Tipps vom grossen Bruder

Guillaume Hoarau ist bei den Young Boys Topskorer, Stimmungsmacher und Ratgeber für die Jungen. Ein Wechsel zu Basel kommt für ihn nicht in Frage.

Guillaume Hoarau: «Ob Sie es glauben oder nicht: Ich schätze die Ruhe.»

Guillaume Hoarau: «Ob Sie es glauben oder nicht: Ich schätze die Ruhe.»

(Bild: Keystone Peter Klaunzer)

Ruedi Kunz

Guillaume Hoarau lässt sich Zeit nach dem Vormittagstraining. Der vereinbarte Zeitpunkt für ein Mediengespräch ist längst verstrichen, als er endlich in der Geschäftsstelle des BSC YB auftaucht. Graue Mütze, Strickjacke, enge Jeans, hohe weisse Turnschuhe: Der gross gewachsene Franzose wird seinem Ruf als modebewusster Typ gerecht. Gut ein Dutzend Journalisten sind gekommen, um dem bald 33-Jährigen vor dem Duell gegen Leader Basel auf den Zahn zu ­fühlen. Der charismatische Stürmer mag solche Termine nicht besonders, gibt aber dennoch schlagfertig und pointiert Auskunft zu verschiedenen Themen.

Fitness
Bis auf einige kleine Prellungen, die von Schlägen aus den letzten Spielen herrühren, habe ich nichts zu beklagen. Die Muskelverletzung im Gesässbereich, die mich fast zwei Monate lahmgelegt hat, ist vollständig verheilt.

Abschneiden in Europa League
Mich nervt, sind wir schon in der Gruppenphase der Europa League frühzeitig gescheitert. Ich wollte in diesem Wettbewerb möglichst weit kommen.

Dominanz des FC Basel
Es bringt nichts, wenn wir den FCB wegen seiner Erfolge beneiden. Obwohl er sich dank den Millionen aus der Champions League in einer anderen Liga bewegt, muss er unsere Richtgrösse bleiben. In Frankreich beweist Nice aktuell, dass man Paris Saint-Germain, welches ein x-fach höheres Budget zur Verfügung hat, sehr wohl herausfordern kann.

Ein Wechsel zu Basel
Mein Berater hat mit Basel gesprochen, bevor ich zu YB kam. Seit ich in Bern bin, gab es nie mehr Verhandlungen mit dem Club. Und solche wird es auch in Zukunft keine geben.

Die Rolle des Animators
Ich habe schon immer gerne gesungen – mit und ohne Mikrofon (lacht). Was aber nicht heisst, dass ich nie ruhig sein kann in der Kabine. Ob Sie es glauben oder nicht: Ich schätze die Ruhe. Ich bin auch nicht der einzige, welcher in der Kabine für Stimmung sorgt. Wenn schon, sehe ich mich als generösen Typ und guten Teamkollegen. Und für die vielen jungen Spieler bin ich so etwas wie der grosse Bruder.

Die Liebe zu Bern
Die Stadt ist ruhig, beschaulich und ­sicher. Meine Familie hat ein Lächeln auf dem Gesicht, wenn sie mich besucht. Das gibt mir ein gutes Gefühl. In Bern kann ich Dinge machen, die ich in Paris nie könnte. Ich habe hier ein Umfeld gefunden, welches mich in Ruhe lässt und mir die Möglichkeit gibt, mich nicht nur als Fussballer, sondern auch als Musiker zu definieren.

Rückkehr in die Ligue 1
Als ich im Sommer 2014 bei YB unterschrieb, machte ich es primär, um mich nach schwierigen Monaten in China und bei Bordeaux wieder ins Gespräch zu bringen. Heute beurteile ich die Situation ganz anders. Ich bin bei einem Club mit Perspektiven, auch wenn wir immer noch keinen Titel gewonnen haben. Es müsste schon ein sehr gutes Angebot kommen, um mich wegzulocken.

Abstecher nach China
Nach der Übernahme des PSG durch ­katarische Investoren wurde das Team für viel Geld neu zusammengestellt. Ich war plötzlich nur noch Stürmer Nummer 4, der sich mit ein paar Einsätzen im Cup zufriedengeben musste. Das war frustrierend, obwohl Titel winkten. Demgegenüber bot sich in China die Chance, sehr viel Geld zu verdienen. Vielleicht habe ich in diesem Moment eine falsche Wahl getroffen, doch ich habe Erfahrungen gesammelt, die ich in Europa nie gemacht hätte.

Der Bund

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