Vorher, nachher

Und schon ist es vorbei mit geweiteten Brustkörben und gestreckten Wirbelsäulen: Grädel über das Nachher zum Vorher.

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Es ist eine typische Vorher-Nachher-Konstellation. Wie in diesen TV-Kleidungs-Shows. «Kleider machen Leute», wie das Sprichwort sagt, Grädel mag allerdings mehr die Leute, die Kleider machen. Ein Mensch (oft aus dem Unterschichten-Bürgertum) sieht dann nach einer Stunde TV-Verwandlung aus wie gar kein Mensch mehr, mehr wie ein wandelnder Kleiderbügel in einem unbekannten Universum. YB ist auch vorher/nachher. Einfach in umgekehrter Reihenfolge: von der gelb-schwarzen Macht direkt in den Schämi-Egge.

Vor dem Spiel gegen Thun schrieb Grädel ein paar Gedanken für seine Kolumne auf. Das tönte so: «Liebe Fussballgemeinde, YB ist gut drauf, oder? Und wie sieht man, dass YB gut drauf ist? Ein paar Kennzeichen gibt es, klar: Der Brustkorb der Spieler ist geweitet, ihre Atmung tief, die Wirbelsäulen strecken sich gegen den Himmel, Mbabu gewinnt Zweikämpfe mit der Botschaft: Was willst du denn hier auf MEINER Seite?

Ravet liegt horizontal mit dem Ball in der Luft und bringt ihn gefährlich aufs Tor, Hoarau hat alle Zeit der Welt, sich über einen Kopfball zu ärgern, der an die Latte statt ins Tor fliegt. Die Zeit dehnt sich.» Und Grädel freute sich schon auf NEYMAR JR im Stade de Suisse, auf die Champions-League-Hymne, und er hatte die Idee, Trikots anfertigen zu lassen mit der Aufschrift «RAVET JR». So war das - vor dem Spiel gegen Thun. Und der Trainer Hütter sagte, man sehe, dass YB ein Spitzenteam sei. Schön.

Nach dem Spiel gegen Thun muss man sich fragen, ob das Spitzenteam auf dem Spitz im Cup gegen Breitenrain bestehen kann? So schnell geht das. «Breitenrain, HU» - die Angst geht um im BSC Young Boys.

Vielleicht, denkt sich Grädel, kann ein Spitzenteam gegen Thun und Breitenrain verlieren, dann aber in der Champions League auf der grossen Bühne brillieren. Solche Zurechtrückungsgeschichten denkt sich der alte Grädel in heilloser Sozialromantik aus. Das spricht natürlich nicht für Grädel, das ist sich Grädel bewusst. Es sind diese Fantasiereisen, die nirgendwohin führen. Ausser YB bastelt klammheimlich am 8. Weltwunder, am Image, der verrückteste Klub der Welt zu sein. Aber wahrscheinlich ist das nicht so. Und Grädels Kollegen dürfen wieder diese doofen Sprüche machen: «There is always next season.» Ha, ha, lustig, lustig! Grädel bleibt vorderhand zu Hause. (Der Bund)

Erstellt: 11.08.2017, 07:24 Uhr

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