Warten auf...

Grädel beschäftigt der Meistertitel.

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Also, um es kurz zu machen: Grädel hat jetzt satte 32 Jahre ziemlich gut ohne Titel gelebt, aber diese hoffentlich allerletzte Woche davor, also wirklich! Immer noch zwei Mal schlafen, bis endlich Samstag ist und einen vielleicht endlich einmal das Glück findet. Ans Arbeiten ist sowieso schon weniger als sonst zu denken, Zeitungen und Internet sind derzeit nämlich übervoll mit allen möglichen und unmöglichen Artikeln zur gelb-schwarzen Euphorie; die meisten davon sind sogar ungewohnt wohlwollend. Immerhin ist die Tabellenrechnerei einfacher geworden, und einer braucht nicht mehr unbedingt mehrere Semester Mathematik oder Excel studiert zu haben, um den Zeitpunkt der Erlösung einigermassen präzise voraussagen zu können. Bloss noch einmal nicht schlechter als Basel spielen, basta.

Seit Tagen nun macht sich Grädel Gedanken darüber, was diese Saison mit ihm machen wird, denn noch jede Saison hat etwas mit ihm gemacht. Es gab Zeiten, da verbrachte Grädel seine Tage im Büro mit Dienst nach Vorschrift (die Gross-Phase), dann die, in denen er seine beste Performance beim Rumplaudern an der Kaffeemaschine ablieferte (die Forte-Phase) und mehrere Phasen, in der ihm laufend dumme Fehler unterliefen, für welche er die Schuld aber immer problemlos auf andere abzuschieben wusste.

Und jetzt, wo ihn sein Chef aufgrund seiner Proaktivität – was für ein doofes Wort – und seiner Zielstrebigkeit kaum mehr wiedererkennt, jetzt künden da plötzlich ganz ungewohnte Emotionen einen Besuch an. Gerade jetzt, wo ihm liebe Kollegen, die ihn jahrelang mitleidig belächelt hatten für seine Treue zu diesem Loser-Verein, vor der Kaffeemaschine ins Poschettli grännen, dass sie doch tatsächlich kein Billett mehr für das möglicherweise epochale Spiel vom Samstag bekommen hätten. «Ja, schade», sagt Grädel dann, extra kurz angebunden. Keine Zeit für Geschwätz, weil schon lange fertig Forte-Phase, sorry.

Was aber wird dieses plötzliche Glück mit Grädel machen? Wird er beim Abpfiff vor Freude weinen? Etwa gar den Platz stürmen? Den Penaltypunkt klauen? Wie viele wildfremde Menschen wird er umarmen und von wie vielen wildfremden Menschen umarmt werden? Wie schmeckt das erste Bier nach dem Triumph? Wird er mit dem letzten Tram nach Hause fahren oder mit dem ersten? Die 32 Jahre auszuhalten war einfach, aber diese hoffentlich allerletzte Woche, die ist einfach unerträglich. (Der Bund)

Erstellt: 26.04.2018, 06:39 Uhr

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