Zwei Talente auf Entdeckungsreise

Die Venezolaner Josef Martínez und Alexander González kämpfen fern der Heimat um einen Stammplatz.

Die YB-Spieler Alexander González (links) und Josef Martínez mit ihrem Freund und Berater Gabriel Urdaneta (Mitte).

Die YB-Spieler Alexander González (links) und Josef Martínez mit ihrem Freund und Berater Gabriel Urdaneta (Mitte). Bild: Tobias Anliker

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Vor drei Monaten hatten die jungen Venezolaner Alexander González und Josef Martínez vom FC Caracas zu den Young Boys gewechselt. Am vergangenen Sonntag erlebten die beiden Südamerikaner einen für sie denkwürdigen Tag. Beim 4:0-Sieg gegen Thun spielten sie erstmals gemeinsam mit YB.

Für Stürmer Josef Martínez, der am 19. Mai 19 Jahre alt wird, war es bereits der siebte Einsatz mit den Bernern. Für den um acht Monate älteren Alexander González dagegen bedeutete es das Debüt. González kam mit der Empfehlung von 65 Spielen und acht Toren beim FC Caracas nach Bern, zudem spielte er mit dem FC Caracas auch acht Mal bei der Copa Libertadores. Bei den Young Boys sass er aber bis am vergangenen Sonntag auf der Ersatzbank. Sein Einstand war auch für die YB-Fans ein Erlebnis. Erstmals sahen sie den schnellen, offensivstarken Defensivmann in einem Pflichtspiel auf der rechten Seite wirbeln. Von Gross wurde er indes mehr als einmal in die Abwehr zurückgerufen. «Wir haben ihn als Verteidiger verpflichtet», sagt der YB-Trainer dazu. «Ihn zieht es nach vorne, er hat dieses Temperament.» Es gelte nun, González ein bisschen mehr defensives Bewusstsein zu vermitteln, «ohne dass er seine Unternehmungslust verliert». Und der Coach macht gleich noch eines deutlich: «Von der Erfahrung her hat Zverotic auf dieser Position die Nase vorn.» Der war gegen Thun gesperrt gewesen, und so muss González damit rechnen, gegen den FC Zürich vorerst wieder auf der Ersatzbank zu sitzen.

Da wird er auch wieder den Zuspruch von seinem Kumpel Martínez brauchen. «Er muss den Kopf oben halten, darf sich nicht herunterziehen lassen. Gegen Thun haben wir gewonnen, das ist das Wichtigste», sagt Martínez. Der im Zweikampf bissige und am Ball starke Offensivspieler hat gute Chancen, auch gegen den FCZ in der Startformation zu figurieren. Gross räumt ein, dass das Duo Bobadilla/Mayuka weiterhin nicht gut funktioniert. «Der Prozess ist noch nicht abgeschlossen.» Und so trägt er sich mit dem Gedanken, den Afrika-Meister auch im Letzigrund als Joker einzusetzen. «Der Schlüssel könnte Josef Martínez sein. Er ist der bessere Verbindungsspieler zwischen Mittelfeld und Angriff.»

Der Jüngere der beiden Venezolaner hat zurzeit die besseren Karten, doch einen bedrückten Eindruck macht González deswegen nicht. «Wir sind in einem super Klub, wir wurden von unseren neuen Teamkollegen sehr gut aufgenommen», lässt er durch Gabriel Urdaneta übersetzen. Der Landsmann und einstige YB-Spieler, der jetzt beim FC Köniz in der 2. Liga interregional die Tore schiesst, war beim Deal der beiden vom FC Caracas zu YB involviert gewesen und zählt für sie als Freund. Wenn immer es geht, ist Urdaneta bei den YB-Partien dabei. «Ich rufe sie zwar nicht täglich an, aber wir sprechen oft miteinander», sagt der ehemalige Nationalspieler. Und jeden Freitagmittag treffen sie sich zum Essen. «Gaby nimmt dann seine beiden kleinen Töchterchen mit, das ist dann wie ein Familienausflug», lacht Martínez.

Seit fünf Jahren zusammen

Vor fünf Jahren, bei einem Zusammenzug der U-16-Auswahl von Venezuela, haben sich Josef und Alexander zum ersten Mal getroffen. Seither verbringen sie mehr Zeit miteinander als mit ihren Eltern oder Geschwistern. Sie wohnen in Bolligen im selben Wohnblock, aber nicht im gleichen Appartement. «Das ist besser so», sagt González. Streit gebe es nie, aber manchmal ein klein bisschen Stress untereinander. Das sei aber ganz selten. «Dennoch ist es manchmal besser, wenn wir unsere Ruhe haben», lässt González durchblicken. Es fällt auf, dass beide im Gespräch die Themen Ruhe, Sicherheit und Ordnung mehrmals anschneiden. González ist in Caracas aufgewachsen. «Das ist eine unübersichtliche Millionenstadt», weiss Urdaneta. Und Josef Martínez, der seine ersten Jahre im venezolanischen Valencia lebte, wo seine Familie weiterhin wohnt, bevor er zum FC Caracas wechselte, fügt an: «In Caracas muss man ständig auf der Hut sein, da gibt es viele Pistolen-Männer und Drogendealer.»

Bern dagegen sei gemütlich, er gehe gerne auf die Gassen, um Kaffee zu trinken und Glacé zu essen. Zu viel zu Hause sei nicht gut, da kommen Heimweh und Trübsinn auf. Noch sprechen die beiden erst einige Sätze Deutsch, die von YB organisierten Deutschstunden sind für die beiden obligatorisch. «Es ist wichtig, so schnell wie möglich Deutsch zu lernen», bläut ihnen Urdaneta ein, der mit einer Bernerin verheiratet ist. Auf den nächsten Mittwoch freuen sich die beiden Talente speziell. Dann treffen sie auf dem Liebefeld gegen Köniz und den 36-jährigen Urdaneta. (Der Bund)

Erstellt: 31.03.2012, 09:55 Uhr

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