«Wir müssen zeigen, wer der Herr im Haus in Deutschland ist»

Uli Hoeness zeigt sich Im Videointerview angriffig – und sagt, was er vom Red-Bull-Club RB Leipzig hält.

Rechnet mit einer Attacke von RB-Eigner Dietrich Mateschitz auf dem Transfermarkt: Uli Hoeness. Video: AFP/SID

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Uli Hoeness ist bereits in den ersten 48 Stunden seiner Rückkehr in Höchstform. Beim Besuch eines Fanclubs analysierte der neue Bayern-Präsident die Situation in der Bundesliga durch RB Leipzig. Dabei rechnet Hoeness mit einer Attacke von RB-Eigner Dietrich Mateschitz auf dem Transfermarkt. Und er unterstreicht Bayerns Führungsanspruch: «Wir müssen zeigen, wer der Herr im Haus in Deutschland ist».

Er war zweieinhalb Jahre weg, er hat dem FC Bayern gefehlt, der FC Bayern hat ihm gefehlt. Aber Uli Hoeness braucht nicht lange, da ist er wieder in seinem Element. Schon bevor er am Freitagabend 98,5 Prozent der abgegebenen Stimmen bei der Wahl zum Präsidenten erhält, fallen deutliche Worte. Als er dann wieder der starke Mann des deutschen Rekordmeisters ist, legt er nach. Und am Samstag und am Sonntag wird klar: Uli «Mia san mia» Hoeness ist wieder da.

Klare Sprache

Am Samstag, das Spiel gegen Bayer Leverkusen ist mit Glück gewonnen (2:1), da marschiert Hoeness erst mal in die Kabine. Die Mitglieder des Vereins hat er am Freitag für sich eingenommen, nun ist die Mannschaft dran. Er bleibt etwa 20 Minuten, dann läuft Hoeness beschwingt durch das Erdgeschoss der Arena. Sie sind ein Einstand nach Mass, seine ersten nicht mal 48 Stunden, die bei einem umjubelten Fanclub-Besuch am Sonntag darin gipfeln, dass wie einst der «Kaiser» einen Ball vom Weissbierglas ins rechte untere Loch einer Torwand schiesst.

Am Freitag, am Ende seiner Rede, mit der er sich der Form halber um das Amt des Präsidenten bewirbt, sagt er: «Die Fähigkeit, in einer klaren Sprache und Aussprache Probleme anzusprechen, ist nicht verloren gegangen, sie schläft nicht, sie ruht und sie kann bei Bedarf jederzeit zurückkommen.» Leute, macht er deutlich: Die «Abteilung Attacke», die gibt es nach wie vor, und wenn es sein muss, öffne ich die Türe und komme raus.

Der zweite Feind heisst RB Leipzig

Kurze Zeit später ist Hoeness schon auf Betriebstemperatur und sagt über RB Leipzig: «Wir haben neben Dortmund einen zweiten Feind, den wir jetzt endlich wieder attackieren können.» Es ist ein Satz, den Hoeness einen Tag später in aller Öffentlichkeit bereut. «Im Fussball gibt es keine Feinde, die gibt es im Krieg. Im Irak oder Syrien, da gibt es Feinde, aber nicht im Fussball - das sind Rivalen und Gegner», sagt er bei Sky und im ZDF, «das Wort Feind nehme ich hiermit offiziell zurück und entschuldige mich dafür.»

Der Satz mit dem Feind, erklärt Hoeness, sei «in meiner Euphorie» gefallen, an einem Abend, von dem er in der Haft geträumt habe. Fünfeinhalbtausend Briefe habe er während dieser Zeit bekommen, teils von wildfremden Menschen und Fans anderer Klubs, er habe sie gelesen, wenn es ihm nicht gut ging, auf dem Bett sitzend oder liegend und heulend «wie ein Schlosshund». Nicht zuletzt diese Anteilnahme, macht er deutlich, habe ihm die Kraft gegeben, die «schwierige Zeit so gut zu überstehen», zurückzukommen und «es wieder zu packen».

Die Vision für Bayern

Diese «Vision» (Hoeness) habe sich bereits an dem Tag entwickelt, an dem er für Karl Hopfner Platz machen musste. Also am 2. Mai 2014, als er rief: «Das war's noch nicht!» Seine Visionen für den FC Bayern umreisst Hoeness nur kurz, er betont dabei aber von allem die «ungeheure» soziale Verantwortung, derer der FC Bayern gerecht werden müsse, er verspricht auch, dass er intern ein «Bindeglied» und «Kümmerer» sein wolle.

Am Samstag wird Hoeness deutlicher. Karl-Heinz Rummenigge hat zu verstehen gegeben, dass Philipp Lahm Sportdirektor beim FC Bayern wird. Rummenigge und er selbst, ergänzt Hoeness im ZDF, «müssen in den nächsten paar Jahren den personellen Umbruch in der Führung einleiten, das halte ich für die wichtigste Arbeit der nächsten Jahre und dazu fühle ich mich, sagen wir mal, genötigt fast. Weil das Werk, das Karl-Heinz und andere und ich hier aufgebaut haben, das müssen wir demnächst in gute Hände legen.»

Wieder gewinnen

Wenn man so will ist Hoeness auch zurückgekommen, um sich abzuschaffen. An erster Stelle aber steht für ihn zunächst die «sportliche Delle», er betont: «Wir müssen darüber reden, wie wir wieder Spiele gewinnen.» Und, klar, «gewisse Stellschrauben müssen sicher verändert werden», aber, um daran zu drehen, dafür seien ja Rummenigge oder Trainer Carlo Ancelotti da, «da muss nicht der schlaue Hoeness kommen».

Das aber glaubt er wohl selbst nicht. Denn, wie sagt er noch: «Wenn ich etwas mache, mache ich es richtig.» (AFP/SID)

Erstellt: 28.11.2016, 09:13 Uhr

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