst im fehleranfälligen Kombinationsfussball, sondern setzten konsequent auf ein schnörkelloses, zumeist auf die Vertikale ausgerichtetes Spiel. Damit sorgten sie bei YB für einige Verwirrung. «Wir haben Vaduz etwas anders erwartet», gab Hütter zu.

Wieso sein Team sich so schwer tat, in die Gänge zu kommen, konnte sich der Coach nicht schlüssig erklären. Unangebracht fand er die Frage eines Journalisten, ob seine Mannschaft den Gegner unterschätzt habe. «Ich finde sie respektlos gegenüber dem FC Vaduz.» Die Liechtensteiner kämpfen seit längerem um mehr Akzeptanz in der Fussballszene Schweiz. Doch wer es wie Trainer Giorgio Contini schafft, mit No-Names wie Kaufmann, Borgmann, Bühler, Caballero, Avdijai und Untersee in der Startaufstellung den BSC YB ernsthaft in Verlegenheit zu bringen, der macht einiges richtig.

Der Bund

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