Russland-Sperre für ARD-Journalist: Jetzt greift Merkel ein

Der bekannte ARD-Mann Hajo Seppelt will zur Fussball-WM. Moskau passt das nicht. Nun wird Druck gemacht.

In Russland unerwünscht: Doping-Experte Seppelt.

In Russland unerwünscht: Doping-Experte Seppelt. Bild: FABRICE COFFRINI/AFP

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Deutschlands Kanzlerin Angela Merkel fordert von Russland ein Visum für den ARD-Journalisten Hajo Seppelt zur Fussball-WM. Die Bundesregierung halte «die Massnahme der russischen Behörden, Herrn Seppelt das Visum für ungültig zu erklären, für falsch», sagte Regierungssprecher Steffen Seibert.

Merkel appelliert an Moskau, eine Einreise des Journalisten zu ermöglichen. Russland hatte quasi ein Einreiseverbot für Seppelt verhängt. Der Investigativ-Journalist stehe auf einer Liste der in Russland «unerwünschten Personen», hiess es.

«Es stünde Russland als Gastgeber schlecht an, wenn es so offensichtlich die Pressefreiheit vor den Augen der Welt beschnitte», sagte Seibert. Auch das Bundesinnenministerium (BMI) fordert von Moskau ein Umdenken. «Wir setzen uns nachdrücklich dafür ein, dass diese Entscheidung revidiert wird», sagte BMI-Sprecherin Maria Adebahr.

Detlev Pilger, sportpolitischer Sprecher der SPD, nahm den Deutschen Fussball-Bund (DFB) in die Pflicht, «sich als Schwergewicht im Weltfussball bei der Fifa für einen freien Journalismus einzusetzen». Die Funktionäre der Fifa wiederum müssten «ihren Einfluss auf die russische Regierung geltend machen, damit Hajo Seppelt und alle anderen Journalisten ungehindert aus Russland berichten können». Auch das Auswärtige Amt kritisierte die Entscheidung Moskaus. Die Botschafter beider Länder sprächen bereits über eine Einreise Seppelts.

Der Verband Deutscher Sportjournalisten (VDS) nahm ebenfalls ausführlich Stellung. «Gefordert ist vor allem der Weltfussballverband Fifa, der die WM an Russland vergeben hat und dafür Sorge tragen muss, dass alle akkreditierten Journalisten ein- und ausreisen dürfen. Gefordert ist damit auch der DFB, der bei der Fifa zu diesem Zweck vorstellig werden sollte», schrieb VDS-Präsident Erich Laaser auf der Homepage.

Auch die ARD müsse aktiv werden, so Laaser, «schliesslich ist sie im wahrsten Sinne des Wortes von dieser Aussperrung betroffen». Der Senderverbund verliere einen wichtigen Journalisten für die Recherche vor Ort. «Andererseits hat aber auch die ARD eine Sorgfaltspflicht ihren Mitarbeitern gegenüber», betonte Laaser und sprach den Sicherheitsaspekt für Seppelt bei der Arbeit in Russland an.

Für den Sportjournalisten selbst liegt der Grund für die Massnahme auf der Hand. «Offenkundig hat die Aufdeckung des Staatsdoping-Systems so grosse Tragweite, dass Russland glaubt, solche Massnahmen ergreifen zu müssen», sagte Seppelt. Der Journalist hatte mit seinem Film «Geheimsache Doping: Wie Russland seine Sieger macht» die Aufdeckung des russischen Dopingskandals ins Rollen gebracht. (SZ.de/sid/cag/khil/liv)

Erstellt: 14.05.2018, 15:46 Uhr

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