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Busacca überrascht mit fliegendem Wechsel

Der 42-jährige Tessiner hat überraschend die Fronten gewechselt. Ab 1. August wird er als Leiter der Fifa-Schiedsrichterabteilung tätig. Seinen Rücktritt als Referee hat er aber noch nicht erklärt.

Neue Herausforderung: Massimo Busacca wechselt überraschend in die Organisation der Fifa.
Neue Herausforderung: Massimo Busacca wechselt überraschend in die Organisation der Fifa.
Keystone

Beim Schweizerischen Fussballverband (SFV) zeigte man sich einigermassen überrascht über die Medienmitteilung der Fifa. Darin war mitgeteilt worden, dass der aktuell beste Schweizer Unparteiische seine sportliche Laufbahn gerade erst beendet habe und ab 1. August in Diensten des Weltfussballverbandes stehe. Zwar wusste man beim SFV über die laufenden Verhandlungen Busaccas mit der Fifa, von einem Rücktritt des Tessiners war jedoch im Haus des Fussballs in Muri bei Bern bis am Abend nichts bekannt.

Formell ist es zwar nicht notwendig, dass ein Schiedsrichter seine Freizeit-Tätigkeit schriftlich kündigt, da er über keinen Vertrag mit dem Verband verfügt. Wenn jedoch das Schiedsrichter-Aushängeschild drei Tage vor Meisterschaftsbeginn seinen Job auf diese Art und Weise an den Nagel hängt, hinterlässt dies doch einen schalen Nachgeschmack. Selbst der Tessiner Kantonskollege und neue Schweizer Schiedsrichterchef Carlo Bertolini war von Busacca erst am Abend per SMS über den sofortigen Rücktritt informiert worden. Da er jedoch von dessen Ambitionen wusste, hatte er ihn vorsorglicherweise nicht für die Startrunde der Super League am Wochenende nominiert.

Das SMS von Busacca

Nach der Fifa-Mitteilung informierte Bertolini gestern Nachmittag die Schweizer Schiedsrichter der Swiss Football League (SFL) mittels einer Telefonkonferenz über den fliegenden Wechsel von Busacca. Am frühen Abend traf dann bei Bertolini ein SMS von Bussaca ein. Darin kündigte dieser sein Rücktrittsschreiben für den Donnerstag an. «Ich habe diesen Job angenommen, um Probleme zu lösen. Jetzt ist leider bereits ein erstes, überraschendes eingetreten», sagte Bertolini, der am Montag die Nachfolge des vor drei Wochen ebenfalls überraschend zurückgetretenen Urs Meier angetreten hat.

Busacca war über zwei Jahrzehnte lang als Schiedsrichter tätig, davon zwölf Jahre auf internationaler Ebene. Er war bei zwei Weltmeisterschaften (2006 und 2010) sowie einer Europameisterschaft (2008) dabei und leitete die Finals der Champions League (2009), des Uefa-Cups (2007) und des Uefa-Supercups (2010). In der höchsten Schweizer Spielklasse hat der sprachgewandte Tessiner über 250 Partien geleitet. «In all den Jahren als Schiedsrichter habe ich enorm viel gelernt und möchte dieses Wissen nun an meine Kollegen auf dem Platz weitergeben. Unser Ziel wird es sein, das Schiedsrichterwesen stetig weiter zu optimieren und besser auf die Zukunft vorzubereiten. Ich übernehme diese spannende Aufgabe mit Stolz und grosser Freude und danke der Fifa für das Vertrauen, das sie in mich setzt», wird Busacca durch die Fifa zitiert.

Schneller Abgang in Südafrika

Von Vertrauen durch die Fifa war vor einem Jahr bei der WM in Südafrika indessen wenig zu spüren gewesen. Der Schweizer durfte die Vorrundenpartie zwischen Südafrika und Uruguay (0:3) leiten, ein weiterer Einsatz war ihm – dem die Leitung des Finals zugetraut worden war – jedoch überraschenderweise nicht mehr vergönnt gewesen. Busacca hatte eine objektiv gute Leistung abgeliefert, er war aber im Nachgang vom südafrikanischen Trainer Caros Alberto Parreira harsch kritisiert worden.

Busaccas 'Vergehen' war, dass er Goalie Itumeleng Khune vom Platz gestellt sowie einen Penalty gegen Südafrika verhängt hatte. Parreira suchte anschliessend an der Pressekonferenz die Schuld nicht bei seinen Spielern, sondern beim Tessiner Unparteiischen: «Dieses Gesicht will ich an der WM nicht mehr sehen.» Sein Wort war dem damaligen Fifa-Schiedsrichterchef José-Maria Garcia Aranda offenbar Befehl. Nun wird Busacca ironischerweise Nachfolger des Spaniers, der ihm vor einem Jahr den Karriere-Höhepunkt verunmöglicht hatte.

si/fal

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