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Ausgelagert

Fussballgott Grädel hat in diesen Tagen mit YB schon wieder verloren, dafür aber neue Erkenntnisse über das ökonomische Verhalten des Menschen gewonnen.

«Will YB seine Frauen loswerden?» – diese Frage las Grädel in dieser Zeitung. Ja, man weiss es inzwischen, der Verein muss Geld sparen. Mit dem Transfer der Frauenteams zum FC Bern kann man jährlich etwa einen halben Silberbauer sparen, so Grädels grobe Schätzung. Dazu kann dann keiner mehr kommen und mit leicht hämischem Unterton darauf hinweisen, dass die Frauen tatsächlich ab und zu einen Titel gewinnen und zwischendurch in der Champions League mitspielen dürfen.

Das mag für manchen in der teuren Profiabteilung ein «pain in the ass» sein, wörtlich also ein Schmerz im Bereich des Enddarmes, und das mag man nicht mal seinen ärgsten Feinden gönnen. So aber erkennt der gewiefte Floskelumsichwerfer die Win-win-Situation: Der FC Bern wäre nämlich nach Jahrzehnten der sportlichen Bedeutungslosigkeit wieder in der obersten Spielklasse vertreten. Ausserdem: Young Boys Frauen klang irgendwie immer so holprig.

Am Sonntag war Grädel natürlich auch im Stadion. Oft hat er sich über den monotonen Singsang von der ostseitigen Wankdorf-Tribüne genervt, dessen Intensität nicht immer dem Spielverlauf folgte; altmodischerweise vertritt er den Standpunkt, dass Stimmung und Lärmpegel auf den Rängen immer auch ein Spiegel des auf dem Feld Dargebotenen sein müssten und nicht bloss eine konstante Geräuschkulisse.

Als aber YB in Rückstand lag, nahm Grädel die Auswirkungen des Stimmungsboykotts erst so richtig wahr und fühlte sich moralisch mitschuldig für die Hilflosigkeit des Teams. Als die Ruhe Grädel dermassen unheimlich wurde, nahm er seinen ganzen Mut zusammen und schmetterte, so laut es seine Stimmbänder zuliessen, mehrere «Hopp YB» in Richtung Spielfeld, in der Hoffnung, dass alle anderen rund um ihn einstimmen würden und noch einmal ein Ruck durch Stadion und Mannschaft gehe.

Stattdessen aber: verwunderte Blicke, die sich erst auf Grädel und dann wieder aufs Spiel richteten. Grädel verstummte, errötete und sank in seinen Schalensitz zurück. Er begriff: Das Anfeuern der Mannschaft ist vom Grossteil des Publikums schon vor einiger Zeit nach dem Prinzip der Best Practice an eine darauf spezialisierte Gruppe outgesourced worden.

Grädel hat in diesen Tagen mit YB schon wieder verloren, dafür aber neue Erkenntnisse über das ökonomische Verhalten des Menschen gewonnen. Und darüber, wie einem manche Dinge fehlen können, wenn sie plötzlich nicht mehr da sind.

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