Ajeti wirft den Rettungsring

Als es bereits ganz düster aussieht für den FC Basel, trifft Albian Ajeti zum 1:2 bei PAOK Saloniki. Die Basler dürfen weiter auf die Champions League hoffen.

Glücksmoment im gegnerischen Tor: Albian Ajeti hat den wichtigen Basler Anschlusstreffer erzielt. (Video: SRF)

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Kürzlich haben sich Marco Streller und Bernhard Heusler getroffen. Der aktuelle Sportchef und der ehemalige Präsident des FC Basel unterhielten sich über Partien, in denen sich das Schicksal eines Fussballclubs entscheiden kann. Das haben die beiden in alten, gemeinsamen Zeiten ein paarmal erlebt. Die Quintessenz aus den gemeinsamen Erinnerungen fasst Streller so zusammen: «Diese Spiele musst du dann halt auch gewinnen.»

Die Fähigkeit, das wirklich zu tun, nennt sich im Fussball Qualität. Und ob der FCB davon genügend hat, um in dieser Saison seinen hohen Ansprüchen zu genügen, darüber darf auch nach dem Auftritt beim griechischen Cupsieger PAOK Saloniki gerätselt werden.

Die Basler haben derzeit auf jeden Fall keinen Streller im Sturm und schon gar nicht einen Alex Frei. Stattdessen haben sie für einen Dimitri Oberlin fünf Millionen nach Salzburg überwiesen, der in Thessaloniki übers Feld irrlichtert, als führe er einen Feldversuch in der Chaosforschung durch. Und der José Cañas Traumtor zum 0:1 nach mässigem Zweikampfverhalten von ganz nah anschauen darf.

Das sinkende Basler Boot

Der FCB hat aber wenigstens auch einen Albian Ajeti, der zwar seine erste grosse Gelegenheit des Abends vor der Pause vergibt. Der aber da ist, als das Basler Boot bereits im Thermaischen Golf vor Saloniki zu versinken droht. Mit seinem 1:2 durch einen Kopfball in der 81. Minute bestraft er die stümperhafte Abwehrarbeit der Griechen. Und er wirft seinen Teamkollegen einen Rettungsring hin.

Dank des Auswärtstores hat der FCB nun am 1. August noch realistische Chancen, einen Schritt näher in Richtung Champions League zu kommen – und sich bereits im Minimum für die Gruppenphase der Europa League zu qualifizieren.

Ein ähnlich wirrer Abend, wie ihn Basel in Thessaloniki abliefert, dürfte nicht reichen. Doch der FCB weiss nun auch, dass ihm keine Mannschaft gegenübersteht, vor der man weiche Knie bekommen muss. Saloniki hat mit dem aktuellen Europameister Vieirinha zwar einen Aktivposten auf dem linken Flügel und ein paar technisch beschlagene Akteure. Aber einen höheren Rhythmus als diesmal werden die Griechen kaum gehen können. Sie wissen ja nicht einmal, wann ihre nationale Liga starten soll.

Und vielleicht entspannt sich in den sieben Tagen bis zur zweiten Begegnung ja die personelle Notlage der Basler in der Abwehr. Dort setzt FCB-Trainer ­Raphael Wicky gegen PAOK Eder Balanta ein, weil er sein in der letzten Champions League so erfolgreich angewandtes 3-4-3 spielen lassen will. Der Innenverteidiger hat vor diesem Auftritt 18 von 22 Wettbewerbsspielen des FCB verpasst. Was ihm nur einmal richtig anzusehen ist, in der 80. Minute. Aber da fällt halt auch das 0:2 durch den in St. Gallen aufgewachsenen Aleksandar Prijovic.

Eine unendliche Geschichte

Und dann ist da noch die scheinbar unendliche Geschichte der FCB-Rechtsverteidiger. Erst verlässt Michael Lang Basel in Richtung Gladbach, dann verletzt sich der eingeplante Ersatz Taulant Xhaka. Ersatz-Ersatzmann Neftali Manzambi verzichtet dankend auf die Einsatzminuten, weil er lieber Stürmer wäre.

Der Transfer von Silvan Widmer schliesslich zieht sich so lange hin, dass er Trainingsrückstand hat, was in Saloniki aber egal ist, weil er mit einer Magen-Darm-Grippe fehlt. Und dann verletzt sich Ersatz-Ersatz-Ersatzmann Raoul Petretta nach 40 Minuten so schwer, dass Yves Kaiser kommen muss. Er ist 20, gelernter Innenverteidiger – und kommt in diesem Millionenspiel zum ersten Einsatz als Profi.

Warum die Griechen danach nicht mehr Druck über die Seite des Debütanten machen, bleibt ihr Geheimnis. Der FCB müsste sie dafür im Rückspiel eigentlich bestrafen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 24.07.2018, 23:46 Uhr

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