«Wir sehen mehr über Fehler hinweg»

Seit knapp zwei Wochen ist der 38-jährige Thomas Häberli Nothelfer bei YB – zusammen mit Interimscoach Erminio Piserchia. Der einstige YB-Stürmer über die Rückkehr ins Profi-Tagesgeschäft.

Thomas Häberli (rechts) über die Zusammenarbeit mit Erminio Piserchia: «Wir sprechen uns in allen Dingen ab. Am Ende liegt die Entscheidung aber bei ihm.»

Thomas Häberli (rechts) über die Zusammenarbeit mit Erminio Piserchia: «Wir sprechen uns in allen Dingen ab. Am Ende liegt die Entscheidung aber bei ihm.»

(Bild: Keystone)

Thomas Häberli, was ist spannender – Talente der U-18 auszubilden, oder der Job als Assistenztrainer in der Super League? Beide Aufgaben sind spannend. Ich habe kein Problem mit dem abrupten Wechsel. Nach zwei etwas ruhigeren Jahren als Nachwuchstrainer gefällt mir die Abwechslung, und ich habe nichts dagegen, dass ich nun bei der ersten Mannschaft zurück im Tagesgeschäft bin, wo zurzeit bei uns ja viel los ist.

Wer betreut nun die U-18? Diese Woche springen meine Trainerkollegen ein. Am vergangenen Samstag coachte ich noch das U-18-Team, da das Spiel um 14 Uhr begann, am Abend war ich dann auf der Bank bei YB – Luzern.

Was haben Sie Raúl Bobadilla nach seinem verbalen Ausraster gegen das Schiedsrichter-Trio beim Spiel gegen Luzern gesagt? Nichts. Erminio Piserchia und ich haben mit Bobadilla und auch Pascal Doubai bewusst nicht das Gespräch gesucht. Wir haben am Dienstag das Thema allgemein angesprochen, den Spielern nochmals klar gemacht, wie wichtig es ist, die Nerven zu behalten. Es geht nicht, aus persönlichem Frust der Mannschaft zu schaden.

Bobadilla und Doubai wurden für je sechs Spiele gesperrt. Werden sie jetzt weiter mit der Mannschaft trainieren? Natürlich, sie gehen sicher nicht jetzt in die Ferien. Gegen Thun ist auch noch Veskovac gesperrt. Andere sind nun gefragt, wir haben ein Kader von 25 Spielern, und so, wie es aussieht, brauchen wir alle. Das ist doch auch ein positiver Aspekt.

Auch Mario Raimondi, der seit Monaten nicht mehr spielt, oder David Degen, der in Gedanken bereits in Basel ist? Jeder hat seine Chance, wieder ins Team zu kommen. Wir haben das den Spielern auch so kommuniziert. Entscheidend ist die Leistung, was zuvor war, ist Vergangenheit.

Haben Sie und Erminio Piserchia die Befugnis, intern Strafen auszusprechen für Disziplinlosigkeiten? Es sind jetzt noch 11 Tage bis Saisonende, und wir haben noch drei Spiele vor uns. Wir haben die Aufgabe, die Mannschaft für den Europacup zu qualifizieren. Mit internen Sanktionen müssen sich andere Leute befassen.

Nach dem 2:2 gegen Luzern ist der 2. Platz in die Ferne gerückt. Selbst Platz 4 gerät in Gefahr, wenn YB am Sonntag in Thun verlieren sollte. Ich habe ein gutes Gefühl. Gegen Luzern stimmte vieles, nur die Chancenauswertung nicht. Klar, die Mannschaft wurde nach dem ersten Luzerner Tor wieder hektisch und nervös. Das ist ein Spiegelbild der Saison.

Hat Christian Gross mit seiner harten Kritik die Spieler derart verunsichert – oder ist das eine der vielen Ausreden der Spieler? Ein schwieriges Thema, über das ich mich nicht auslassen möchte. Es sind viele Prozesse, die sich innerhalb der Mannschaft abspielen. Jeder Spieler hat seine eigenen Gedanken, seine eigene Geschichte, die ihn prägt. Es ist nicht schwarz oder weiss, sondern vieles spielt sich in der Grauzone ab. Zusammen müssen wir die Spirale finden, welche jeden nach oben trägt.

Wie nimmt man den Druck von der Mannschaft? Wir sehen sicher mehr über Fehler hinweg, als wir das bei Saisonbeginn tun würden. Es gibt ja auch Lösungen: Man kann kämpfen und grätschen, um den verlorenen Ball zurückzuerobern. Das klingt ein bisschen banal. Aber es sind oft kleine Dinge, die vielleicht den Unterschied ausmachen.

Wie ist die Arbeit zwischen Ihnen und Piserchia aufgeteilt? Ist es so wie auf dem Papier: Er der Chef und Sie der Assistent? Wir sprechen uns in allen Dingen ab. Am Ende liegt die Entscheidung bei Erminio. Das ist auch wichtig, denn einer muss die Linie vorgeben. Er hält auch die Ansprachen bei den Teamsitzungen, er bestimmt an den Matches, welche Spielerwechsel wir vornehmen. Entscheidend ist, dass alle Spieler wissen, was wir wollen: Greifen wir den Gegner früh an, oder ziehen wir uns zurück. Wie verhalten wir uns in den Phasen, in welchen das Spiel entschieden wird. Das versuchen wir in der kurzen Zeit bis Saisonende zu vermitteln, damit die Mannschaft auf dem Feld so denkt wie wir draussen auf der Bank. Es gelingt nicht immer, aber wir müssen versuchen, der Mannschaft ein einheitliches Bild zu geben.

«Häbi» ist Kult, heisst es bei YB. Gab es viele Fan-Raktionen, überquillt die Mailbox? Nein, aber ich bin auch selten in den sozialen Medien, ich bewege mich nicht gross in diesen Bereichen. Aber in den Begegnungen mit den Menschen merke ich die Sympathien. Man spürt es auch im Stadion – es ist eine positive Energie, die Fans tragen uns. Das sind schöne Erfahrungen – besonders in der jetzigen Situation.

Zurzeit besitzt kein Trainer bei YB die Uefa-Pro-Lizenz, welche Bedingung ist, um ein Team der Super League zu betreuen. Wann beginnen Sie mit der Ausbildung? Ich bin für den nächsten Kurs angemeldet, der im Januar beginnt. Dieses Jahr findet übrigens kein Kurs statt, das ist enttäuschend für mich. Im kommenden Jahr habe ich diverse Kurse zu besuchen, Module heisst das, dazu kommen die Praktiken bei ausländischen Vereinen. Im Sommer 2014 sollte ich die Uefa-Pro-Lizenz in der Tasche haben. Nach dem Karriere-Ende als Spieler war für mich klar, dass ich möglichst schnell die Uefa-Pro-Lizenz in der Tasche haben will. Bisher bin ich in der Ausbildung als Trainer ziemlich schnell vorwärts gekommen.

Und was ist nächste Saison? Werden Sie Assistent des neuen YB-Trainers oder gehen Sie zurück als Ausbildner in die Nachwuchsabteilung? Das ist noch offen.

Der Bund

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