Der böse Geist von Baku

Karabach - YB findet in einer Stadt mit schlechten Erinnerungen für die Schweiz statt.

Hat keine gute Erinnerung an Baku: Die Schweizer Nationalmannschaft von 1996.

Hat keine gute Erinnerung an Baku: Die Schweizer Nationalmannschaft von 1996.

(Bild: Keystone)

Ruedi Kunz

Was kommt fussballaffinen Schweizern zuerst in den Sinn, wenn sie den Namen Baku hören? Klar doch: das Debakel der Nationalmannschaft am 31. August 1996 im Nationalstadion Tofik Bachramow. Die Tenöre Sforza, Türkyilmaz, Knup, Hottiger, Ohrel, Vega und Chapuisat brachten das Kunststück fertig, sich gegen den Fussballzwerg Aserbeidschan bis auf die Knochen zu blamieren.

Die Einheimischen, die zuvor neun von zehn Wettkampfspielen verloren hatten, siegten hochverdient 1:0. Für den neuen Trainer Rolf Fringer, der dem Team nach der aufwühlenden Ära Jorge neues Leben einhauchen sollte, war es ein Horrorstart. «Dieser Mannschaft fehlt das Feuer, einige Spieler sind nicht mehr mit dem Herzen dabei», stellte er nach der inferioren Vorstellung frustriert fest. Einer muss der heutige Thun-Trainer Sforza gewesen sein, denn der Captain erklärte kurz darauf, er brauche dringend eine schöpferische Pause.

Im Angriff überdurchschnittlich

«Es war eine Niederlage, die uns allen zu schaffen machte», sagt Stéphane Chapuisat fast genau 19 Jahre später. Der Chefscout gehört zur YB-Delegation, die am Dienstag an den Ort zurückgekehrt ist, der sich tief im kollektiven Gedächtnis eingebrannt hat. Der 104-fache Nationalspieler hat nur noch verschwommene Erinnerungen an den Match von 1996. «Ich weiss noch, wie das Publikum geschrien und getobt hat – und dass wir schlecht spielten.» Haben die Schweizer den Gegner unterschätzt? «Ich denke schon. Das Team hatte zuvor noch gar nichts zustande gebracht.»

Die Young Boys stehen vor einer schwierigeren Aufgabe als damals das Nationalteam. Sie müssen gegen Meister und Cupsieger Karabach Agdam das 0:1 wettmachen, das sie sich im Hinspiel des Europa-League-Playoffs eingebrockt haben. Der stärkste Vertreter des zentralasiatischen Staats hat im Stade de Suisse überzeugt. Er ist gut organisiert und kann in der Offensive auf überdurchschnittliche Individualisten wie Reynaldo Silva und Denis Quintana bauen. «Nachdem ich das Team in der Meisterschaft beobachtet hatte, wusste ich, dass es spielerisch einiges zu bieten hat», weiss Chapuisat. Wolle YB das Steuer herumreissen, müsse es deutlich besser auftreten. Und wenn das Unternehmen Europa League schon in Baku endet? Dann hat auch YB sein «Debaku», wie der «Blick» 1996 nach dem Absturz der Schweiz titelte.

Der Bund

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