Wird ein Deutscher der Nachfolger von Hütter?

Nach dem angekündigten Abgang von Adi Hütter dreht sich bei YB das Trainerkarussell.

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Adi Hütters Wechsel nach Deutschland ist keine Überraschung. Der YB-Trainer hat stets betont, dass es sein Ziel sei, in der Bundesliga arbeiten zu wollen. Er sagte im Herbst beispielsweise Werder Bremen ab, weil seine Arbeit in Bern noch nicht beendet war. Und weil er selbstbewusst genug war, auf bessere Angebote zu warten. Im kleinen Kreis sprach er von einem Top-8-Club, den er übernehmen möchte.

Nun ist der Zeitpunkt des Wechsels für Hütter perfekt. Er wurde in Österreich Meister und Pokalsieger mit Red Bull Salzburg. Er führte die Young Boys zur ersten Meisterschaft seit 1986 – und verlässt die Schweiz vielleicht ebenfalls als Doublesieger. Am 27. Mai im Cupfinal gegen den FCZ ist YB klar favorisiert. Was hätte Hütter noch mehr erreichen wollen? Natürlich wäre es reizvoll gewesen, YB erstmals in die Champions League zu führen – aber die Bundesliga ist in jeder Beziehung deutlich grösser, interessanter, wichtiger als die Super League.

Bloss ein Zwischenschritt?

Ein wenig überraschend mag vielleicht der neue Verein Hütters sein. Mit ein bisschen Geduld hätte er eventuell ein noch lukrativeres Angebot erhalten. Frankfurt hat zwar eine starke Saison absolviert, schwächelte aber zuletzt – und wurde Achter. Nun geht Eintracht-Coach Niko Kovac zu Bayern. Und hinterlässt eine grosse Lücke.

Ein Top-8-Vertreter ist die Eintracht jedoch nicht, bei schlechter platzierten Vereinen wie Wolfsburg und Gladbach sind die wirtschaftlichen Möglichkeiten erheblich besser. Doch Frankfurt ist ein Traditionsclub und in der smart geplanten Karriere Hütters genau der richtige nächste Arbeitgeber. Es würde keineswegs ­erstaunen, sollte der 48-Jährige in einigen Jahren zu einem noch prominenteren Club wechseln.

Die schwierige Suche

Für die Young Boys ist der Verlust Hütters schwierig aufzufangen. Wahrscheinlich trifft es den Meister sogar härter als die zu erwartenden Abgänge talentierter Fussballer wie Kasim Nuhu und Kevin Mbabu, Roger Assalé und Leonardo Bertone. Hütter ist es gelungen, in Zusammenarbeit mit Sportchef Christoph Spycher in einem jahrelang sehr unruhigen Betrieb ein bemerkenswertes Leistungsdenken zu etablieren. Sein Team agierte grösstenteils offensiv, attraktiv, erfolgreich. Auch Hütter hinterlässt eine grosse Lücke.

Es ist die schwierige Aufgabe Spychers, aus den Dutzenden von Interessenten einen geeigneten Nachfolger Hütters zu finden. Als Meister sind die Young Boys eine äusserst attraktive Adresse geworden, die Perspektiven sind dank finanziellem und sportlichem Höhenflug erfreulich. Und auf dem Markt sind bemerkenswert viele in den letzten Jahren erfolgreiche Schweizer Trainer, denen man zutrauen würde, YB zu dirigieren.

Erwähnt seien Marcel Koller, Martin Schmidt, Urs Fischer, Murat Yakin, René Weiler und Fabio Celestini. Bei jedem dieser Kandidaten gibt es aber auch Vorbehalte. Der eine mag zu alt sein, der andere zu satt, der eine und andere passt nicht zu YB, der nächste soll kompliziert sein, der letzte spricht zu wenig gut Deutsch. Vielleicht verpflichtet YB auch erneut einen ausländischen Coach.

Wer hätte 2015 schon gedacht, dass sich Adi Hütter als Legende verabschieden wird? Es gibt in Deutschland und Österreich, Holland und Skandinavien prächtig ausgebildete Fussballlehrer. Spontan fällt einem Hannes Wolf ein. Der 37-Jährige leistete in Stuttgart fantastische Arbeit, führte den Club zurück in die Bundesliga, musste aber im Januar nach einer kleinen Ergebniskrise gehen – und wurde im März als «Trainer des Jahres 2017» in Deutschland ausgezeichnet. Wolf gilt als einer, der Talente formt und führt und über eine hohe Sozialkompetenz verfügt. Genau solche Qualitäten sind unter Christoph Spycher gefragt. Er muss nicht den besten Trainer engagieren – sondern jenen, der am besten zu YB passt.

Erstellt: 16.05.2018, 17:56 Uhr

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