Das Preisschild als Handicap

Nationalstürmer Breel Embolo hätte Schalkes grosse Attraktion werden sollen. Jetzt steht der 20-Jährige in seiner zweiten Bundesligasaison – und sehnt sich nach Einsatzminuten.

Gehört beim Bundesligisten noch immer nicht zum Stammpersonal: Nationalspieler Breel Embolo.

Gehört beim Bundesligisten noch immer nicht zum Stammpersonal: Nationalspieler Breel Embolo. Bild: Keystone

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Am 26. Juni 2016 waren sie auf Schalke ziemlich zufrieden mit sich. An diesem Sommertag gelang es dem Club, einen jungen Schweizer zu verpflichten, den so viele andere auch gewollt hatten. Sein Name: Breel Embolo. Ein Sturmtalent aus der Schweiz, das mit 19 Jahren schon viel weiter war, als die meisten im gleichen Alter.

Die Marketingabteilung entschied sich, den Coup zu inszenieren, indem alle Logos jener Clubs eingeblendet wurden, die ebenfalls um den Jungen gebuhlt hatten. Darunter Manchester United, der FC Barcelona oder die neureichen Leipziger. Embolo aber wurde Schalker. 22,5 Millionen Euro kostete sie das – nie zuvor hatte S04 für einen Transfer mehr Geld ausgegeben. Aber alle waren überzeugt, dass er das wert sein würde: der Club, die Fans, die Medien.

Nach seinem allerersten Training teilte Embolo ein Bild von sich auf Instagram. Sein Daumen zeigte nach oben. Er lächelte, wie er das immer tut, wenn ihm auf dem Rasen Ausserordentliches gelingt. Und er setzte den Hashtag «Glückauf» unter den Beitrag. Der Ausdruck stammt ursprünglich aus dem Bergwerk. Man drückt damit seine Hoffnung aus, bei der Arbeit Erfolg zu haben.

Embolo, der Bankdrücker

Hoffen musste Embolo bis zu seiner Ankunft in Gelsenkirchen nie. Seine Unbeschwertheit trug ihn weit. Doch in den anderthalb Jahren, in denen Embolo nun schon auf Schalke ist, hat er sie weitgehend eingebüsst. Der Bergmannsgruss ist angebrachter denn je.

Embolo füllt nämlich noch immer nicht jene prägende Rolle aus, die für ihn vorgesehen war. In seinem ersten Jahr lag es an der Verletzung, die er am siebten Spieltag erlitt. Ein Wadenbeinbruch sowie ein Riss der Syndesmose und des Innenbandes beendete seine Saison. Man befürchtete, dass er nie mehr auf Profiniveau spielen könne. Embolo aber kämpfte sich zurück.

Dass er aber auch im zweiten Jahr noch immer nicht zum Stammpersonal zählt, liegt auch an Domenico Tedesco, dem neuen Trainer. Das Verhältnis zwischen den beiden ist nicht unkompliziert. Im Herbst übte der Italiener öffentlich Kritik am Rekordeinkauf, stellte Trainingsfleiss und Kondition infrage. Embolo blieb cool. Heute sagt Tedesco über ihn: «Wenn er reinkommt, macht er das gut. Er gibt im Training Gas, er ist gut drauf.»

Gut drauf zu sein, reicht Tedesco aber offenbar noch immer nicht, um dem Schweizer einen Platz in der Startformation zu geben. Am Mittwoch sass er im DFB-Pokal gegen Wolfsburg einmal mehr auf der Bank. In dieser Saison spielte er erst ein einziges Mal durch – das war im August für die zweite Mannschaft Schalkes.

Unruhige Winterpause

Tedesco sagt, dass Embolo Geduld brauche. Es ist jener Satz, den man so oft hört, wenn sich Club-Exponenten in Gelsenkirchen über ihren jungen Stürmer äussern. Man glaubt noch immer, dass der Tag kommt, an dem Embolo den Verein prägen wird.

Weil er es bisher nicht tat, gab es im Winter einige Destinationen, mit denen er in Verbindung gebracht wurde. Das lag vor allem daran, dass ein dubioser Berater, der zuvor weder mit Embolo noch mit Schalke etwas zu tun hatte, diversen Vereinen den jungen Stürmer angeboten hatte. Erst, als sich Levante beim Bundesligisten meldete, kamen die Machenschaften ans Licht. Schalke-Sportchef Christian Heidel stellte im Anschluss klar, dass man in der Rückrunde fest mit Embolo plane.

Vor kurzem teilte der Jungspund in den sozialen Medien ein Bild von sich, auf dem er sich die Ohren zuhält. Es ist seine Antwort auf all das, was über ihn gesagt und geschrieben wird. Er beteuert auch, dass er noch immer der Alte sei.

«Die Befürchtungen des Sportchefs»

Derweil erzählte Sportchef Heidel der «Westdeutschen Allgemeinen Zeitung», dass er den Eindruck habe, Embolo beginne es zu beschäftigen, wenn Zeitungen ihn als Fehleinkauf bezeichnen. «An Breel hängt das Preisschild. Der Junge kann doch nichts dafür, dass er so viel Geld gekostet hat.» Heidel will Verständnis fördern. Er sagt: «Breel ist noch ein ganz junger Mensch, der das alles verarbeiten muss. Wir glauben an ihn.»

Embolo selbst sagt, dass er sich in der Rückrunde «viele gute Momente» wünsche. Wird es diese nicht geben, dann wird seine Personalie auch im Nationalteam nicht mehr unbestritten sein – und das in einem WM-Jahr. Er glaube, dass Embolo in der Rückrunde explodiere, sagte Christian Heidel im Winter einmal. Davon ist er gegenwärtig noch weit entfernt.

(cst)

Erstellt: 09.02.2018, 05:59 Uhr

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