Alten Ballast über Bord geworfen

Die Stadiongenossenschaft hat die Betriebs AG liquidiert und dem Fussballclub Thun die volle Verantwortung für die Stockhorn-Arena abgetreten.

Die FC Thun AG ist offiziell alleiniger Herr im Haus respektive in der Stockhorn Arena.

Die FC Thun AG ist offiziell alleiniger Herr im Haus respektive in der Stockhorn Arena.

(Bild: Dominic Steinmann)

Ruedi Kunz

Rund fünf Jahre nach der Eröffnung wird in der Stockhorn-Arena die Betriebsuhr nochmals auf null gestellt. Der FC Thun ist nun alleinige Pächterin und Betreiberin des Fussballstadions.

Die Genossenschaft Arena Thun, die bis kurzem ebenfalls operativ tätig war im Stadion, tritt nunmehr nur noch als Immobilienbesitzerin auf. So ist es in einem Vertragswerk festgeschrieben, welches gestern von sämtlichen Akteuren, die in das ­Stadionprojekt in Thun-Süd involviert sind, unterschrieben und notariell beglaubigt wurde.

Beigelegt wurde auch der zähe Mietstreit zwischen dem Fussballclub und der Genossenschaft, welcher lange Zeit für latente Unruhe sorgte und einen konstruktiven Dialog weitestgehend ­verhinderte.

Zur Erinnerung: Der Super League-Verein überwies schon wenige Monate nach der teilweisen Betriebsübernahme im Sommer 2013 nur noch die Hälfte des vereinbarten Mietzinses von 110?000 Franken, weil er ihn als zu hoch empfand.

«Sämtliche Forderungen, die bis Ende 2015 aufgelaufen sind, haben wir bereinigt», verkündete Genossenschaftspräsident Thomas Gruber vor den Medien. Nachgeholt wurde auch die Äufnung des Erneuerungsfonds, der jährlich mit 300'000 Franken gespeist werden muss, in dem sich nunmehr 1,2 Millionen Franken befinden.

Ein Teil des Geldes wird zur Beschaffung eines neuen Kunstrasens benötigt. Und schliesslich wurde auch das Genossenschaftskapital, welches zwischenzeitlich angetastet wurde, wieder ins Lot gebracht.

«Wir haben ein solides Konstrukt geschaffen», ist Thuns Stadtpräsident Raphael Lanz überzeugt. Der SVP-Politiker hat zusammen mit Burgerratspräsident Markus Engemann eine zentrale Rolle gespielt, dass die zerstrittenen Parteien im letzten Augenblick über ihren Schatten sprangen.

Sie erinnerten die führenden Köpfe der Investorenfirmen HRS und Arco Real Estate Development an die Verpflichtungen, die sie 2007 eingegangen waren, als sie mit der Burgergemeinde und der Stadt einen Kontrakt zur Finanzierung, Planung, Erstellung und Betrieb eines Fussballstadions eingingen.

Sanften Druck auf die Investoren übte auch die Migros Aare aus, wichtiger Partner des FC Thun und seit Anfang Jahr Besitzerin des angrenzenden Einkaufszentrums. Die Migros habe alles ­getan, um das Gespenst einer Stadionruine zu vertreiben, sagte Gruber. «Ihr Engagement war für uns ein Glücksfall.»

Was wäre passiert, hätten sich Genossenschaft und FCT nicht über einen Pacht- und Nutzungsvertrag einigen können? Laut Präsident Markus Lüthi hätte es den langsamen Tod des Clubs bedeutet, weil ihm die Lizenz verweigert worden wäre.

«Jetzt beginnt die Reise erst»

Die FC Thun AG ist nun also offiziell ­alleiniger Herr im Haus. Die finanziellen Herausforderungen sind deswegen nicht kleiner geworden. «Jetzt beginnt die Reise erst», ist sich Lüthi bewusst.

Weil der Fussballbetrieb zu wenig Geld abwirft, um eine ausgeglichene Rechnung zu präsentieren, ist der Club auf Zusatzeinnahmen angewiesen. Fussballfremde Veranstaltungen und die Vermietung der Stadioninfrastruktur sollen Erträge im sechsstelligen Bereich abwerfen – und zwar schnell.

Eigentlich hätten sie «gar keine Zeit, auf einen grünen Zweig zu kommen», sagt Lüthi. Als Fazit bleibt: In der Thuner Arena ist vorerst Ruhe eingekehrt, doch der FCT wird ohne Mäzenatentum weiter heftig strampeln müssen, um sich über Wasser zu halten.

Der Bund

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