Am eigenen Druck gescheitert

David Wiederkehr über das jähe Aus der Fussballerinnen an der EM.

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Vorbei und out – mit dem 1:1 gegen Frankreich ist die EM in Holland für die Schweizer Fussballerinnen nach der Vorrunde zu Ende. Dieses Aus ist ein Rückschlag für ein Team, das in den vergangenen Jahren richtiggehend erfolgsverwöhnt geworden ist. Das von der deutschen Nationaltrainerin Martina Voss-Tecklenburg, selbst vierfache Europameisterin, das Siegen lernte. Das sich vor zwei Jahren erstmals für eine WM qualifiziert und vor wenigen Monaten auf Zypern ein traditionsreiches Frauenfussball-Turnier ­gewonnen hatte. Und das in der Qualifikation ohne Verlustpunkt geblieben und deshalb mit grossen Träumen an seine erste Europameisterschaft gereist war.

Den Viertelfinal hatten sich die Schweizerinnen zum Ziel gesetzt, zum «Minimalziel», wie Martina Voss-Tecklenburg stets präzisierte. Es war eine offensive Ansage gewesen für einen EM-Neuling, und das ist löblich. Nur werden sie nun natürlich daran gemessen. Das Verdikt lautet deshalb: gescheitert. Statt der Schweiz hat es mit Österreich ein anderer Neuling in die K.-o.-Phase geschafft. Österreichs Trainer Dominik Thalhammer hatte vor dem Duell mit der Schweiz ­geradezu genüsslich gesagt: «Druck ist immer auch eine Frage der eigenen Erwartungen.» Diesem Druck ­haben die Schweizerinnen nicht standgehalten.

Dank mehrstündiger Aussprache zurück auf die Spur

Gleichwohl ist es ihnen hoch anzurechnen, wie sie die überraschende Startniederlage gegen Österreich intern verarbeitet hatten und sich aus der misslichen Lage befreiten. Wie sie nach einer mehrstündigen Aussprache zurück in die Spur fanden, um zum Abschluss der Gruppenphase nun immerhin Frankreich herausfordern zu können. Dazu war eine Willensleistung und voller Körpereinsatz gegen die robusten ­Isländerinnen nötig. Zumindest diesen Charaktertest hatten die Schweizerinnen bestanden.

Die Aussprache war ausserdem ein Zeichen dafür, dass das Team funktioniert. Dass es harmoniert. Nicht zuletzt, weil es über die Jahre zusammen­gewachsen ist. Spannend wird nun zu ­beobachten sein, ob es auch einen ersten Verjüngungsprozess gut verkraftet, der nach der EM ansteht.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 26.07.2017, 22:42 Uhr

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