Sparbefehl trotz Lottosechser

Die Young Boys sind seit neun Meisterschaftspartien ungeschlagen. Im Heimspiel gegen den FC Sion
am Sonntag ist Topskorer Guillaume Hoarau wieder dabei.

Auf den Schultern von Guillaume Hoarau lasten die grossen Zukunftshoffnungen von YB.

Auf den Schultern von Guillaume Hoarau lasten die grossen Zukunftshoffnungen von YB.

(Bild: Keystone)

Bei den Young Boys herrscht zurzeit Frohmut. Mit der Vertragsverlängerung von Topskorer Guillaume Hoarau ist Sportchef Fredy Bickel diese Woche ein viel gelobter, wenn auch teurer Schachzug gelungen. Der 31-jährige Franzose wird bei YB sowie im Umfeld als Hoffnungsträger gepriesen. Und in Bern lechzt man nach Hoffnungsträgern. Es trifft sich gut, dass die Young Boys seit neun Runden ungeschlagen sind und
gegen Sion, den Gegner von morgen Sonntag (13.45 Uhr), in der Meisterschaft seit 21 Heimspielen oder seit 1996 in Bern nicht mehr verloren haben.

Trotz dieser Bilanz ist es logisch, dass Uli Forte vor den hohen Erwartungen des eigenen Anhangs warnt. «Das wird ein verdammt harter Match. Offensiv hatte Sion bereits in der Vorrunde Stärken. Jetzt hat es mit den Transfers von Ziegler, Zverotic und Salatic auch in
defensiver Hinsicht eine neue Qualität ins Team gebracht», weiss der YB-Coach. Gegen die Walliser kommt der in Thun gesperrt gewesene Hoarau wieder in die Mannschaft, für den verletzten Sékou Sanogo spielt Leonardo Bertone.

Augenmerk auf der Aussenbahn

Rang  3 hatte YB als Saisonziel heraus­gegeben. Jetzt belegen die Berner Platz 2 in der Tabelle. Das entspricht der Geldrangliste in der Super League. YB hat hinter dem FC Basel am zweit­meisten Geld zur Verfügung, und diese Position soll ausgebaut werden. Auch Forte ist natürlich freudig erregt über die Weiterverpflichtung von Hoarau. «Das ist für uns ein Lottosechser.»

Im Hinblick auf die neue Saison hat YB damit praktisch alle Leistungsträger unter Vertrag. Auf die Frage, ob das nächste Traktandum nun Raphaël Nuzzolo heisse, antwortete Bickel: «Mit ihm bin ich seit längerer Zeit im Gespräch.» Noch wurde eine Einigung nicht verkündet, doch der Sportchef klingt zuversichtlich. Dagegen deutet zurzeit wenig darauf hin, dass auch die im Sommer auslaufenden Kontrakte mit dem rekonvaleszenten Matias Vitkieviez und Gonzalo Zárate verlängert werden. Bickel
ortet denn auch Handlungsbedarf auf den Aussenbahnen. Dagegen steht die Abwehr. «Alle Verträge unserer Verteidiger laufen weiter oder wurden verlängert wie diejenigen von Jan Lecjaks und Alain Rochat», sagt Bickel. Auch im Mittelfeld und im Angriff herrscht Klarheit. Bleibt abzuwarten, ob für YB-Spieler im Sommer Offerten anderer Vereine eintreffen; Kandidaten könnten Renato Steffen und Torhüter Yvon Mvogo sein.

Pipeline ist nicht mehr verstopft

Der BSC YB ist in der glücklichen Lage, dass zwischen dem Stade de Suisse und dem Zürichsee eine direkte Pipeline
verläuft. Diese Pipeline haben die am Zürichsee wohnenden YB-Besitzer Andy und Hans-Ueli Rihs gelegt. Manchmal ist die Pipeline etwas verstopft, wie das bei Rohren vorkommen kann. Zurzeit aber sprudelt der Mammon wieder, wie die Vertragsverlängerung von Hoarau zeigt. Ohne die Gebrüder Rihs würde YB – wenn es ausschliesslich auf heimische Ressourcen angewiesen wäre – wohl kaum mehr als die Hälfte des geschätzten Budgets von 35 Millionen Franken generieren können. Wie üblich sind
Angaben zu genauen Zahlen vom Verein nicht zu erhalten. «Ich nenne keine
Zahlen, weil ich diese nicht nennen darf», betont der Sportchef.

Die 105 Millionen Franken Umsatz, die aus Basel gemeldet wurden, lassen aber auch bei Bickel eine Mischung aus Respekt und stiller Bewunderung erkennen. «Das hat sich der FCB in den letzten Jahren mit hervorragender Arbeit erschaffen.» Der Abstand zum Liga-Krösus wird immer grösser. «Vom Umsatz her schaffen wir lediglich ein Drittel des
FC Basel», stellt Bickel nüchtern fest. «Wir haben in den nächsten Jahren nur die Chance, den Baslern den Titel
wegzuschnappen, wenn diese Fehler machen. Dem FCZ ist der Coup im letzten Jahrzehnt zweimal gelungen.»

Zuletzt aber erreichten die YB-Verantwortlichen auch Sparanweisungen vom Zürichsee. Dennoch herrscht
bei den Bernern noch lange nicht Austerität. Die Vertragsverlängerung von
Hoarau, die eine Millioneninvestition der Gebrüder Rihs erfordert, belegt das. Ein Sieg am Sonntag gegen Sion würde deshalb nicht nur im Stade de Suisse, sondern auch in gewissen Villen am
Zürichsee gut aufgenommen.

Der Bund

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