YB: Kleine Gesten auf der grossen Bühne

Die Young Boys müssen vor den Toren zur Champions League Dinamo Zagreb überwinden. Vor dem Hinspiel am Mittwoch in Bern (21 Uhr, live auf SRF 2) sind sie um Normalität bemüht.

Ruhe in Zeiten des Aufruhrs: YB-Trainer Gerry Seoane (links) und sein Captain Steve von Bergen bleiben vor der ersten grossen Aufgabe in der Saison erstaunlich gelassen.

Ruhe in Zeiten des Aufruhrs: YB-Trainer Gerry Seoane (links) und sein Captain Steve von Bergen bleiben vor der ersten grossen Aufgabe in der Saison erstaunlich gelassen.

(Bild: Keystone)

Die Uefa ist da. Der europäische Verband ist ein mächtiger, allbestimmender Player im Fussballgeschäft und hat mit der Champions League das grösste Clubturnier überhaupt geschaffen. Lange bevor die Young Boys am Mittwoch gegen Dinamo Zagreb mit dem Heimspiel in den Playoff-Vergleich steigen, haben die Uefa-Vertreter im Stade de Suisse gewirkt.

YB-Trainer Gerardo Seoane ist vor dem Playoff-Hinspiel zur Champions League gegen Dinamo Zagreb zuversichtlich. Video: Webvideo Tamedia

Sternenbanner, Sponsorenwände, Beschilderungen – die Veränderungen sind überall sichtbar. Wer zahlt, befiehlt, und zahlen, das tut in diesem Fall die Uefa, im Optimalfall für YB sogar ziemlich viel.Und so ist vor den wirtschaftlich bedeutsamen, sportlich möglicherweise historischen Partien gegen Zagreb bei den Young Boys lange nicht alles wie immer. Um eine Rhetorik in genau diesem Sinne bemühen sich jedoch die sportlich Verantwortlichen.

Gerardo Seoane wird als Trainer zum ersten Mal bei einem internationalen Spiel an der Seitenlinie stehen. Beflissen zählt der YB-Coach mit der bis anhin makellosen Bilanz (fünf Spiele, fünf Siege) die Erfolge des Gegners im Europapokal auf, die Rhetorik des eher stärker einzuschätzenden YB ist bewusst defensiv. «Wir bereiten uns vor wie immer», sagt Seoane.

Der Neuling bleibt gelassen

Der Habitus bleibt der gleiche, möglichst wenig Lärm um viel, wenn man so will. Um viel Prestige, um viel Geld. Und um viel Geschichte. Noch nie haben die Young Boys die Gruppenphase der Champions League erreicht, ausgerechnet ihm, dem Trainerneuling Seoane, könnte das nun gelingen. «Ich versuche, nicht allzu sehr auf die historische Bedeutung zu fokussieren.»

Die Young Boys werden am Mittwoch fast in Bestbesetzung antreten, die beim denkbar knapp gewonnenen Cupspiel in Biel (3:2 nach Verlängerung) geschonten Kräfte dürften allesamt ins Team zurückkehren. Dazu gehört nicht Roger Assalé, der nach einer Bänderverletzung erst langsam wieder trainieren kann, dazu gehört aber Steve von Bergen, der nach Wadenproblemen wieder fit ist.

Die Mannschaft müsse nicht mehr motiviert werden, sagt von Bergen, «natürlich nicht». Der Neuenburger steht in seiner sechsten Saison mit YB, er hat schon den einen oder anderen Anlauf auf die Königsklasse mitgemacht – und sagt: «Wir sind weiter als in anderen Jahren.»

Der Captain also ist schon mal überzeugt, dass YB gegenüber der letzten Kampagne an Stabilität gewonnen hat. Ein Jahr ist es her, seit YB nach guter Leistung im Hinspiel gegen ZSKA Moskau eine vielversprechende Ausgangslage in letzter Sekunde mit einem Eigentor zunichtemachte. «Im Fussball geht es so schnell. Was vor einem Jahr war, interessiert mich nicht mehr», sagt von Bergen.

Erfreulich oder enttäuschend?

Vor einem Jahr lösten die Young Boys mit dem Erfolg in letzter Minute im Rückspiel gegen Dynamo Kiew eine kleine Europacup-Euphorie aus. Dennoch blieb das Stadion im Playoff-Heimspiel eine Runde später gegen ZSKA Moskau zu einem Drittel leer.

20'000 Zuschauer kamen, fast so viele Tickets setzten die Berner bis Dienstagabend für das Spiel am Mittwoch ab. Die ungewohnt späte Anspielzeit (21 Uhr), Karten im Einzelverkauf, die Übertragung im öffentlichen Fernsehen – es gibt durchaus Gründe für den geringen Aufmarsch.

Und natürlich kann man 20'000 Zuschauer unter der Woche auch als erfreuliche Präsenz bezeichnen. Die Präferenzen des Berner Fussballpublikums vermögen auf jeden Fall immer wieder zu erstaunen. Dass zur Meisterschaftspartie am Samstagabend gegen Xamax ähnlich viele Zuschauer kommen wie am Mittwoch, im Spiel um die Champions League, ist gut möglich.

Eine Unbekannte in der Gleichung bilden die Supporter von Zagreb. Fans aus Kroatien werden zwar rund 600 erwartet und in den angrenzenden Sektoren rechnet YB mit einigen Dinamo-Fans aus der Schweiz.

Vorfreude, Erwartung, Druck – Anführer von Bergen vermag alles, wovon er und seine Mannschaft am Mittwochaben zehren und was auf ihnen lasten wird, in einem Satz auszudrücken und sagt: «Wenn wir das packen, wäre das für alle hier eine Riesensache.»

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt