Der Böögg im Umzug

Grädel macht sich Gedanken über alle, die gerade noch Helden sind und noch nicht der Böögg – und das überraschende Sprachtalent des Granit Xhaxa.

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«Wenn du gewinnst, bist du der Held. Wenn du verlierst, bist du der Böögg.» (Granit Xhaka, Natispieler aus Basel, über die Ausgangslage vor dem entscheidenden Spiel gegen Portugal).

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Da hat Grädel doch vorgestern einfach nur, nachdem er von einem harten Arbeitsalltag nach Hause kam, den Radio eingeschaltet. Gerade als der Spieler Xhaka dem Reporter kurz und knapp Auskunft über die Befindlichkeit der Nati gab. Dass ein Basler für den Vergleich ausgerechnet auf eineurzürcherische Figur zurückgreift, hat Grädel irgendwie amüsiert, umso mehr, weil vor der nächsten Böögg- Verbrennung ein ganzer Winter liegt.

Aber im Fussball ist das ganze Jahr Sechseläuten. Gerade die Trainer stehen ja heute quasi dauernd auf einer Art Scheiterhaufen, und früher oder später wirft immer einer unten ein Zündhölzli rein. Manchmal explodiert ein Trainer von sich aus, das soll es auch schon gegeben haben, die Regel ist es allerdings nicht.

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Natürlich hat sich Grädel danach auch vor den TV gesetzt, keine Frage. Das hat er sogar schon einen Tag vorher getan, beim Superkracher zwischen der Republik Moldau und Österreich. Der Ehrlichkeit halber muss man hier anmerken, dass sonst einfach gerade nichts Interessanteres in der Glotze kam. Item, da lief also der letzte Match von Marcel Koller als Trainer der österreichischen Landesauswahl, bei dessen Amtsantritt vor sechs Jahren - um beim Scheiterhaufen zu bleiben - die austrianischen Legenden Prohaska und Polster schon mal vorsorglich an den Streichhölzern in der Hosentasche genestelt haben.

Als Koller die Österreicher dann an die EM nach Frankreich führte, setzten sie eine Unschuldsmiene auf. Jetzt bedauerte «Schneckerl» Prohaska die Nichtverlängerung des Vertrags mit dem Zürcher halt doch. Kollers Schützlinge haben übrigens gegen die Republik Moldau auswärts einen 1:0-Sieg erknorzt. Immerhin ein halbwegs versöhnlicher Abschied.

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Derweil freut sich Grädel für jeden Coach, um den die Boulevardpresse noch nicht auf ihren hohen Rössern herumreitet und dem ein Punktepolster in diesem unbarmherzigen Geschäft etwas Schutz bietet. Für alle die, die gerade noch Helden sind und noch nicht der Böögg. Denn Grädel weiss: Die nächste unfassbare Trainerentlassung kommt schon bald. Aber dass ausgerechnet Granit Xhaka die Hire-and-fire-Mentalität im Fussball-Business einmal derart konzis auf den Punkt bringen würde - das hätte Grädel jetzt wirklich nicht erwartet. (Der Bund)

Erstellt: 12.10.2017, 07:46 Uhr

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