Oben treiben

Grädel plant zu verreisen. Seine Frau hätte da schon eine Idee, aber der Fussballgott ist sich nicht sicher.

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Neulich fragte Frau Grädel ihren Mann, wo man denn die nächsten grossen Ferien verbringen könnte. Wie aus der Pistole geschossen kam: «Totes Meer.» Totes Meer! Eine Woche lang könnte man es dort sicher gut aushalten. Rundum nur Wüste, mittendrin diese gigantische Salzwasserpfütze.

Grädel sieht sich schon auf dem Rücken liegend und Zeitung lesend (schicken die einem den «Bund» dorthin nach?) zusammen mit einer Legion Psoriasis-Patienten auf dem Wasser treiben. Nur noch mit minimaler körperlicher Anstrengung, und auch die bloss, um nicht unterzugehen. Das klingt nach schönen, unaufgeregten Ferien. Obwohl: Auch im Toten Meer kann man fürchterlich ertrinken. Grad gar nichts zu tun, reicht nicht.

Vor ein paar Tagen war auch noch Post von YB in Grädels elektronischem Briefkasten. Wenn er wolle, könne er diesen Sommer ebenfalls gerne mit ins Trainingslager im Zillertal fahren. Natürlich nur, um der Mannschaft bei der Saison-Vorbereitung zuzuschauen. Ein völlig anstrengungsloses Trainingslager also. Zwischendurch ein Apéro mit dem Team, dazu bei allen Testspielen dabei sein – das las sich ganz gut. Aber könnte man sich den Aufwand nicht auch einfach sparen?

Weil sich in der nächsten Saison wohl auch dann nicht viel ändert, hätte man in Basel einen Balljungen zum Cheftrainer befördert. Es wird wie gewohnt weitergehen, vermutet Grädel. Aber es tut nicht wirklich weh. YB hat am Sonntag schon wieder verloren, obwohl sich alle Spieler wirklich angestrengt haben. Es ist halt passiert, aber es ist nicht schlimm, Platz 2 ist gebucht. Am Anfang der Saison können einem so Niederlagen die ganze Woche versauen, mit Fortschreiten des Wettbewerbs steigt die Schmerztoleranz. Es ist ein bisschen wie im Militär oder im Beruf: Hat man sich einmal mit der Hierarchie arrangiert, lässt es sich damit irgendwie leben. So läuft es auch im Fussball. Obwohl – da drüben, in der abgesteckten Nichtschwimmer-Abteilung – schaut von einem nur noch knapp der Haarschopf raus. Und mitten in der Wüste fläzt sich der freigestellte Sion-Trainer Peter Zeidler faul in einen Liegestuhl und nippt gelangweilt an einem farbigen Schirmli-Drink.

Grädel schaut sich die Sache mit den Kurferien am Toten Meer jetzt noch einmal etwas genauer an. Auch dieses Zillertal-Angebot. Und am Schluss wird dann doch wieder in die Toskana gefahren. (Der Bund)

Erstellt: 27.04.2017, 06:46 Uhr

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