«Das üble Nachtreten gegen Guardiola ist respekt- und stillos»

Bayerns Star Franck Ribéry tritt gegen seinen ehemaligen Trainer nach. Auch die Medien rechnen mit dem Katalanen ab. Ist das okay?

Obwohl nicht mehr da, sorgt Bayerns ehemaliger Startrainer in Deutschland nach wie vor für Schlagzeilen: Der Katalane Pep Guardiola.

Obwohl nicht mehr da, sorgt Bayerns ehemaliger Startrainer in Deutschland nach wie vor für Schlagzeilen: Der Katalane Pep Guardiola.

(Bild: Keystone)

Thomas Niggl@tagesanzeiger

Der 33-jährige Torjäger Franck Ribéry sagte gegenüber dem «Kicker» unverblümt, er blühe unter Carlo Ancelotti förmlich auf. Er spüre endlich wieder Vertrauen. Dieser sei ein Geschenk für den Verein. Ich brauche Menschen wie ihn, Jupp Heynckes oder Ottmar Hitzfeld.»

Und auch die Medien rechneten mit Pep Guardiola ab. Es menschle wieder, meinte «Spiegel online» nach der Präsentation des Italieners Carlo Ancelotti in München. Beim deutschen Rekordmeister sei jetzt alles wieder etwas normaler, bodenständiger, geerdeter.

«Er hat wenig dazu beigetragen, eine Legende zu werden»

Und Fritz von Thurn und Taxis, TV-Kommentator bei Sky und Bayern-Experte, erklärte in einem Interview mit der «Hessischen Niedersächsischen Allgemeinen», Guardiola sei für ihn eine Sphinx und durch und durch rätselhaft gewesen. «Ich bin sehr skeptisch, wenn ich über Guardiola als Mensch und Vertreter des FC Bayern urteilen soll. In dieser Hinsicht hat er wenig dazu beigetragen, eine Legende zu werden.»

Die Journalisten kreiden Guardiola insbesondere an, dass er sich lediglich an offiziellen Pressekonferenzen geäussert habe. ZDF- und Sky-Experte Ciriaco Sforza war von vergangenem Sonntag bis Mittwoch Teilnehmer einer viertägigen Trainertagung im deutschen Fulda. «Dort wurde tatsächlich auch das vermeintliche Problem mit Pep Guardiola thematisiert», verrät der ehemalige Spielmacher der Bayern, der auch den Trainerschein für die Bundesliga besitzt.

«Guardiola hat dem deutschen Fussball sehr viel gegeben»

An der Tagung sei auch Markus Hörwick, der langjährige Mediendirektor des deutschen Rekordmeisters Bayern München, anwesend gewesen. «Markus Hörwick hat uns gesagt, dass ihm Guardiola genau und absolut plausibel erklärt habe, weshalb er sich nur an offiziellen Presseterminen des Vereins habe äussern wollen. Guardiola habe ihm gesagt, wenn er einmal mit einem Journalisten eine Ausnahme machte, dann gäbe es sogleich einen Riesenärger und Stress mit anderen Zeitungen. Und das habe Guardiola unbedingt verhindern wolle. Er habe einfach jeden Journalisten gleich behandeln wollen.»

Sforza kann auch nicht verstehen, dass die Medien und Franck Ribéry jetzt gegen Guardiola nachtreten. «Das ist respekt- und stillos», sagt Sforza. Guardiola habe seine Philosophie und seine Ideen und dem deutschen Fussball im Übrigen sehr viel gegeben. «Er hat jeden einzelnen Spieler der Bayern noch einmal wesentlich besser gemacht und weitergebracht. Darunter waren Weltmeister und Vizeweltmeister. Zudem hat er drei Titel, einen Pokalsieg geholt und die Bayern dreimal bis in die Halbfinals der Champions League geführt. Dafür zolle ich ihm meinen grössten Respekt.»

Und zu Franck Ribéry meint Sforza: «Auch ihn hat Guardiola noch einen Tick besser gemacht. Und er hat ihm auch nach langen Verletzungspausen immer wieder die Chance gegeben und ihn nie fallen gelassen. Aber offenbar gehört Ribéry zu jenen Menschen, die einfach nichts lernen wollen. Dass er jetzt in den USA noch einmal gegen Guardiola nachlegte, spricht nicht gerade für seinen Charakter.»

DerBund.ch/Newsnet

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