YB enttäuscht in Überzahl

Obwohl die Berner über 70 Minuten mit einem Mann mehr spielen, schaffen sie gegen Aarau nur ein 1:1.

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Gegen zehn Aarauer mühten sich die Young Boys auf dem Brügglifeld ab, spielten während der zweiten Halbzeit phasenweise Powerplay – aber eben auch viele Fehlpässe. Erst in der 87. ­Minute gelang den Gästen gegen den ­erschöpften Tabellenletzten durch den zehnten Meisterschaftstreffer von Guillaume Hoarau das 1:1. Und in der Nachspielzeit hatten die Berner Pech. Zuerst scheiterte Zarate alleine vor Mall am Aarauer Goalie, und beim nächsten Angriff vermochte Aaraus Garat einen Schuss von Nuzzolo in höchster Not vor der Torlinie wegzuschlagen.

«Ein 2:1 wäre nach diesem Auftritt ­etwas zu viel des Guten gewesen», meinte Uli Forte selbstkritisch. YB bleibt so im Trend dieses Jahres: Zu Hause gewann es all drei Heimspiele, auswärts spielte das Team dreimal unentschieden. Dabei hätte es eine Runde für die Berner werden können, da der FC Zürich, der Rivale um Platz 2, gegen Sion 0:1 verlor und ­Leader Basel in St. Gallen nur 2:2 spielte.

«Zumindest unsere Situation gegenüber dem FCZ hat sich um einen Punkt verbessert vor dem direkten Duell am nächsten Sonntag», sagte der YB-Trainer. Als er von den Medienleuten gefragt wurde, ob seine Mannschaft überheblich aufgetreten sei, reagierte Forte nicht so, wie es branchenüblich ist. Er zeigte nicht aufgesetzte Empörung und polterte, das sei eine infame Unterstellung, sondern neigte seinen Kopf leicht zu Seite und antwortete nach einer kurzen Pause. «Der Zuschauer konnte diesen Eindruck der Überheblichkeit gewinnen, zumindest in den ersten 20 Minuten.»

Auch Fredy Bickel war enttäuscht: «Die ersten 30 Minuten waren wir erschreckend passiv, danach benötigten wir 30 Minuten, bis wir wussten, wie wir gegen diesen Gegner spielen müssen, und die letzten 30 Minuten waren okay.» Das Stade de Suisse sei eben nicht das Brügglifeld, fügte der YB-Sportchef an. «Aber das sollte man als Spieler wissen. Wir spielten gegen einen Gegner, der um seine letzte Chance kämpfte.»

Nach 20 Minuten Rot gegen Djuric

Die Aarauer waren in der 5. Minute in Führung gegangen, als Jäckle einen ­weiten Pass nach vorne schlug, von Bergen nicht im Bilde war und Sliskovic entwischen liess, der im sechsten Spiel sein erstes Tor für Aarau erzielte. In dieser Phase mussten sich die Berner vom Tabellenletzten dominieren lassen, sie brachten keine Offensivaktion zustande und wirkten in der Abwehr anfällig.

Nach 20 Minuten aber traf Djuric mit rabiatem Einsteigen Steffen am Knie. Die TV-Bilder zeigen, dass Djuric im letzten Moment versuchte, den Fuss zurückzuziehen, dennoch traf er das rechte Knie des YB-Spielers, der danach mit der Bahre vom Platz getragen wurde. Schiedsrichter Jaccottet zögerte nicht und stellte Djuric richtigerweise vom Platz. Nach kurzer Pflege konnte der im Aarauer Vorort Erlinsbach aufgewachsene Steffen wieder mitspielen und wurde fortan vom Aarauer Publikum bei jeder Ballberührung ausgepfiffen. Djuric beteuerte hinterher, dass keine Absicht im Spiel war. «Steffen ist so schnell, ich kam zu spät.» Und der YB-Spieler, der nach dem Spiel erklärte, es sei offensichtlich lediglich eine Prellung, er werde aber am Montag das Knie von Ärzten genau untersuchen lassen, gab sich versöhnlich: «Djuric hat sich nach dem Spiel bei mir entschuldigt. Für mich ist die Sache abgehakt.»

Auch Steffen räumte ein: «Wir hatten es lange Zeit nicht geschafft, mit 11 gegen 10 Mann den Gegner richtig unter Druck zu setzen. Am Schluss aber fehlte wenig, und wir hätten gar noch gewonnen.»

Auf Hoarau ist Verlass

Es hatte bis zur 32 Minute gedauert, ehe YB durch Bertone zu seiner ersten Torchance gekommen war. Und lange Zeit waren Gerndt und Hoarau in offensiver Hinsicht gegen die solidarisch kämpfenden Aarauer überhaupt nicht im Spiel. Erst in der 75. Minute kam Hoarau mit ­einem Kopfball erstmals gefährlich zum Abschluss. Doch danach zeigte er einmal mehr, was er auch an einem schlechten Tag für die Young Boys wert ist. Nach einer ungenügenden Abwehr von Jäckle spielte Gajic den Ball in den Strafraum, und der Franzose rettete mit seinem Ausgleich seinem Team einen Punkt.

YB bleibt somit im 11. Spiel in Serie – bei 8 Siegen und 3 Unentschieden – ungeschlagen. Aarau dagegen hat seit 13 Spielen nicht mehr gewonnen und lediglich fünf Unentschieden geschafft. Die Aarauer haben in dieser Saison schon gegen jede Mannschaft der Super League verloren – nur gegen YB und Thun nicht.

Der Bund

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