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Breitenrains späte Hoffnung

3:0 führte Titel­halter Zürich im Cup bei Breitenrain nach 40 Minuten, und alles schien klar. Doch der Quartierclub steckte nicht auf und brachte die Profis nochmals arg ins Zittern.

Die Spieler des FC Breitenrain ernteten für ihren Kampf Applaus von den Zuschauern.
Die Spieler des FC Breitenrain ernteten für ihren Kampf Applaus von den Zuschauern.

Ja nicht auf die leichte Schulter nehmen, lautet das Mantra bei ­jedem professionellen Fussballteam, das im Cup auf einen unterklassigen Kontrahenten trifft. Das dachte sich wohl auch der kultige Holländer mit den blonden, wehenden Haaren, René van Eck, ein ehemaliger eisenharter Verteidiger und heutiger Assistenztrainer beim FC Zürich, als er seine Akteure vor dem Cupmatch beim FC Breitenrain beim Einlaufen verbal derart heissmachte und pushte, als stünde gleich der Final der Champions League auf dem Programm.

Nun, van Ecks Motivationskünste verfehlten ihre unmittelbare Wirkung nicht. Vor wunderbarer Kulisse – 3031 Zuschauer – auf dem Sportplatz Spitalacker startete Titelhalter Zürich so vehement und druckvoll, wie das von einem nationalen Spitzenteam in einem Vergleich mit ei­nem drittklassigen Gegner ei­gentlich auch zu erwarten ist. Mittelstürmer Stephen Odey buchte wuchtig das 1:0 für den FCZ nach lediglich 4 Minuten.

Und obgleich die Stadtberner trotz der frühen Hypothek wacker entgegenhielten und ihrerseits zu Chancen kamen, legte ­Titelhalter Zürich nur kurze Zeit später nach. Benjamin Kolollis Treffer zum 2:0 nach 22 Minuten war dabei mehr als nur sehenswert: Es war ganz grosses Kino, wie er nach einem Konter von der Mittellinie aus wie ein 100-Meter-Sprinter beschleunigte, gleich mehrere Gegenspieler stehen liess, als wären sie Pappkameraden, und den Ball aus rund 30 Metern knallhart unter die Latte hämmerte. FCZ-Urgestein Alain Nef per Kopf gelang kurz vor der Pause sogar das 3:0 für den am­tierenden Cupsieger – das Spiel schien zur Pause entschieden.

Der FCZ liess sich einlullen

«In der zweiten Halbzeit haben wir dann einfach sensationell gespielt», sollte Breitenrains En­rico Schirinzi, der als linker Aussenverteidiger eine starke Partie absolvierte, später zu Protokoll geben. Profitierend von der Tatsache, dass sich die FCZ-Profis von den Melodien ihres lautstarken, kreativen Anhangs vielleicht etwas einlullen liessen und zwei Gänge zurückschalteten, war Promotionsligist Breitenrain im zweiten Spielabschnitt nämlich plötzlich die spielbestimmende Equipe.

Und als Einwechselspieler Raphael Kehrli, der am Vortag seinen 41. Geburtstag (!) gefeiert hatte, den Ball nach 81 Minuten nach einer Flanke von rechts zum 1:3 ins Tor stocherte, kehrte beim Berner Anhang sogar die klitzekleine Hoffnung auf eine nicht mehr für möglich gehaltene Sensation zurück.

Leidenschaftliches Heimteam

Hoffnung, die kurz darauf Nahrung erhielt, als erneut Kehrli nach einem Abpraller von FCZ-Goalie Andrins Vanins in aussichtsreicher Position auftauchte, den Ball aber nicht zum 2:3-Anschlusstreffer versenken konnte. Hoffnung, die in der 90. Minute nochmals richtig gross aufkeimte, weil Miroslav Konopek wieder nach einer Massflanke von rechts tatsächlich auf 2:3 verkürzte.

«Am Ende hat wirklich nur wenig gefehlt, und wir wären fast noch in die Verlängerung gekommen», sagte Aussenverteidiger Schirinzi, der seinen Teamkameraden für deren Moral und Kampfkraft ein grosses Kompliment machte.

Erst FCZ-Einwechselspieler Roberto Rodriguez gelang es in der Nachspielzeit mit dem entscheidenden 4:2, den Widerstand der tapferen Stadtberner zu brechen, deren unbändige Leidenschaft in der zweiten Halbzeit vielleicht auch FCZ-Heissmacher René van Eck ein wenig beeindruckt hat.

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