Das Huhn, das Ei und Michael Lang

Der FC Basel ist vor dem Cup-Halbfinal bei den Young Boys schon in der zweiten Schwächephase der Saison. Umso wichtiger wäre, findet Verteidiger Lang, dass die Basler in Bern ein Zeichen setzen.

Es ist auffällig, wie deckungsgleich die Formkurve von Michael Lang mit jener des FC Basel ist. Foto: Fabrice Coffrini (AFP/Getty Images)

Es ist auffällig, wie deckungsgleich die Formkurve von Michael Lang mit jener des FC Basel ist. Foto: Fabrice Coffrini (AFP/Getty Images)

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Abgemacht war ein Treffen mit Fabian Frei am Mittwoch. Stattdessen sitzt am Donnerstag Michael Lang da. Es ist eine Weisung aus der Chefetage des FC Basel, die kurzfristig beschlossen hat, dass es nach drei Heimniederlagen in Serie an der Zeit sei, vorerst nur noch Captain ­Marek Suchy und seinen Vize Lang vor die Medien zu schicken.

«Es hiess: Marek, Michi, ihr steht jetzt hin.» So erzählt das Lang ohne grosse Umschweife. Und vergisst nicht, mit spitzbübischem Lächeln zu fragen, wie schwer denn die Enttäuschung über ihn als Ersatzgesprächspartner wiege?

Nicht allzu schwer. Zwar wäre schon interessant, zu erfahren, wie sich ein ­designierter Führungsspieler wie Frei fühlt, wenn er nach seiner Rückkehr aus der Bundesliga die Hälfte der Spiele von der Bank aus erlebt. Aber um das allgemeine Befinden des FCB zu erörtern, ist Lang die bessere Wahl.

Läuft es Lang, läuft es dem FCB

Es ist auffällig, wie deckungsgleich die Formkurve des Aussenverteidigers mit jener der gesamten Mannschaft ist. Als Lang im Sommer nicht in die Gänge kam, taumelte auch der FCB. Kaum ­gelangen ihm Tore und Assists, hob das Team zum Höhenflug in der Champions League ab. Jetzt, nach der Winterpause, spielt Lang erneut diskret. Und wieder leidet das Team mit ihm.

Oder ist es umgekehrt – und Lang kommt erst zur Geltung, wenn es seinen Nebenspielern läuft? Es ist die Frage nach dem Huhn und dem Ei, die er sich manchmal selber stellt, ohne dass er sie beantworten kann. Er sagt schliesslich: «Ganz sicher kann niemand bei uns behaupten, dass er sich derzeit in der Form seines Lebens befindet.»

Und das ist schon bemerkenswert. Schliesslich waren die Basler mit Volldampf in die Winterpause gegangen, sie hatten den Rückstand auf die Young Boys auf zwei Punkte reduziert, sich für die Achtelfinals der Champions League qualifiziert sowie für den Halbfinal im Schweizer Cup. Und jetzt? Mussten sich Spieler und Trainerteam bereits ein ­erstes Mal länger zusammensetzen, um gemeinsam den verpatzten Start ins neue Jahr aufzubereiten.

«Im Sommer hiess es, wir hätten zu wenige Führungsspieler. Und jetzt sollen wir auf einmal zu viele haben?»Michael Lang

Es sei darum gegangen, «gewisse Dinge wieder aufzufrischen», erzählt Lang. Ihm selbst ist aufgefallen, dass sich die Basler zu sehr in Einzelaktionen verzetteln. Hier versucht einer, das Spiel mit einem Dribbling zu entscheiden und verliert den Ball, dort geht einer übermotiviert ins Forechecking und reisst so Löcher in die eigene Defensive.

Das alles klingt nachvollziehbar. Und überrascht doch. Hätte der FCB nicht in der Vorbereitung Zeit gehabt, genau ­solche Dinge einzustudieren – bevor er seine Chancen in der Liga schwer beschädigt? Was ist da bei den Baslern über den Winter kaputtgegangen an den Sandstränden dieser Welt?

Sicher hat sich etwas verschoben in der Mannschaft. Mit Frei und ­Valentin ­Stocker sind zwei aus Deutschland zurück, die in der Teamhierarchie ganz oben anzusiedeln sind, bislang aber noch nicht überzeugen. Aber reicht das, um das Gefüge einer zuvor funktionierenden Mannschaft durcheinanderzuwirbeln? Lang weiss, dass diese Frage kommt. Und er hat seine Antwort parat: «Im Sommer hiess es, wir hätten zu wenige Führungsspieler. Und jetzt sollen wir auf einmal zu viele haben?»

«Spiele werden nicht durch irgendeine Hierarchie in der Garderobe gewonnen – sondern durch jene elf Spieler, die auf dem Feld stehen.»Michael Lang

Trotzdem bestreitet er nicht, dass sich mit Frei und Stocker das Gleich­gewicht in der Garderobe verändert: «Die beiden haben hier schon grosse ­Erfolge gefeiert. Klar, kommen sie nicht, um sich das Ganze einfach mal bis in den Sommer anzuschauen.» Aber er stellt auch fest: «Sie markieren in der Garderobe nicht den Chef.» Und vor allem aber findet Lang: «Spiele werden nicht durch irgendeine Hierarchie in der Garderobe gewonnen – sondern durch jene elf Spieler, die auf dem Feld stehen.»

Diesen gibt Lang einen Gratistipp fürs morgendliche Ritual im Badezimmer: «Wenn wir vor dem Spiegel stehen, sollten wir uns vielleicht mal nicht nur um unsere Frisuren kümmern. Sondern uns auch fragen, ob wir alles für den Erfolg gemacht haben.»

«Passt auf, wir sind noch da!»

Zum Beispiel heute, im Halbfinal des Schweizer Cup bei den Young Boys, die bislang ohne Fehltritt durchs Jahr gehen und den FCB in der Liga um acht Verlustpunkte distanziert haben. Für die Basler ist diese Partie nach den schwachen Auftritten in der Meisterschaft doppelt so wichtig geworden. Weil sie glauben, die Berner Selbstsicherheit erschüttern zu können. «Es geht darum, ein Zeichen zu setzen», sagt Lang, «passt auf, wir sind auch noch da!» Und er hat so eine Vorstellung, was ein FCB-Sieg in Bern bewirken soll: «Ich hoffe auf eine Reaktion wie: ‹Mist, die Basler kommen wieder!›»

Das klingt sehr angriffig. Allerdings steht für Basel heute einiges mehr auf dem Spiel als für die Young Boys. Schliesslich steigt mit einer Basler Niederlage die Wahrscheinlichkeit, dass die aktuelle Ausgabe des FCB die erste seit zehn Jahren wird, die eine Saison ohne Titel beendet. Es ist ein Gedanke, mit dem sich Michael Lang vorerst lieber nicht auseinandersetzen will: «Wer so denkt, hat bereits verloren.»

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 27.02.2018, 18:34 Uhr

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