Berater-Basar in Belek

Während der Trainingslager in der Südtürkei schwirren jede Menge Berater in den Teamhotels umher.

26 Spieler von Hein Karners Berater-Agentur weilen zurzeit in Belek.

26 Spieler von Hein Karners Berater-Agentur weilen zurzeit in Belek.

(Bild: zvg)

Ruedi Kunz

Heinz Karner hat nicht viel Zeit. Der 41-jährige Österreicher ist fast dauernd auf Achse, seit er vor einer Woche in Belek angekommen ist. Er pendelt von morgen 9 Uhr bis gegen 22 Uhr zwischen Fussballplätzen, Kleinstadien und Hotels hin und her, um sich mit einem der 26 Spieler zu treffen, die derzeit mit ihren Klubs in der Südtürkei weilen. Mit einigen sei er häufiger in Kontakt, mit anderen weniger, erzählt er in der Lobby-Bar des Hotels Limak Arcadia. Junge Spieler brauchten in der Regel eine intensivere Betreuung als solche, die schon länger im Geschäft seien.

Kaum hat er den Satz beendet, klingelt sein Handy. «Tschuldigung, das ist der Romano Schmid, einer unserer ganz Jungen.» Kurz darauf klärt Karner auf: Schmid habe ihm von seinen aktuellen Eindrücken aus dem Trainingsbetrieb berichtet. Der 15-Jährige von Sturm Graz wird als ganz grosses Talent gehandelt und schnuppert in der Türkei erstmals länger bei den Profis. «Da prasselt einiges auf den Jungen ein», weiss Karner. «Deshalb ist es nichts als selbstverständlich, dass ich immer ein offenes Ohr habe für ihn.» Schmid ist längst nicht der einzige 15- bis 19-Jährige, welcher die Dienste von Selection Fussballconsulting beansprucht: 17 Spieler sind unter der Rubrik Jugend zu finden. «Das ist längst nichts Aussergewöhnliches mehr», gibt sich Karner unbeirrt.

Karner hätte noch einiges zu erzählen, doch die Zeit drängt. «Um 17 Uhr spielt Sturm Graz in der Nähe gegen Aarau. Das will ich mir ansehen», klärt er auf. Später will er sich noch mit Thomas Murg vom SV Ried treffen. Möglich, dass er dann zufällig mit Adi Hütter den Weg kreuzt. Die Rieder sind nämlich im gleichen Hotel untergebracht wie YB. Und da Hütter ebenfalls von Selection Fussballconsulting betreut wird, besteht zwischen den beiden Männern ein freundschaftliches Verhältnis.

Wenn Bickel Umwege macht

Karner wird im Regnum Carya mit ziemlicher Sicherheit auch einigen Berufskollegen begegnen, denn die Nobelherberge ist in diesen Tagen ein beliebter Treffpunkt von Spielerberatern. Manchmal sässen abends 10 bis 12 Berater im Lobbybereich und steckten die Köpfe zusammen, weiss YB-Sportchef Fredy Bickel. Rund 80 Prozent seien Deutsche, die er nicht persönlich kenne. Was diese nicht daran hindere, sofort mit ihm das Gespräch zu suchen, sobald sie ihn im Hotel entdeckten. «YB ist eine inte­ressante Adresse geworden für Berater, seit bei uns ein halbes Dutzend U21-Nationalspieler regelmässig zum Einsatz kommen», mutmasst Bickel. Wenn ihm der Rummel zu gross wird, macht er grosse Umwege um die Beratergrüppchen.

Andres Gerber ist froh, sich im Hotel des FC Thuns nicht mit Beratern herumschlagen zu müssen: «Da wir das einzige Team im Gloria Verde sind, ist es sehr ruhig.» Der Sportchef ist im Umgang mit dieser Berufsgattung ohnehin «recht restriktiv». «Ich verwende meine Zeit auch zu Hause in Thun viel lieber für das Team als für Gespräche mit Beratern.»

Der Bund

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