Premierengala mit Showmaster Hoarau

YB gewinnt gegen Juventus Turin im letzten Spiel der Champions League zum ersten Mal.

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Dominic Wuillemin

Das Beste kommt zum Schluss: Es läuft die 68. Minute, als YB den x-ten Konter lancieren kann, Nicolas Ngamaleu spielt auf Guillaume Hoarau, der zieht nach innen, Schuss, Tor. Es ist das 2:0 für die Berner gegen den haushohen Favoriten, Bern steht Kopf, die Fussballwelt auch ein wenig. Real Madrid mag am Mittwoch 0:3 in Moskau verloren haben, die Spanier agierten aber mit einer B-Elf – Juventus nicht.

Hoarau trifft in der zweiten Halbzeit souverän zum 2:0.

Und Juventus wankt nun. Kurz darauf bietet sich Hoarau die Chance zum 3:0, den Hattrick verpasst er mit einem Fallrückzieher im Stile Cristiano Ronaldos knapp. Es ist eine Show, die die Young Boys abziehen, mit dem singenden Franzosen als Showmaster.

Doch das Spiel ist nicht beendet, die abgezockten Italiener, die in dieser Saison bis dato nur gegen Manchester United verloren haben, haben eine Antwort parat. Ronaldo spielt auf den eingewechselten Dybala, der zum 1:2 trifft. Es ist das vierte Tor des Argentiniers im zweiten Spiel gegen YB. Und der Beginn des grossen Zitterns für das Berner Publikum im ausverkauften Stade de Suisse.

Dybala erzielt den Anschlusstreffer für Juventus Turin.

Die Italiener drücken nun, belagern den Berner Strafraum. In der 87. Minute trifft Ronaldo nach einem Kopfball an den Pfosten, wenig später pariert Marco Wölfli gegen Bonucci. Es läuft schon die Nachspielzeit, als Dybala scheinbar doch noch zum Ausgleich trifft. Doch sein Tor zählt nicht, weil Ronaldo im Abseits steht. Die Young Boys gewinnen im letzten Spiel der Königsklasse zum ersten Mal. Es ist eine grosse Premiere, eine spannende Gala.

Dybala trifft ein zweites Mal, doch seine Kollegen stehen im Abseits.

Zwei Stunden zuvor beginnt der Abend mit einer Überraschung. Im Tor des Heimteams steht Wölfli. Der Grenchner mit sizilianischen Wurzeln, Meisterheld und Ersatztorhüter, bekommt von Trainer Gerardo Seoane den 13. Monatslohn in Form dieses Einsatzes ausbezahlt. Es ist eine schöne Geste Seoanes.

Seoanes mutige Wahl

Ronaldo und Wölfli, sie stehen bei der ersten Chance in der 13. Minute im Fokus. Ronaldo wird nach einem Konter freigespielt, Wölfli stürmt aus dem Tor, ist einen Sekundenbruchteil schneller am Ball. Beim Nachschuss Ronaldos rettet Mohamed Camara auf der Linie. Die Partie nimmt nun Fahrt auf. Zwei Minuten später taucht Ronaldo erneut im Strafraum auf, erneut kann er von Berner Nachlässigkeiten nicht profitieren. Zwei Chancen Ronaldo, Null Tore – YB kommt mit einem blauen Auge davon.

Man kann sich in der Anfangsphase Sorgen um die die Berner Abwehr machen, die in einer Dreierkette formiert ist. Sandro Lauper, gelernter Mittelfeldakteur, spielt in der Mitte, links von ihm ersetzt der gelernte Aussenverteidiger Loris Benito den verletzten Captain Steve von Bergen.

Es ist eine mutige, unkonventionelle Lösung, die Seoane gewählt hat. Nach den Startschwierigkeiten wird ihre Tauglichkeit immer deutlicher erkennbar. Hoarau nähert sich nach einem Corner dem Tor an, Garcia verzieht bei einem Konter fürchterlich.

Juventus wirkt anfällig, unkonzentriert, ja sogar ein wenig überheblich. Als Douglas Costa nach einer halben Stunde einen Pass quer durch den eigenen Strafraum spielt und Alex Sandro das Duell gegen Ngamaleu verliert, entscheidet der Schiedsrichter auf Penalty. Hoarau verwandelt, wie er das fast immer tut, diesmal via Innenpfosten. Es ist das 100. Tor des Franzosen für YB, sein zweites in dieser Champions-League-Saison.

Hoarau trifft mit einem Penalty zum 1:0.

Hoarau fast mit Eigentor

Was Hoarau für YB ist, ist Ronaldo seit diesem Sommer für Juventus. Und die beiden bleiben während 90 Minuten im Mittelpunkt. Die Teams sind nach der Halbzeit kaum zurück auf dem Platz, da trifft Hoarau, als Aushilfskraft in der Defensive, mit einem Ablenker an die eigene Latte. Spätestens in diesem Moment zeichnet sich ab, es wird sein grosser Abend – während Ronaldo ganz bis zum Schluss der grosse Pechvogel bleibt.

Young Boys - Juventus Turin 2:1 (1:0)

31'120 Zuschauer (ausverkauft). SR Stieler (GER).

Tore: 30. Hoarau (Foulpenalty) 1:0. 68. Hoarau (Moumi Ngamaleu) 2:0. 80. Dybala 2:1.

Young Boys: Wölfli; Mbabu, Camara, Lauper, Benito; Moumi Ngamaleu (84. Schick), Sow (91. Wüthrich), Aebischer, Garcia; Fassnacht (80. Bertone), Hoarau.

Juventus Turin: Szczesny; Cuadrado (23. Alex Sandro), Rugani, Bonucci, De Sciglio (72. Dybala); Costa, Betancur, Pjanic (65. Can), Bernardeschi; Mandzukic, Ronaldo.

Bemerkungen: Young Boys ohne Sanogo (gesperrt), Sulejmani, Von Bergen, Wüthrich und Lotomba (alle verletzt). Juventus Turin ohne Benatia, Khedira, Barzagli und Spinazzola (alle verletzt). 46. Kopfball von Alex Sandro an die Latte.

Verwarnungen: 62. Camara (Foul), 64. Bernardeschi (Foul), 72. Garcia (Foul), 83. Wölfli (Spielverzögerung).

Berner Zeitung

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