Blatter gegen Torraumtechnologie - wieder Wembley-Tor in Hamburg

Am Wochenende entschied das Fifa-Regelboard, dass vorerst keine Torraumüberwachung zugelassen wird. Stunden später fällt in Hamburg ein weiteres Wembley-Tor.

Das 1:0 für Hamburg, doch der Ball landete vor der Linie. (Quelle: Youtube)

Im walisischen Newport tagte am Samstag das «International Football Association Board» (IFAB) zum 125. Mal. Unter anderem beschäftigten sich die acht Mitglieder des Gremiums mit der Einführung der Torlinientechnologie. Wahlberechtigt sind beim IFAB die Delegierten von England, Nordirland, Wales und Schottland, sowie vier Mitglieder des Fifa-Exekutivkomitees.

Die Wächter des Fussballs haben sich nun entschieden, die Technologien zur Überwachung der Torlinien nicht einzuführen. Fifa-Präsident Josef Blatter sagte, dass «die Tests, die bisher durchgeführt wurden, noch keine überzeugenden Ergebnisse geliefert haben.» Dennoch sind das IFAB sowie die Firmen, welche sich um die Einführung ihrer Systeme bemühen, optimistisch, dass schon bei der nächsten Sitzung des IFAB im März 2012 die Zusage zur Anwendung von Torraumtechnologien kommen könnte.

Wembley-Tor in Hamburg

Bereits am Sonntag gab es dann neuen Ärger um die Einführung von Torlinientechnologie. Beim Spiel zwischen dem Hamburger SV und Mainz 05 schoss der Hamburger Marcell Jansen in der 18. Minute ein Wembley-Tor. Nach der Direktabnahme knallte der Ball an die Latte und landete klar vor der Torlinie. Schiedsrichterassistent Christoph Bornhorst aber gab seinem Kollegen Babak Rafati das Zeichen, dass der Ball hinter der Linie landete – 1:0 für Hamburg. Trotz des Führungstreffers verlor Hamburg schliesslich doch noch mit 2:4. Die Mainzer waren indes ausser sich, ihr Manager Christian Heidel meinte gar, dass «jeder gesehen hat, dass der Ball nicht drin war.» Auch der Trainer der Hamburger Armin Veh sagte gegenüber Sport.de: «Es gibt keinen Trainer mehr, der nicht dafür ist (Torlinientechnologie; Anm. d. Red.). Wir fordern das schon so lange, aber es passiert nichts.»

«Adler-Auge» oder Magnetfeld?

Die beiden am meisten Erfolg versprechenden Systeme zur Torlinienüberwachung stammen von den Firmen Cairos und Hawk-Eye. Letztere kann seit dem Jahr 2001 im Kricket und seit 2006 im Tennis ihr «Adler-Auge» zum Einsatz bringen. Im Fussball sollen sechs Kameras den Torraum überwachen. Der Ball wird dabei von den Kameras als relevantes Objekt erkannt. Wenn sich der Ball schliesslich hinter der Torlinie befindet, wird der Schiedsrichter innerhalb einer halben Sekunde per Funk informiert.

Cairos dagegen hat ein System entwickelt, bei dem unter dem Rasen verlegte Kabel ein Magnetfeld erzeugen. Ein Computer berechnet, wie bei Hawk-Eye, laufend die Position des Balles im Strafraum. Falls der mit einem 15 Gramm schweren Chip bestückte Ball die Torlinie ganz überquert hat, entscheidet der Computer auf Tor und meldet dies dem Schiedsrichter – alles in Bruchteilen einer Sekunde.

Die IFAB ist aber noch nicht überzeugt, dass die beiden Systeme genug genau, ausreichend schnell und unkompliziert funktionieren. Ebenfalls ist noch nicht klar, wie die finanziellen Kosten, welche die Installation eines solchen Systems verursachen würde, gedeckt werden sollen.

Fünf Schiedsrichter an der Euro 2012

An der nächsten Europameisterschaft in Polen und der Ukraine im nächsten Sommer werden nach dem Entscheid des IFAB vom Wochenende fünf Schiedsrichter die Partien überwachen. Es ist dies das erste Mal an einer Europameisterschaft, dass hinter beiden Toren ebenfalls ein Schiedsrichter positioniert sein wird.

Neue Regeln für Schals und Hosen

Schliesslich wurde auch entschieden, dass die sogenannten Schlauchschals (engl. snood) ab Juli 2011 verboten sein werden, da diese, so Blatter, nicht «zur Ausrüstung gehören und ausserdem gefährlich sein können.» Auch dürfen Leggings nur noch getragen werden, wenn sie die gleiche Farbe wie die Hosen aufweisen.

Kein Freistoss-Spray

Andere Anträge wurden vom IFAB abgelehnt: Ein Antrag des Deutschen Fussballbundes (DFB), dass eine Notbremse im Strafraum neben dem Elfmeter nur noch eine gelbe Karte nach sich ziehen soll, wurde an eine anderes Gremium weitergeschoben.

Ein Antrag des südamerikanischen Verbandes CONMEBOL, der den Einsatz eines Sprays zur besseren Mauerpositionierung bei einem Freistoss vorschlug, wurde ebenfalls verworfen.

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