Bayern hat Schwierigkeiten mit sich selbst

Wirr, fahrig, kaum Chancen: Bayern durchlebt mit dem neuen Trainer Niko Kovac die erste Minikrise.

Manuel Neuer hadert. Nach seinem Flop gegen Augsburg, verliert seine Mannschaft nun gegen die Hertha.

Manuel Neuer hadert. Nach seinem Flop gegen Augsburg, verliert seine Mannschaft nun gegen die Hertha.

(Bild: Keystone)

Die unangenehmste Halbzeit in der noch kurzen Karriere des Berliners Niko Kovac als Trainer des FC Bayern endete mit einer Gemeinheit des Schiedsrichters. Fast die gesamten ersten 45 Minuten lang war Kovac gestanden, so wie er fast immer steht, ein Trainer, der steht und gestikuliert und motiviert, der ist für Kovac ein guter Trainer.

Nun aber, zum Ende dieser Halbzeit, hatte Kovac sich hingesetzt, er sass zwei Sekunden lang, vielleicht drei Sekunden, sein Rücken hatte noch nicht einmal die Lehne seines Stuhls berührt. Dann pfiff Schiedsrichter Marco Fritz zur Pause.

Kovac hüpfte auf, zog sich Pullover und Mantel enger um den Hals. Es war wirklich eine unangenehme Halbzeit.

Als er in die Kabine verschwand, führte die Mannschaft, für die er als Spieler so oft gespielt hat wie für keine andere, 2:0. Und als das Spiel vorbei war, führte Hertha BSC immer noch, weiterhin 2:0. Und Kovac hatte erstmals ein Pflichtspiel als Trainer des FC Bayern verloren.

Bayern: wirr, unstrukturiert, harmlos

Das Schlimmste für Kovac an diesem Freitagabend in seiner Geburtsstadt war es, dass diese Niederlage vollkommen verdient war. Hertha BSC war griffiger, konsequenter, der Gastgeber spielte präzise und durchdacht. Der FC Bayern dagegen war über lange Phasen der Partie wirr und unstrukturiert und, auch das, harmlos. Sollte entweder Dortmund oder Bremen an diesem sechsten Spieltag noch gewinnen, wäre der Titelverteidiger die Tabellenführung wieder los. Zur Erinnerung: Am Sonntag noch hatte der FC Bayern auf beide Teams vier Punkte Vorsprung gehabt.

Auf sechs Positionen hatte Kovac seine Elf umgestellt, anders als beim 1:1 am vergangenen Dienstag gegen Augsburg verzichtete er dieses Mal allerdings auf taktische Experimente. Doch all diese Wechsel bewirkten nicht, dass eine frische, kraftvolle, motivierte Mannschaft auf dem Platz stand. Stattdessen spielte eine Mannschaft, die sichtbar Schwierigkeiten mit sich selbst hatte. Fehlpässe. Missverständnisse. Ungenauigkeiten. Diese prägten das Spiel des FC Bayern, vor allem in der ersten Halbzeit.

Nutzloser Ballbesitz

Von Beginn an agierte die Hertha druckvoll. Der FC Bayern hatte zwar, wie üblich, mehr Ballbesitz, aber dieser war an diesem Abend überwiegend ein nutzloser.

Kam die Hertha dagegen an den Ball, spielte sie diesen geradlinig, schnell und oft gewitzt nach vorne; meist beschleunigte Rechtsaussen Salomon Kalou den Angriff noch einmal zusätzlich. Zum Beispiel in der 22. Minute. Flanke von Ondrej Duda, Kopfball von Vedad Ibisevic, Manuel Neuer wehrt mit einer Hand zur Seite ab. Kalou sprintet zum Ball, Boateng rutscht übermotiviert und schwerfällig in ihn hinein. Elfmeter. Ibisevic trifft sicher (23.).

Wenige Minuten nach diesem Rückstand begann die beste Phase der Münchner in der ersten Halbzeit, sie endete mit einem feinen Angriff, an dessen Ende Lewandowski ein bisschen zu lange zögerte, so lange, bis er den Ball verloren hatte. Diese beste Phase der Münchner endete somit auch mit einem Gegenangriff, und dieser führte zum zweiten Gegentor. Kalou war schneller als Alaba, Valentino Lazaro schneller als Boateng, dann war Duda schneller als alle anderen in den freien Raum gerannt. Er traf sicher (43.).

Kaum Torchancen
Nach dem Unentschieden gegen Augsburg hatten sie sich beim FC Bayern damit getröstet, dass die Mannschaft ja genug Torchancen gehabt habe, sie habe sie nur nicht genutzt. In Berlin aber begann das Problem damit, dass die Mannschaft sich kaum eine Möglichkeit erspielen konnte. Im zweiten Durchgang zog sich die Hertha zurück vor das eigene Tor, der FC Bayern hatte noch mehr Ballbesitz. Aber dieser war weiter nutzlos.

Nach dem Spiel, das hatte Kovac angekündigt, wollte er im Hotel Freunde und Verwandte treffen, er wollte trinken, lachen, glücklich sein. Auch das hatte er gesagt. In diesen letzten Minuten aber stand er am Spielfeldrand, er sah, dass sein Team die Partie nicht mehr drehen konnte. Kovac war nun ein Trainer, der selten gestikulierte und motivierte. Er war nun ein Trainer, der sogar gelegentlich den Kopf hängen liess.

DerBund.ch/Newsnet

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