Dem Weltfussballer platzt der Kragen, Bale haut ab

Nach Real Madrids jüngstem Debakel schimpft Luka Modric, widerspricht Sergio Ramos, flüchtet Gareth Bale, und der Verein wittert eine Verschwörung.

Penalty oder nicht? Mindestens für alle bei Real ein klarer Fall. Video: Youtube

Es sind mehrere Szenen, die Real Madrids aktuelle Situation perfekt widerspiegeln. Da wäre zum Beispiel die eine, mitten in der zweiten Halbzeit in der Partie gegen Real Sociedad. Verzweifelt rennen die Königlichen an, sie liegen 0:1 zurück. Zu Hause. Der junge Brasilianer Vinicius Jr. taucht alleine vor Goalie Geronimo Rulli auf, spitzelt den Ball weiter – und fällt. Doch zum Entsetzen aller in Weiss bleibt die Pfeife von Schiedsrichter José Luis Munuera Montero stumm. Und Real verlor die Partie 0:2.

Erwartungsgemäss dauerte es nicht lange, bis dieses Entsetzen in Wut umschlug. Vinicius publizierte in sozialen Medien ein Standbild der Aktion, um seine Sicht der Dinge deutlich zu machen. Vorstandsmitglied und Vereinslegende Emilio Butrageño schimpfte: «Wozu gibt es den VAR, wenn er in solchen Situationen nicht eingreift?» Der Verein kündigte an, eine offizielle Beschwerde bei der Liga einzureichen. «Es ist einfach, gegen Real Madrid zu entscheiden», sollen Spieler zudem geklagt haben, schreibt das Hausorgan «Marca».

Wieso jubelten die Video-Assistenten?

Mittlerweile ist es Munuera Montero, der den geballten königlichen Frust zu spüren bekommt. Real Madrid TV hat nun Bilder ausgegraben, die zeigen sollen, wie Videoassistenten ein Gegentor von Real bejubeln sollen. Das war Ende November 2018, als Eibar einen Treffer erzielte (Endresultat 3:0). Kurioserweise war es Munuera Montero, der mit den Kollegen abklatschte. Die Erklärung der Schiedsrichter folgte sofort: Sie hätten sich gegenseitig zu einem korrekten Entscheid beglückwünscht.

Dennoch: Der VAR scheint Real Madrid gerade ein Dorn im Auge zu sein. «Marca» publizierte einen Artikel, um zu begründen, weshalb man in Madrid unzufrieden mit dem neuen Hilfsmittel für Schiedsrichter ist. Es sind neun Szenen. Acht davon beinhalten Entscheide, die dank dem VAR korrekt getroffen wurden. Einzig eine Aktion ist umstritten – ein mögliches Hands von Reals Casemiro im eigenen Strafraum gegen Atlético Madrid (Endstand 0:0).

Und was war am Donnerstag?

Nicht nur deshalb wird Reals jüngste Opferhaltung ausserhalb von Spaniens Hauptstadt gerne belächelt. Es wird Spaniens Rekordmeister auch ein Kurzzeitgedächtnis attestiert. Schliesslich verzichtete der VAR erst am Donnerstag, eine zumindest strittige Szene im Real-Strafraum gegen Villarreal zu überprüfen (Endstand 2:2).

Offenbar war es auch Luka Modric zu billig, den Schiedsrichter als Hauptschuldigen für Reals Krise auszumachen. «Es darf uns nicht in jedem Spiel ein solcher Scheiss passieren», schimpfte der Weltfussballer unmittelbar nach der Partie und zielte auf den Penalty ab, den Casemiro in der 2. Minute gegen Real Sociedad verursacht und der zum frühen 0:1 geführt hatte. Dem Team fehle es an Konzentration: «Vor allem am Anfang der Partien und vor dem gegnerischen Tor. Wir müssen auf uns schauen und uns verbessern.»

Wie einig sich der aktuelle Tabellenfünfte (zehn Punkte Rückstand auf Leader Barça) ist, zeigte Sergio Ramos keine halbe Stunde später. «Es ist der falsche Moment, um aufeinander einzuprügeln. Wir müssen zusammenhalten.» Eine Botschaft, die dummerweise etwas zu spät kam. Für Modric, aber auch für Gareth Bale. Denn zu diesem Zeitpunkt war der Waliser gar nicht mehr im Stadion. Zum 22. Mal, seit er im Sommer 2013 zu Real Madrid wechselte, ist der 29-Jährige verletzt und schaute sich die Partie von der Tribüne aus an. Bis zur 78. Minute, als er mit seinem Wagen das Stadion verliess. Zu diesem Zeitpunkt rannte sein Team noch voller Hoffnung an – das 0:2 durch Ruben Pardo fiel erst in der 83. Minute.

DerBund.ch/Newsnet

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