Sie lernen es nie

Fussballgott Grädel sinniert über Gofen mit überdimensionalen Schildern und nötige Massnahmen in der Kindererziehung.

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Der Fussball ist halt leider wirklich nicht mehr derselbe, der er vor fünfzig Jahren war, zu Tagen, als Grädel noch in voller Jugendlichkeit in jeder freien Minute auf einem Quartierplatz dem runden Leder nachjagte und wo der Höhepunkt der Woche ein Matchbesuch im Wankdorf war.

Das Allergrösste dabei? Nach dem Spiel den Idolen vor dem Stadion abpassen, um vielleicht ein Foto aus dem «Sport» (ja, eine Zeitung dieses Namens gab es vor vielen Jahren mal!) mit einem Autogramm veredeln zu lassen.

Tempi passati. Heute recken die Gofen den Spielern überdimensionale Schilder entgegen, auf denen sie in krakeliger Schrift um deren Trikots betteln, als wäre in Schweizer Kinderzimmern der textile Notstand ausgebrochen. Dabei kriegen die vom Götti doch jedes Jahr zu Weihnachten das aktuellste Leibchen, nur um diesen Kunstfaserlumpen im selben Rhythmus sogleich wieder zu entwachsen.

Wenn Kinder einfach immer alles kriegen, was sie trotzend fordern, wo endet das später? Die neusten Enthüllungen aus ausspionierten Fifa-Mails und anderen Datenlecks haben Grädel eigentlich nur bestätigt, was er schon lange vermutete: Erwachsene sind in dieser Hinsicht kein bisschen besser.

Man passt das Financial Fairplay den Fairness-Vorstellungen und Bedürfnissen einiger grössenwahnsinniger Clubbesitzer an und streicht das Wort Korruption aus dem Ethikkodex. Man will eine WM mit 48 Mannschaften, damit die kleineren Verbände bei der nächsten Präsidentenwahl auch wirklich wieder den richtigen wählen.

Andere wollen lieber gar nicht mehr mit den armen Schmuddelkindern spielen und wünschen sich ihre eigene exklusive Luxusliga, auch wenn sie es nicht recht zuzugeben getrauen. Wo hat diese unendliche Habgier eigentlich angefangen und wann und wo hört sie auf?

Das nächste Mal, wenn Grädel im Stadion ein Kind antrifft, das so ein Schild mit Trikotwunsch in die Höhe reckt, wird er es ihm fürsorglich wegnehmen und ihm und seinen Erziehungsberechtigten erklären, dass er dies nur für die Charakterbildung tue. Sonst lernen das die Jüngsten nie. Und Eltern können auch nicht ernsthaft wollen, dass ihr Kind wegen so einem Stück Karton und für ein paar Gramm Polyamid als Einstiegsdroge ins dunkle Milieu der Fussballfunktionäre abgleitet. Wirklich niemand. (Der Bund)

Erstellt: 08.11.2018, 08:45 Uhr

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