Zum Hauptinhalt springen

Das sagt der RB-Star vor dem Pokalduell gegen Bayern

Naby Keita spielt heute und am Samstag mit Leipzig gegen Bayern München. Er spricht über seinen Wechsel zum FC Liverpool – und Erholung bei minus 110 Grad.

Bei den letzten beiden Aufeinandertreffen von Leipzip und Bayern ging Keita immer als Verlierer vom Platz.
Bei den letzten beiden Aufeinandertreffen von Leipzip und Bayern ging Keita immer als Verlierer vom Platz.
Reuters

Herr Keita, wir haben uns bei Ihren Kollegen von RB Leipzig umgehört: Sie werden von ihnen als ein Mann mit grosser Persönlichkeit geschildert.

Ach ja?

Alle sind angetan von Ihrem Mut bei der Kleiderwahl. Um sich das zu trauen, brauche es grosse Persönlichkeit, finden sie.

Deswegen? Das finde ich lustig.

Ihr Auftritt im roten Anzug und mit Hut hat Eindruck hinterlassen. Ist Kleidung etwas, wodurch Sie sich ausdrücken?

Ich trage das schon sehr bewusst, auch wenn mich das vielleicht etwas abgrenzt. Aber für mich gehört das einfach dazu.

Hatten Sie immer schon eine Vorliebe für grelle Farben?

Das habe ich schon als Kind gemocht. In meiner Heimat, in Afrika, stehen die Leute auf Farben. Das habe ich mitgebracht.

Persönlichkeit attestieren Ihnen Ihre Spielkameraden natürlich vor allem wegen Ihres Verhaltens auf dem Platz. Sehen Sie sich da auch so, als Persönlichkeit?

Ich bin da gerne führend, ja. Ich liebe es, Verantwortung zu übernehmen, Mitspieler zu leiten und zu motivieren, mit ihnen zu reden, ihnen Anweisungen zu geben, wenn nötig. Es gibt keine grössere Form der Verantwortung, als alles für das Kollektiv zu geben, gewinnen zu wollen.

Sie sind erst seit gut einem Jahr in Leipzig. Ist es Ihnen schwergefallen, dort eine Führungsrolle zu übernehmen?

Eigentlich nicht. Denn so etwas hängt auch ganz eng mit dem Vertrauen zusammen, das einem Trainer und die Mitspieler entgegenbringen. Ich habe das hier sofort gespürt, hundertprozentig.

Haben Sie sich immer schon als Führungsspieler gefühlt, auch in der Jugend?

Es bleibt einem auf Dauer nicht verborgen, wenn man gewisse Dinge auf dem Platz besser kann als einige andere, und so etwas führt zwangsläufig zu Führungsrollen. Das war in Guinea so, als ich als Jugendlicher gegen Erwachsene spielte, später in Frankreich, in Österreich…Und natürlich löst all das auch etwas in meinem Kopf aus. Ja, ich will führen und mit meinen Stärken vorangehen. Aber niemals auf Kosten des Respekts für meine Mitspieler.

«Respekt kann ich nur zeigen, indem ich mich auf das konzentriere, was hier und jetzt ist, und nicht schon jetzt an das denke, was in einem Jahr sein wird.»

Ihre Kollegen schwärmen nicht nur von Ihrer Persönlichkeit, sondern auch von Ihrer Professionalität. Obwohl seit dem Sommer schon feststeht, dass Sie im kommenden Jahr nach Liverpool wechseln, für 70 Millionen Euro, hat Ihr Engagement für Leipzig nicht nachgelassen.

Für mich war und ist das selbstverständlich. Es geht darum, meine Mitspieler, unsere Fans, die Mitarbeiter im Verein, im Grunde alle zu respektieren. Auch mich selbst. Und Respekt kann ich nur zeigen, indem ich mich auf das konzentriere, was hier und jetzt ist, und nicht schon jetzt an das denke, was in einem Jahr sein wird. Das ist eine Frage der Ehre und Haltung.

Fällt das nicht schwer? Liverpool hat sehr viel Geld für Sie bezahlt und trägt das volle Risiko, falls Sie sich verletzen würden.

Ich kann das komplett ausblenden. Natürlich freue ich mich, nächstes Jahr nach Liverpool zu gehen. Aber ich weiss auch, dass ich als Fussballer und auch als Persönlichkeit nur dann weiterkomme, wenn ich mich nicht ein Jahr hängen lasse, sondern Vollgas gebe und eine eherne Regel befolge: alles für meinen jetzigen Club zu geben, bis zur letzten Minute.

Ihre Familie ist gerade in Leipzig zu Besuch. Haben Sie sich damals auch mit ihr über den Wechsel beraten?

Ja, klar, das ist doch normal. Und nicht nur mit meinem Vater und meiner Mutter, mit meiner ganzen Familie. Sie haben mich wie immer in allem unterstützt. Vor allem aber haben sie mir gesagt, dass ich mich auf das konzentrieren soll, was hier ist, in Leipzig. Danach lebe ich jetzt, und das fühlt sich gut und richtig an.

Nicht nur der FC Liverpool, auch der nächste RB-Gegner FC Bayern hat sich für Sie interessiert.

Wenn du gut und hart an dir arbeitest, ist es sehr wahrscheinlich, dass solche Angebote eingehen. Ich will mich jeden Tag verbessern, alles dafür tun, um auf dem Platz den Unterschied auszumachen und meiner Mannschaft auf diese Weise zu helfen. Nur darauf konzentriere ich mich.

Für RB Leipzig stehen nun zwei Spiele gegen den FC Bayern an. Am Mittwoch im Pokal, am Samstag in der Bundesliga. Haben Sie das Gefühl, dass dies ein guter Zeitpunkt ist, um sich mit dem Rekordmeister zu messen?

Wir hatten zu Beginn dieser Saison kurzzeitig kleine Probleme, aber jetzt sind wir wieder voll auf dem richtigen Weg. Wir sind jung, hungrig, innovativ und siegeswillig. Nach den beiden Niederlagen aus der letzten Saison wollen wir es natürlich schaffen, gegen die Bayern zu gewinnen.

Was war der Grund für diese Probleme?

Gar keine grossen Dinge. Wir haben auch nicht viel geändert. Es war jetzt vor allem anders, dass die Gegner gegen uns von Beginn an supermotiviert waren und relativ tief standen. Somit konnten wir sie nicht mehr so überraschen wie letztes Jahr. Der Trainer hat viel mit uns gesprochen, und wir sind, was ganz wichtig war, nicht von unserer Route abgewichen. Jetzt sind wir wieder da, wo wir unseren letzten Leistungen nach auch hingehören.

«Das grosse Stadion in München, die vielen Fans, die beste Mannschaft Deutschlands…Wir haben da in jedem Fall nicht die nötige Aggressivität gezeigt.»

Sie haben die beiden Spiele gegen die Bayern aus der vergangenen Saison angesprochen. Das erste Spiel fand am vorletzten Spieltag einer Hinrunde statt, in der Leipzig als Aufsteiger geglänzt hatte. Es ging dann mit 0:3 in München sehr brutal verloren. War der Respekt am Ende zu gross?

Im Grossen und Ganzen war das schon ein Faktor. Das grosse Stadion, die vielen Fans, die beste Mannschaft Deutschlands…Wir haben da in jedem Fall nicht die nötige Aggressivität gezeigt.

Sie selbst waren angeschlagen ins Spiel gegangen...

Normalerweise spiele ich nie, wenn ich verletzt bin. Aber…es ging halt gegen Bayern! Ich wollte es unbedingt versuchen und war überzeugt, dass es geht. Im Nachhinein war es keine so gute Idee. Die Bayern haben uns eine Lektion erteilt.

Die Bayern wollten Ihnen unbedingt zeigen, wer die Nummer eins im Lande ist.

Sie waren ohne Frage extramotiviert, ja. Das konnte man spüren und in ihren Augen sehen. Als wir auf den Platz gekommen sind, hatten wir schon etwas Ehrfurcht, oder jedenfalls zu viel Respekt. Aber wir sind jetzt reifer geworden und als Mannschaft gewachsen. Das wird diesmal anders aussehen.

Das zweite Spiel der letzten Saison gegen die Bayern fand am vorletzten Spieltag statt, die grossen Entscheidungen der Saison waren schon gefallen. Sie haben 4:2 geführt, dann drehten die Bayern das Spiel noch und erzielten die beiden letzten Treffer zum 5:4-Sieg in der Nachspielzeit. Geht man jetzt dennoch mit dem Gefühl in die Partien: So geht’s?

Das Spiel hat uns mental schon wehgetan. Das war ein Schock. Nicht wegen der Niederlage an sich, wir waren ja schon für die Champions League qualifiziert. Eher, weil wir die Bayern am Rande der Niederlage hatten – und sie dann in fünf Minuten doch zeigen konnten, dass sie die Nummer eins sind.

Was fehlt Ihrer Mannschaft, um so eine Mentalität zu haben?

Das hat mit vielen Dingen zu tun, mit der Geschichte der Bayern, natürlich auch mit der Erfahrung der Bayern-Spieler. Von denen hat jeder was weiss ich wie viele Champions-League-Spiele hinter sich. Titel gewonnen. Wir hingegen sind eine junge Mannschaft, die sich noch verbessern will, wir sind an einem ganz anderen Punkt. Für uns bieten solche Spiele immer wieder Dinge, aus denen man lernen und die man nicht trainieren kann. Aber ich will uns gar nicht mit den Bayern vergleichen. Wir haben unseren Stil und Spirit, unsere Stärken. Und wir haben keine Angst.

Die Bayern haben gerade ihren Trainer ausgewechselt, statt Carlo Ancelotti sitzt nun Jupp Heynckes auf der Bank. Haben Sie das Gefühl, dass die Bayern verwundbarer sind als in der letzten Saison?

Natürlich haben wir wahrgenommen, dass auch sie Probleme zu Saisonbeginn hatten. Aber sie haben nun unter dem neuen Trainer drei Spiele nacheinander gewonnen. Wir wissen: Das wird für die Bayern auch vor diesem Hintergrund ein sehr wichtiges Spiel. Und es scheint, dass sie ihren Stil und ihre Konstanz zurückbekommen.

«Thiago erinnert mich am meisten an mich. Ich mag seine Spielweise, wie er mit wenigen Kontakten agiert, wie er immer wieder nach freien Räumen sucht… »

Bayern ist gerade im Mittelfeld aussergewöhnlich üppig und gut besetzt. Welcher Bayern-Spieler erinnert Sie am ehesten an Sie selbst?

Thiago. Ich mag seine Spielweise, wie er mit wenigen Kontakten agiert, wie er immer wieder nach freien Räumen sucht… Das versuche ich auch immer wieder.

Gibt es etwas, das Sie an einem Spieler wie Arturo Vidal schätzen, der weit weniger kunstvoll spielt als Thiago?

Ich mag seinen aggressiven Stil, man sieht bei ihm immer schon in den Augen, dass er seiner Mannschaft helfen will. Aber wenn Sie jetzt wissen wollen, ob es etwas gibt, was ich mir von ihm abschauen will: eher nein. Jeder hat seinen eigenen Stil, auch ich. Ich will nichts von anderen kopieren.

Sie haben vor wenigen Wochen eine rote Karte gesehen, mit einem Foul, das nicht sehr charakteristisch für Sie ist: Sie trafen Gladbachs Christoph Kramer am Kopf.

Das war eine unglückliche Szene, die mir immer noch leidtut. Ich bin kein unfairer Spieler, der die körperliche Auseinandersetzung sucht. Wenn ich mal Rot gesehen habe, ging es für mich immer ausschliesslich um den Ball. Das war auch bei der Szene mit Kramer so. Ich habe ihn einfach nicht gesehen, und ich hatte den Fuss sehr weit oben. Aber das ist Teil des Spiels.

Zum Teil des Spiels gehört für RB Leipzig nun auch die Mehrfachbelastung, durch die Spiele in der Champions League. Wie kommen Sie damit klar?

Es ist schon sehr fordernd. Aber man muss sich daran gewöhnen, und wir tun das. Wir haben ein superprofessionelles Team mit Ärzten und Physios hinter dem Trainer. Die machen eine Superarbeit, das hilft.

Am Wochenende gingen Fotos durch die Presse, auf denen RB-Profis in der Kältekammer waren – bei minus 110 Grad. Sie waren nicht dabei, oder?

Ich habe das ein Mal gemacht. Und das war eine Kälte, die nichts für mich war. Dass ich so was nicht aus Afrika kannte, muss ich wohl gar nicht erst sagen. Aber ich muss gestehen, dass ich den Effekt schon gespürt habe. Für die muskuläre Erholung ist das super. Ich hatte Ermüdungserscheinungen in den Beinen, und als ich nach der Kältekammer nach Hause gekommen bin, konnte ich super schlafen.

Was machen Sie, um sich zu erholen?

Ich erhole mich immer sehr schnell. Ich bin keiner, der gross etwas machen muss. Ich hole mir schon Tipps von unseren Physios und befolge die. Aber insgesamt bin ich ein sehr häuslicher Typ. Schlafen, Fussballschauen, das reicht.

Zurzeit zusammen mit Ihrer Familie…

Das entspannt mich noch viel mehr. Es kommt nicht oft vor, dass sie einen ganzen Monat da ist wie jetzt. Ab und zu kocht meine Mutter für mich, und das ist für mich besonders schön, weil ich die Gerüche und Geschmäcker meiner Kindheit wieder in den Kopf bekomme. Sie macht mir viele Reisgerichte, wir Afrikaner lieben Reis. Aber ich mag auch das Essen, das wir im Club bekommen, sehr.

Wird die Physis im den Spielen gegen die Bayern eine entscheidende Rolle spielen?

Auf jeden Fall. Wir werden viel laufen müssen, um die Bayern zu schlagen.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch