Das schnelle Wiedersehen

Die neue YB-Offensivkraft Yoric Ravet trifft gleich zum Start der Rückrunde in der Super League auf die alten Teamkollegen von GC.

Spielintelligent, läuferisch stark und torgefährlich: Yoric Ravet (rechts), der neue Spieler auf der YB-Aussenbahn.

Spielintelligent, läuferisch stark und torgefährlich: Yoric Ravet (rechts), der neue Spieler auf der YB-Aussenbahn.

(Bild: Keystone)

Die ersten Trainingstage im neuen Jahr absolvierte Yoric Ravet noch als Grass­hopper. Erst als nach einigem Hin und Her der Wechsel von Renato Steffen von YB zu Basel feststand, wurde das Dossier Ravet in Bern zur höchsten Dringlichkeit. Seit dem 13. Januar ist der Franzose nun offiziell ein Young Boy. Die Berner hatten ursprünglich geplant, ­Ravet erst im kommenden Sommer zu verpflichten. «Wir hatten eigentlich vor, in der Winterpause keine Investitionen zu tätigen und mussten ihn vertrösten. Das war nicht einfach», sagt Fredy Bickel, «denn einige Vereine waren an ihm ­interessiert.» Der YB-Sportchef ist denn auch erleichtert, dass dieser Poker aufgegangen ist. «Ich danke Ravet, dass er Geduld hatte und auf uns gewartet hat.»

Der 25-jährige Offensivspieler war schon seit geraumer Zeit auf dem Berner Radar, nachdem er Ende August 2013 von St-Etienne zu Lausanne gewechselt hatte. Denn jeder Fussballer, der bei Lausanne anheuert, ist sofort auch im Blickfeld von Stéphane Chapuisat. Der YB-Chefscout hat stets ein Auge auf ­seinen Club des Herzens.

Viel Lob von Hütter

Nun will es der Zufall des Spielplans, dass Ravet morgen mit YB gleich auf die Grasshoppers trifft, für die er in der Vorrunde acht Meisterschaftstore erzielt hat. Besonders gross scheint ihn dieses Wiedersehen nicht zu beschäftigen: «GC ist zufrieden. Es hat mich einst für 500?000 Franken von Lausanne geholt und jetzt für fast 2 Millionen an YB verkauft. Gut, die ganz genauen Zahlen kenne ich nicht, aber das ist etwa die Grössenordnung.» Auf die Frage, ob bei diesem Handel der Wechsel von Haris Tabakovic von YB zu GC bereits eingerechnet sei, winkt Ravet ab. «Die Details kenne ich nicht.»

Der Franzose steht im Ruf, ein unkomplizierter Spieler zu sein, der in neuer Umgebung ohne Probleme Zugang findet. Sein neuer Trainer Adi Hütter lobt: «Er hat sich bei uns schnell eingelebt, er besitzt Spielintelligenz, Torgefährlichkeit und ist läuferisch sehr stark.»

Für Ravet ist YB der sechste Verein in acht Jahren. Aufgewachsen ist er in ­einem Arbeiterviertel in Grenoble, das als ein Quartier mit sozialen Problemen gilt. Fussballerisch ausgebildet wurde er in seinem Stammverein Verein Grenoble, zwischen 2008 und 2010 spielte er für diesen 25-mal in der Ligue 1. Mit 20 Jahren wechselte er zu St-Etienne. Doch bei den «Verts» kam er in zwei Saisons nur zu drei Meisterschaftseinsätzen und wurde nach Angers in die Ligue 2 ausgeliehen.

Den Durchbruch schaffte er in Frankreich nicht. Sein Schritt zurück mit dem Wechsel zu Lausanne und zu seinem einstigen Trainer Laurent Roussey ermöglichte ihm einen neuen Anlauf. Und so ist Ravet der Aufstieg vom Arbeiterviertel in den gut bezahlten Fussball doch noch gelungen, auch wenn der Traum von einer der fünf Topligen ­Europas nicht Wirklichkeit wurde.

Titeltraum statt Spitzentraum

Er sagt: «Ich bin sehr ambitioniert, und ich habe zu YB gewechselt, weil ich mit diesem Club Titel gewinnen will.» Damit unterscheiden sich Ravets Worte nicht von dem, was schon oft von Neuverpflichtungen der Young Boys gehört wurde. Aber wann sich die Erwartungen wohl einmal erfüllen?

Vorerst gilt es für Ravet, die Lücke zu schliessen, die Steffen mit seinem Wegzug nach Basel hinterlässt. Das wird auch Chapuisat gespannt beobachten: «Steffen ist wirbliger als Ravet. Dafür hat Ravet die bessere Ballbehandlung, er ist technisch etwas stärker», sagt der einstige Spitzenstürmer und betont ein ­Detail: «Nun haben wir auf den Seiten mit Sulejmani einen Linksfüsser und mit Ravet einen Rechtsfüsser. Zuvor hatten wir auf den Seiten mit Steffen und Sulejmani zwei Spieler, die beide den linken Fuss bevorzugen.»

Der Bund

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