Wenn das Spiel zur Nebensache wird und der Referee nicht abpfeift

Der 19-jährige Norweger Flamur Kastrati erlitt auf dem Platz bei einem Zusammenprall ein Schädel-Hirn-Trauma, dennoch mussten Cottbus und Osnabrück die Partie zu Ende spielen.

14 Minuten Ballgeschiebe: Cottbus und Osnabrück hatten nach der schweren Verletzung eines Osnabrück-Spielers keine Lust, die Partie fortzusetzen.

Zehn Minuten vor dem Ende verletzte sich Flamur Kastrati in einem scheinbar harmlosen Zweikampf an der Seitenlinie. «Er erhielt einen Schlag auf den Hinterkopf und war schon in der Luft bewusstlos», erklärte Osnabrücks Trainer Karsten Baumann. Dem 19-jährigen Norweger wurde noch auf dem Platz eine Infusion gesetzt und weil der Verdacht auf eine Halswirbelverletzung bestand, wurde ihm auch eine Halskrause angelegt. Nach einem zwölfminütigen Unterbruch wurde Kastrati vom Platz mit dem Krankenwagen ins Spital gefahren.

Mitspieler und Gegner fürchteten erst gar um das Leben von Kastrati, mussten aber gleichwohl weiterspielen. Es wurde zum absurden Fussballspiel. Cottbuser und Osnabrücker Spieler schoben sich gegenseitig den Ball hin und her, bis Schiedsrichter Marc Seemann nach zwölf Nachspielminuten die Partie offiziell beendete. Die Zuschauer hatten für das Verhalten der Spieler Verständnis. Die Cottbus-Fans skandierten den Namen des verletzten Osnabrück-Stürmers. «Wir waren uns mit den Osnabrückern einig, dass wir nicht weiterspielen wollen», erklärte Cottbus’ Captain Marc-André Kruska.

Die Entwarnung am Abend

«Wir haben ihm (Schiedsrichter Seemann; Anm. d. Red.) angeboten, das Spiel abzuschenken. Das ginge nicht, hat er gesagt. Dann haben wir gesagt, wir würden das Spielfeld verlassen. Da hat er geantwortet, dass wir dann eine Strafe bekommen würden. Ich habe vorgeschlagen, dass er nur eine Minute nachspielen lassen sollte. Da hat er geantwortet, das ginge nicht, denn schliesslich sass ein Schiedsrichterbeobachter auf der Tribüne», ereiferte sich Baumann nach dem Spiel. Doch nicht der Referee stand einem vorzeitigen Ende im Weg. «Ich habe den Spielern mehrfach angeboten, das Spiel zu beenden, indem sie vom Platz gehen», verteidigt sich Seemann in der «Bild».

Auf Seiten von Cottbus fürchtete man sich um die Früchte des 2:0-Erfolgs. «Bei einem vorzeitigen Abbruch wäre das Spiel vor das Sportgericht gegangen und wir hätten vielleicht sogar verloren», erklärte Cottbus-Präsident Ulrich Lepsch.

Gute Nachrichten erreichten die Osnabrücker, die nach der Niederlage mitten im Abstiegskampf sind, am Abend aus dem Spital. Kastrati liegt zwar weiterhin auf der Intensivstation des Carl-Thiem-Spitals, doch gaben die Ärzte Entwarnung. Alle wichtigen Organe sind intakt, die MRT-Untersuchung des Kopfs war unauffällig. Die behandelnden Ärzte im Cottbuser Carl-Thiem-Klinikum gaben am Montag bekannt, Flamur Kastrati sei «wach und orientiert». Beim Stürmer wurde ein Schädel-Hirn-Trauma und ein Spinal-Trauma diagnostiziert.

DerBund.ch/Newsnet

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