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Bleibt Blatter doch Fifa-Präsident?

Verbände aus Asien und Afrika wollen Sepp Blatter weiterhin an der Spitze des Weltfussballverbandes sehen. Fifa-Aufseher Domenico Scala will davon nichts wissen.

Hält den Rücktritt von Blatter für «unverzichtbar»: Chef der Audit- und Compliance-Kommission der Fifa, Domenico Scala (2. Juni 2015).
Hält den Rücktritt von Blatter für «unverzichtbar»: Chef der Audit- und Compliance-Kommission der Fifa, Domenico Scala (2. Juni 2015).
Ennio Leanza, Keystone

Voraussichtlich im Dezember findet der ausserordentliche Fifa-Kongress statt, an dem der Nachfolger von Sepp Blatter gewählt werden soll. Doch möglicherweise wird der Präsident weiterhin Sepp Blatter heissen, wie die Zeitung «Schweiz am Sonntag» gestützt auf Insiderinformationen berichtet. Anderer Meinung ist die unabhängige Kontrollstelle der Fifa: Der Präsidiumswechsel sei laut Chef-Aufseher Domenico Scala «unverzichtbar».

Die «Schweiz am Sonntag» bezieht sich im Bericht auf das engsten Umfeld von Blatter. Dort soll es heissen, dass Verbände aus Asien und Afrika verhindern wollen, dass der 79-Jährige wie von ihm angekündigt vorzeitig zurücktritt. Erst vor gut zwei Wochen war er als Fifa-Präsident wiedergewählt worden, vier Tage später stellte er sein Amt zur Verfügung.

«Schwer, jemanden zu finden»

Eine Blatter-nahe Quelle sagt der «Schweiz am Sonntag», der Präsident fühle sich über die Unterstützungsbekundungen geehrt und schliesse in der Tat nicht aus, sein Amt fortzuführen. Keiner der bisher genannten Kandidaten, darunter der Brasilianer Zico, könne gemäss der Einschätzung von Fifa-Kennern im Kongress eine Mehrheit hinter sich bringen.

PR-Berater Klaus J. Stöhlker, der von Januar bis Ende Mai Blatters persönlicher Berater war und ihn bei der Wiederwahl unterstützte, sagt zur Zeitung: «Es ist schwer, jemanden zu finden, der ebenbürtig ist. Blatter hat den Verband zu einem globalen, sehr erfolgreichen Konzern aufgebaut – und er ist ein Spitzendiplomat.»

Fifa-Finanzchef: Präsidiumswechsel «unverzichtbar»

Anders sieht das der Vorsitzende der Audit- und Compliance-Kommission der Fifa, Domenico Scala: «Für mich sind die Reformen das zentrale Thema. Deshalb halte ich es für klar unverzichtbar, den eingeleiteten Prozess des Präsidiumswechsels wie angekündigt umzusetzen», schreibt Scala auf Anfrage von Redaktion Tamedia.

Den Aussagen der Zeitung widerspricht auch Blatters Tochter Corinne: «In Anbetracht der Ankündigung meines Vaters vom 2. Juni erübrigt sich jeder weitere Kommentar», sagt sie zum «Blick». An diesem Tag gab der Fifa-Präsident seinen Rücktritt bekannt.

Für PR-Profi Stöhlker ist im Zeitungsbericht dennoch klar: «Blatter hat eine faire Chance. Es kommt nun drauf an, wie er sich in den nächsten Monaten verhält», sagt er gegenüber der «Schweiz am Sonntag». Blatter sei der gewählte Präsident. Am Fifa-Hauptsitz soll man beobachten, dass Blatter seit einigen Tagen wieder bester Laune und voller Tatendrang ist. Die Zeitung wirft daher die Frage auf: Kommt also der Rücktritt vom Rücktritt?

Das sei nicht auszuschliessen, schreibt die «Schweiz am Sonntag» – und sei gemäss Informationen der Zeitung auch ein Grund dafür gewesen, dass Fifa-Mediendirektor Walter de Gregorio sein Amt diese Woche per sofort niedergelegt hat. Er soll intern für einen Neuanfang in jeder Hinsicht plädiert haben und Blatter zum sofortigen Rücktritt geraten haben. Zwischen ihm und Blatter habe es dazu unüberwindbare Differenzen gegeben.

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