Das riskanteste Ereignis der Madrider Stadtgeschichte

Der verlegte Superclasico zwischen Boca und River Plate wird für die Polizei zur Riesenaufgabe. Derweil wettert Maradona.

Die Boca-Spieler reisen mit dem Bus zum Flughafen, um nach Madrid zu fliegen. Die Fans feiern sie. (Video: Andrea Luca Späth/Tamedia)

Die beiden Fussballmannschaften sind nun tatsächlich in Spanien angekommen, das ist schon mal gut.

Nach zwölf Stunden Flug erreichte am Mittwochnachmittag zuerst der Club Atlético Boca Juniors den Aeropuerto Barajas, am Donnerstagmorgen landete dann der Club Atlético River Plate.

Was in Buenos Aires misslang, soll am Sonntagabend (20.30 Uhr) in 10’000 Kilometern Entfernung endlich glücken: der Final der Copa Libertadores abzuschliessen, in dem sich erstmals Argentiniens Erzfeinde gegenüberstehen. Das von Spöttern so getaufte «längste Finale der Welt» (ein Unwetter verzögerte schon das Hinspiel um 24 Stunden) muss zu einem Ende gebracht werden. Der neue Titelträger soll schon in anderthalb Wochen in den Vereinigten Arabischen Emiraten bei der Club-WM antreten - der Weltverband Fifa macht entsprechend Druck. Conmebol-Boss Alejandro Dominguez aus Paraguay versuchte den Argentiniern das Derby im Exil mit dem Hinweis schmackhaft zu machen, dass 250’000 Landsleute in Spanien die grösste Kolonie ausserhalb des Heimatlandes bilden.

Maradona und seine Tirade

Doch ganz Lateinamerika schrie Zeter und Mordio. Diego Maradona dachte im Schock an das eigene Portemonnaie: «Um ein Boca - River zu sehen, muss ich mit meiner Familie nach Madrid reisen? Wisst Ihr, was das kostet?», schimpfte Argentiniens Nationalheld und schloss gewohnt differenziert: «Hurensöhne!» Die Sportzeitung Olé berichtete im Internet tagelang unter der Kopfzeile «Copa Libertadores/el escandolo». Der Skandal. Boca würde am liebsten gar nicht mehr spielen, River nur im eigenen Stadion. Im Bernabéu-Stadion werden nun gleich viele Sympathisanten beider Teams erwartet.

Tausende Boca-Fans verabschiedeten Stürmer Carlos Tevez und die Kollegen am Dienstag an der eigenen Arena (die wegen eines falschen Bombenalarms zwischenzeitlich geräumt wurde). Eigentlich gehöre River disqualifiziert - und der Pokal direkt in die eigene Vitrine, hiess es dort, schliesslich wurde vor drei Jahren River auch in die nächste Runde durchgewunken, als Boca-Fanatiker die gegnerischen Spieler im Achtelfinale mit Pfefferspray drangsalierten. Die Juniors behalten sich vor, im Falle einer Niederlage am Sonntag vor den Internationalen Sportgerichtshof zu ziehen.

Spaniens «Policia Nacional» rüstet sich derweil schon für das ihr zufolge riskanteste Ereignis der Madrider Stadtgeschichte. Was sonst in Monaten geplant würde, muss diesmal in wenigen Tagen gehen. Anhänger, die in Chartermaschinen erst am Sonntag ankommen, sollen in Bussen an den Paseo de la Castellana gebracht werden, den Boulevard, an dem das Bernabéu thront. Die Fans in Weiss-Rot (River) werden sich rund einen Kilometer nördlich sammeln, die in Blau-Gelb (Boca) südlich. Im Stadion selbst wird ein freier Block einen Puffer bilden. Bekannte Hooligans sollen in Argentinien festgehalten werden, doch im Internet zirkulieren schon Fotos, die einige beim Einchecken am Flughafen zeigen.

Messi soll kommen, Ronaldo wohl auch

Der Abgesandte der spanischen Regierung, José Manuel Rodriguez Uribes, hat für Freitag 11 Uhr die Polizeichefs zur Besprechung bestellt, dann wird entschieden, wie viele Einsatzkräfte wo positioniert werden. Die Gesamtzahl wird nicht bekannt gegeben, aber es seien «weit mehr» als die 2500 bei Spaniens Klassiker Madrid gegen Barcelona. Spezialisten aus Argentinien sind ebenfalls dabei. Auf der Ehrentribüne wird Lionel Messi den Superclásico als Gast der Conmebol verfolgen, Cristiano Ronaldo soll ebenfalls Karten bestellt haben.

Pedro Sanchez und Madrids Bürgermeisterin Manuela Carmena freuen sich über satte Einnahmen. Zwischen 20’000 und 40’000 Besucher werden erwartet, deren Ausgaben für Flugtickets, Hotels und alles Weitere werden auf mindestens 55 Millionen Euro hochgerechnet. Dazu werden etwa 200 Millionen Menschen weltweit das universale Spiel im Fernsehen verfolgen. Werbung für die spanische Hauptstadt, die am 1. Juni dann schon wieder ein Finale beherbergt: das der europäischen Champions League, im Stadion von Atletico. Ein Kinderspiel im Vergleich.

DerBund.ch/Newsnet

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