Der dritte Dämpfer innert Wochenfrist

YB kann den FCZ auch in der Meisterschaft nicht bezwingen. Beim 1:1 haben die offensiv zumeist harmlosen Berner Glück, dass der Schiedsrichter den Zürchern einen Penalty verwehrt.

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Ruedi Kunz

Die unnötige 0:1-Niederlage nach starker Leistung gegen den FC Basel am vorletzten Sonntag, das Ausscheiden im Cup gegen den FC Zürich im Stade de Suisse vier Tage später, gestern am gleichen Ort gegen den gleichen Gegner ein mageres 1:1 nach einer unglaublich zerfahrenen Partie, in der der Ball phasenweise wie in einem überdimensionalen Flipperkasten hin- und hersprang. So lautet die niederschmetternde Bilanz der letzten drei Ernstkämpfe des BSC Young Boys. Und als Seelenschmetter der aktuelle Rückstand auf Leader Basel: 14 Punkte. Da erübrigen sich im Grunde genommen sämtliche Diskussionen über die Meisterchancen von YB.

Die Berner schleppen zu viele kleinere Probleme mit sich herum, um mit den routinierten und nahezu fehlerlos ihr Programm abspulenden Baslern mithalten zu können. Eines sind die Rochade auf der Trainerposition und der damit verbundene Wechsel von Spielsystem und Führungsstil. Ein anderes die überschaubare Qualität auf der Ersatzbank, wenn wichtige Akteure wie Hoarau, Gerndt, Vilotic, von Bergen und Sulejmani ausfallen. Das zeigte sich am Sonntag, als Coach Adi Hütter wegen Sperren und Verletzungen erstmals richtig rotierte. Rochat und Benito bildeten die Innenverteidigung, Nuzzolo besetzte die linke Aussenbahn, Tabakovic durfte im Sturmzentrum ran.

Wölfli im Glück

Weitaus die grösste Überraschung war die Nomination von Marco Wölfli, der seit seinem Achillessehnenriss im Dezember 2013 nur noch ein einziges Super-League-Spiel bestreiten durfte. Ein Misstrauensvotum gegen Yvon Mvogo, welcher beim Cup-Out gegen den FCZ bei zwei Gegentoren keine gute Figur machte? Hütter verneinte gestern entschieden: «Yvon bleibt die Nummer 1. Ich habe schon vor rund zwei Wochen entschieden, dass Marco das heutige Heimspiel bestreiten wird. Er ist eine Clubikone und hat sich den Einsatz mit guten Trainingsleistungen verdient.»

Für Wölfli war es ein undankbarer Match, weil die FCZ-Spieler mit Offensivaktionen geizten oder bereits an der YB-Verteidigung hängen blieben. Und doch rückte die langjährige Nummer 1 Mitte der zweiten Halbzeit in den Mittelpunkt, als Oliver Buff im Strafraum in hohem Bogen über sein ausgestrecktes Bein flog. Elfmeter? Nicht für Schiedsrichter Amhof, welcher das Spiel weiterlaufen liess und damit möglicherweise auch Bua etwas irritierte, der den Ball an den Pfosten statt ins offene Tor schoss. «Mein Glück war, dass Buff mit dem Bein nicht einhängte bei mir», gab Wölfli hinterher zu. Keine Chance hatte der Goalie beim einzigen Gegentor, welcher das Resultat eines schnellen Konters über Etoundi, Schneuwly und Buff war. Da war eine halbe Stunde vorüber, die wie die verbleibende Zeit bis zur Pause ungute Erinnerungen hochkommen liess an die Monate Juli und August, als bei YB erschreckend wenig funktioniert hatte im Angriffsspiel. Die Equipe produzierte vor lauter Eifer und Hast eine Unmenge von Fehlern. «Die erste Halbzeit war schwach», brachte es Hütter auf den Punkt. Er habe die Spieler in der Pause daran erinnert, was sie in den ersten Spielen unter seiner Leitung stark gemacht habe.

Üben, üben, üben

Die Young Boys waren in der zweiten Hälfte besser, doch höheren Ansprüchen genügte die Leistung auch jetzt nicht. Es brauchte schon eine feine Einzelleistung des wenige Sekunden zuvor eingewechselten Yuya Kubo, um wenigstens einmal jubeln zu können (66.). Das reichte am Ende für einen Punkt, welcher bei den Bernern niemanden glücklich machte. «Wir sind alle sehr enttäuscht», sagte Florent Hadergjonaj. Hütter ärgerte sich über «viele leichte Abspielfehler» und die Harmlosigkeit vor dem FCZ-Tor. Was er nach den jüngsten Rückschlägen auch weiss: dass bei YB noch viel Arbeit auf ihn wartet.

Young Boys - FC Zürich 1:1
(0:1) 17'450 Zuschauer. – SR Amhof. – Tore: 30. Buff 0:1. 65. Kubo 1:1.
Young Boys: Wölfli; Hadergjonaj, Rochat, Benito, Lecjaks; Steffen, Zakaria (79. Gajic), Bertone (46. Sanogo), Nuzzolo (65. Kubo); Tabakovic, Gerndt.
FC Zürich: Brecher; Koch, Nef, Brunner, Vinicius; Schneuwly, Grgic, Cabral, Bua (94. Djimsiti); Buff (70. Gavranovic); Etoundi (80. Sadiku).
Bemerkungen: YB ohne Vilotic und Wüthrich (gesperrt), Hoarau, Seferi, Sulejmani und Von Bergen (verletzt). FCZ ohne Chiumiento, Favre, Kecojevic, Kleiber, Kukeli, Schönbächler und Yapi (verletzt). Verwarnungen: 7. Tabakovic (Foul). 31. Hadergjonaj (Foul). 33. Grgic (Foul). 43. Brunner (Foul). 45. Bua (Foul). 45. Rochat (Foul). 75. Vinicius (Foul). 89. Steffen (Unsportlichkeit).

Der Bund

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