Sturm im Herzen, YB im Kopf

Die Young Boys präsentierten am Montag ihr neues Trikot. Nach einem geräuschvollen Abgang in Graz zeigte sich auch Neuzugang Thorsten Schick zum ersten Mal auf Berner Boden.

Der Fokus liegt noch auf den anderen: Neuzugang Thorsten Schick bei der Trikotpräsentation (Erster von rechts im gelben Heimdress).

Der Fokus liegt noch auf den anderen: Neuzugang Thorsten Schick bei der Trikotpräsentation (Erster von rechts im gelben Heimdress).

(Bild: Keystone Lukas Lehmann)

Schlicht, aber elegant: Im Rahmen der Eröffnungsfeier des Kids Camp fand am Montag die Präsentation der neuen Arbeitskleidung von YB statt. Als die knapp 300 Kinder, die am Camp teilnehmen, ihre Plätze eingenommen hatten, waren die Profis an der Reihe.

Ein Spieler nach dem anderen betrat den Kunstrasen im gelben Heimtrikot, im schwarzen Auswärtsdress oder die Torhüter in Neongrün, -orange oder -gelb. Mittendrin auch die neue Nummer 19 von YB.

Im Testspiel gegen Sparta Prag vergangene Woche trug der Neuzugang noch ein Trikot von Sanogo mit der 35 und überklebtem Namenszug. Bei der Trikotpräsentation zeigte sich Thorsten Schick im eigenen Tenü. Erst am Sonntagabend war er in Bern angekommen, nachdem er nochmals nach Graz gereist war, um einige Dinge zu packen.

Graz ist die letzten zwei Jahre Schicks Zuhause gewesen. Dort ist er auch aufgewachsen. Sturm Graz war sein erster Club, bei dem er mit 5 Jahren angefangen hatte. Weil er als Jungprofi bei seinem Herzensverein keine Perspektiven sah, ging er zum FC Gratkorn. Es folgte ein Engagement beim SCR Altach, sein Trainer dort hiess Adi Hütter.

«Ich war Aussenverteidiger. Hütter hat mir gesagt, dass ich eine Etappe weiter nach vorne soll. Seitdem spiele ich hauptsächlich in der Offensive», erzählt der 26-Jährige.

Nach einer Saison in Altach folgten zwei Jahre bei Admira Wacker Mödling, ehe er 2014 nach Graz zurückkehrte. Und nun der Transfer zu YB. Hütter war mit ein Grund für den Wechsel: «Der Trainer kennt meine sportlichen Qualitäten und meinen Charakter.

Wenn er anruft und sagt, dass ich in die Mannschaft passen würde und meine Stärken einbringen könnte, ist das natürlich ein grosser Pluspunkt.» Auch Co-Trainer Peintinger kennt Schick bereits aus seiner Zeit bei Graz. Der sportlichen Führung dürfte der Österreicher im Januar aufgefallen sein: Beim Testspiel im Trainingslager in der Türkei unterlagen die Young Boys Sturm Graz 1:4.

Zu dieser Zeit hatte Schick nicht damit gerechnet, dass der Gegner bald sein Arbeitgeber würde. Sein Vertrag bei Sturm lief aus, Verhandlungen über einen längeren Vertrag scheiterten, doch er und sein Management rechneten damit, dass der Verein die Option auf ein weiteres Jahr ziehen würde. Als der neue Sportchef Günter Kreissl dies nicht tat, beschloss Schick, ablösefrei und im besten Fussballalter, den Sprung ins Ausland zu wagen.

Ein Tor und eine Blessur

Was nach normalem Fussballbusiness klingt, hat in Österreich für Wirbel gesorgt. «Überall stand, dass die Verhandlungen am Geld gescheitert sind, was so gar nicht stimmt. Mehrere Punkte haben nicht gepasst», erklärt Schick.

Weil die Umstände der erfolglosen Verhandlungen vom Sportdirektor unglücklich kommuniziert worden waren, wurde Schick harsch kritisiert und sah seinen Ruf gefährdet. «Es hat einige Nebengeräusche gegeben, die nicht so angenehm waren für mich als Spieler. Mir war danach wichtig, dass dargestellt wurde, dass es nicht so war, wie überall geschrieben stand.»

Sturm-Fan bleibt er, doch freut sich der Grazer auf die neue Aufgabe in der Schweiz. Als er in seinen Ferien vom Interesse von YB hörte, war für den Flügel klar, dass er diese Herausforderung annehmen wollte. Statt in die Schweiz zu kommen, reiste er mit dem Nötigsten im Gepäck direkt ins Trainingslager.

Nach zwei Tagen, in denen er die medizinischen Tests durchlief, wurde der Transfer bekannt gegeben. «Ich bin sehr happy, dass es mit YB geklappt hat», freut sich Schick. Noch wohnt er im Hotel, Wohnungsbesichtigungen stehen in den nächsten Wochen an. Auch seine Freundin soll möglichst bald nach Bern kommen.

Im Team hat er sich schnell eingelebt: «Ich fühle mich schon als festes Mitglied der Truppe und hoffe, dass ich der Mannschaft mit meinen Stärken helfen kann.» Bei seinem zweiten Teileinsatz für YB konnte er sich bereits mit einem Tor empfehlen, zog sich aber auch eine Blessur zu.

Die Untersuchungsergebnisse stehen noch aus. Im Hinblick auf die drei Wettbewerbe, in denen YB möglichst lange verbleiben möchte, wäre ein längerer Ausfall des Österreichers äusserst unglücklich.

Doch ein fitter Schick scheut auch den Konkurrenzkampf nicht: «Du möchtest dich mit den Bestmöglichen messen. In der österreichischen Bundesliga habe ich vier, fünf Jahre gespielt und war Stammspieler, wenn ich fit war. Ich möchte einen neuen Reiz setzen. Wenn ich gut spiele und trainiere, kommt der Trainer nicht an mir vorbei.»

Der Bund

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