Bedrohtes Spiel

Es ist schwierig geworden, dieses Spiel zu lieben, findet Grädel.

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DAZN, Teleclub Zoom, Teleclub, MySports public und im Abonnement das gute alte SRF mit Matthias Hüppi (dann lieber doch bezahlen?), Sky Sports irgendwann und, und, und . . . Grädels Frau sagt: «Nicht mehr als eine Setup-Box in unserem Wohnzimmer, oder du hast keine Frau mehr.» Es scheint eine ernst gemeinte Drohung.

Es ist schwierig geworden, dieses Spiel zu lieben, in dem sich die Spieler als Einheit quer über den Platz schieben, als ein ganzer Körper, in eingeübter Formation, aber mit Spielräumen, auf Unvorhergesehenes zu reagieren, in dem sich die einzelnen Linien ineinander- und wieder auseinanderschieben - aus dem System 3-5-2 wird blitzschnell ein 5-4-1 und umgekehrt. Man kann nicht schnell genug schauen, um alles mitzubekommen. Grossartig.

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Was ist eigentlich mit Carlos Bernegger, was macht er, was denkt er? Hat er den als Trostpflaster vorgelegten Vertrag als Nachwuchstrainer unterschrieben? Schaut er sich an, wie sein Nachfolger Murat Yakin mit seinen glänzend schwarzen Haaren sein Lächeln lächelt und siegt? «Eine Sportschweinerei», nannte ein Kollege den Vorgang bei GC.

Es ist manchmal schwierig, dieses Spiel zu lieben. Das Kurzpassspiel im Dreieck nach Pep Guardiola, die Diagonalpässe aus dem Fussgelenk, Verwandlungen innert Sekunden, wunderbar. Und alles geschieht JETZT, die warme Kaffeetasse, den kalten Bierbecher in der Hand. Fussball ist das wirkungsvollste Antidepressivum auf der ganzen Welt. Todsicher. Grädel verwettet sein Leben darauf - auf «bwin», Quote 1:1. Es ist der Gegenentwurf zum Alltag, dem zermürbenden Wissen beispielsweise, dass jetzt dann das Tram beim Engpass am Bärenplatz warten muss, andere Trams, Busse vor ihm. Obwohl man dafür bezahlt, dass das Tram fährt, nicht wartet, stockt, stirbt. Und der Gast mit ihm.

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Fussballer ziehen beleidigt in den Streik, wenn ein Club sich erfrecht, auf einen Vertrag zu pochen. Dieses Spiel brauchte eine Gegenbewegung.

Hadergjonaj hätte Nein sagenmüssen zum Transfer, Mvogo auch, Ravet auch, ebenso Zakaria, anderevor ihnen. Weitere würden der Gegenbewegung folgen, andere gute Spieler würden zu den Bernern wechseln wollen, weil es hier viel schöner ist als anderswo. Und YB würde Champions League spielen, eine halbe Million Franken als Lohn wäre für alle Spieler «mehr als genug», wie sie unisono sagen würden. Aber so etwas geschieht nie, nirgends auf der Welt, oder? (Der Bund)

Erstellt: 21.09.2017, 09:09 Uhr

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