Porträt

Rücktritt einer Persönlichkeit

YB-Captain Christoph Spycher beendet am 18. Mai seine grosse Karriere, bleibt dem Club aber als Talentmanager erhalten.

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Er rang mit sich, wägte ab, überlegte, ob er doch noch ein Jahr anhängen sollte. Und bei YB hofften sie, allen voran Trainer Uli Forte und Sportchef Fredy Bickel, dass Christoph Spycher eines Tages zum Entschluss kommen würde, den Vertrag zu verlängern. Mit seinen 36 Jahren hat sich der Captain anders entschieden: Er hört auf. Am 18. Mai endet mit der Saison auch die Karriere von Spycher.

«Ich spüre, dass es besser so ist», sagt er, «wenn ich auf den Platz gehe, sind die Emotionen zwar noch da, ich habe immer noch Leidenschaft für den Fussball. Aber es gibt inzwischen ein paar körperliche Baustellen. Die Regeneration fällt mir nicht mehr so leicht wie in jüngeren Jahren. Und die Angst, von einer neuen Verletzung zurückgeworfen zu werden, machte sich auch bemerkbar.» Eines war Spycher immer von massgeblicher Bedeutung: Er wollte der Mannschaft eine Hilfe sein. «Wenn ich nur 80 Prozent meines ursprünglichen Leistungsvermögens abrufen kann, macht es keinen grossen Sinn mehr», sagt er. Eine Saison wie die vergangene, als er mit einer Knieverletzung sechs Monate ausfiel, will er nicht mehr erleben.

Zuverlässig und mit 47 Länderspielen

Hinter sich hat der Berner eine beeindruckende Karriere mit 15 Jahren als Profi. Es fing in Luzern an, als er, der sich schon für ein Wirtschaftsstudium an der Uni Bern eingeschrieben hatte, dem Ruf von Andy Egli folgte. Fussball, das war für Spycher bis dahin primär ein Hobby, und geplant war eigentlich nicht, dass mehr daraus werden sollte. Aber der junge Mann aus der 1. Liga wuchs schnell in eine erstaunliche Rolle, gehörte bald zu den prägenden Elementen der Mannschaft. Und weil er auf den Geschmack gekommen war, sah er davon ab, das Studium anzutreten.

Spycher wechselte zu GC, wurde 2003 mit den Zürchern Meister und empfahl sich für einen Wechsel in die Bundesliga. 2005 verliess er die Schweiz Richtung Frankfurt und war rasch – als wäre es eine Selbstverständlichkeit – eine zuverlässige Stütze. Er spielte und spielte, wurde gar Captain und stand 2006 im Cupfinal gegen Bayern München. An seinen Fähigkeiten kam auch Nationalcoach Köbi Kuhn nicht vorbei: Spycher bestritt die EM 2004, die WM 2006, gehörte auch 2008 zum Kader und brachte es auf insgesamt 47 Länderspiele.

In Zukunft Talentmanager

2010 kehrte er in die Schweiz zurück und zählte, wenn die Gesundheit mitspielte, zu den zuverlässigsten Kräften. «Er ist eine echte Persönlichkeit», sagt Fredy Bickel, «ich habe in den 22 Jahren, die ich in diesem Geschäft bislang verbracht habe, keinen dieses Formats kennengelernt. Hannu Tihinen, den ich beim FCZ hatte, kommt ihm am nächsten.» Für den Sportchef verabschiedet sich bald «der wichtigste Spieler» von YB: «Er war auf und neben dem Platz unsere wichtigste Figur auf Spielerseite. Er hatte einen enormen, positiven Einfluss auf alle.»

So sehr Bickel den Abgang bedauert, so sehr freut er sich, dass Spycher den Young Boys erhalten bleibt. Er wird sich in Zukunft als Talentmanager um hoffnungsvolle Nachwuchsleute kümmern, mit ihnen die Karriere planen, aber auch Individualtraining bestreiten oder die Ausbildung koordinieren. Ausserdem soll er für die Neuverpflichtungen als Anlaufstation zur Verfügung stehen. Initiativ war er diesbezüglich schon als Spieler immer: In Luzern half er den ausländischen Spielern, bei GC tat er das ebenso oder zuletzt auch im Fall der Venezolaner Josef Martinez und Alexander Gonzalez, als sie zu YB stiessen.

Spycher hat sich mit den Verantwortlichen vorerst auf einen Dreijahresvertrag geeinigt. Bevor er sein Amt antritt, wünscht er sich aber einen würdigen Abgang – ohne Brimborium, sondern so, wie es zu ihm passt: mit fünf Spielen, in denen sich YB nichts vorwerfen lassen muss. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 01.05.2014, 12:14 Uhr

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