YB in einer eigenen Liga

YB siegt in Sitten 3:0 – und schwebt in der Super League gerade über der Konkurrenz. Zahlen und Statistiken helfen, den Höhenflug einzuordnen.

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Der Dauerlauf der Young Boys geht ungebremst weiter. Sie sprengen dabei schier mathematische Grenzen. Zahlen lügen nicht. Es gibt nicht viele Möglichkeiten, in einer Liga mit zehn Mannschaften nach sechs Spieltagen 8 Punkte Vorsprung zu haben. YB hat einen Weg gefunden.

Hilfreich ist einerseits die Siegesserie, die am Samstag mit einem soliden 3:0 beim FC Sion fortgesetzt wurde. Und andererseits die Baisse der anderen Favoriten sowie die Ausgeglichenheit in der Super League – hinter dem Dominator aus Bern. Zwischen Rang 2 und Rang 10 beträgt die Differenz nur 6 Zähler. Es ist ein bisschen Zufall, wer da gerade auf welchem Platz steht.

Ganz oben, weit entrückt, thronen die Young Boys. Sie spielen in einer eigenen Liga. Und demnächst in der Champions League. Ein «grosses Kompliment» sprach Trainer Gerardo Seoane seiner Mannschaft für den konzentrierten Auftritt im Wallis wenige Tage nach dem Einzug in die Königsklasse aus.

Loris Benito erwähnte die «mentale Stärke» des Teams. «Wir spielten in der Startphase sehr energiegeladen und selbstbewusst», sagte der Linksverteidiger. «Damit rechnete Sion ganz sicher nicht.»

Bertones Balleroberung

Lange Zeit sah es so aus, als ob YB mit einem Tor und zwei Gesichtern im 50-Jahr-Tourbillon-Jubiläumsspiel zu 3 weiteren Punkten kommen würde. Der Gast überzeugte vor der Pause gegen ein lamentables Sion, sinnbildlich war das frühe Führungstor in der 14. Minute. Leonardo Bertone eroberte den Ball gegen den schläfrigen Xavier Kouassi und be­diente Torschütze Christian Fassnacht.

Die Young Boys verpassten es aber, die Begegnung bis zur Pause zu entscheiden – und nach dem Seitenwechsel reagierte der mal wieder kunterbunt zusammengestellte FC Sion mit seinem interessanten Talentschuppen. Die grösste Ausgleichschance vergab der Brasilianer Adryan mit einem Foulelfmeter, den er fast zwei Meter über das Tor drosch. Der Ball läuft und fliegt in diesen Startwochen für YB.

Adryans grotesker Fehlschuss wirkte wie ein Weckruf für kurzzeitig wankende Young Boys, die den knappen Vorsprung in der Schlussphase souverän verteidigten – und in der Nachspielzeit durch Fassnacht sowie den wenige Sekunden zuvor eingewechselten Ulisses Garcia sogar noch einen laut Seoane «etwas zu hohen Sieg» realisierten.

Sie haben nun in 37 Pflichtspielen in Serie getroffen. Es ist eine weitere bemerkenswerte Statistik in einem bemerkenswerten Höhenflug, für den manchmal fast die Worte fehlen. «Es ist schön, kommt nun die Länderspielpause», sagte Be­nito. «Da können wir all die Ereignisse in Ruhe sacken lassen.»

Die Erinnerung an 2009

Der einzige unzufriedene Stadtberner im Tourbillon war Sions Trainer Maurizio Jacobacci, dessen Job bereits wieder in Gefahr ist. Die Young Boys dagegen hinterlassen einen stabilen Eindruck, aber auch sie werden trotz ihrer Überlegenheit die Saison nicht mit lauter Siegen beenden.

Jahrelang hatte man sich in der Fussballschweiz ja über die Langeweile angesichts der Basler Dominanz beschwert – und nun ist es YB, das einsam seine Kreise dreht. Heute rücken mit den Youngster Kevin Mbabu und Djibril Sow zwei Berner Fussballer in die Schweizer Nationalmannschaft ein, beide könnten in den nächsten Jahren tragende Rollen in der Auswahl einnehmen.

Es ist ein bisschen Zufall, wer hinter YB auf welchem Platz steht.

Christian Fassnacht ist zudem auf der Pikettliste, Benito steht unter Beobachtung von Nationalcoach Vladimir Petkovic. Auch das sind Zeichen der vorzüglichen Entwicklung des Teams.

Nach der Länderspielpause geht es für YB mit drei Partien in drei Wettbewerben innerhalb von acht Tagen weiter. Als Steve von Bergen in Sitten gefragt wird, ob er sich in der Champions League am meisten auf Manchester United, Juventus oder Valencia freue, antwortet er trocken: «Auf Schaffhausen.»

Gegen den Challenge-League-Vertreter bestreitet YB am 15. September die nächste Begegnung im Cup­sechzehntelfinal, danach folgen die Heimspiele gegen Manchester sowie in der Liga gegen Basel.

Verliert der kriselnde FCB das Duell im Stade de Suisse, würde er nach sieben Runden bereits 12 Punkte hinter YB liegen. Es wäre beinahe wie 2009, als die Young Boys nach einem 2:1-Sieg in Basel am 8. Spieltag 13 Zähler mehr als der Rivale totalisierten. Das war in der ersten von acht FCB-Meistersaisons nacheinander.

Der Rekord von 1959 wackelt

Zahlen lügen also auch. Und sowieso: Historische Dimensionen besitzt der YB-Traumstart noch nicht. 1959 waren die Young Boys als Serienchampion mit sieben Erfolgen gestartet. Mit Heim­siegen gegen Basel und St. Gallen könnte der Meister einen Rekord aufstellen. St. Gallen ist übrigens jene Mannschaft, die derzeit auf Rang 2 steht. Aber dort waren diese Saison auch schon Xamax, Zürich, Basel – und Sion.

(Berner Zeitung)

Erstellt: 03.09.2018, 07:55 Uhr

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