Nuzzolos verspätete Ankunft bei YB

Raphaël Nuzzolo musste feststellen, dass bei YB die Uhren etwas anders ticken als bei Xamax. Heute (19.45, Stade de Suisse) trifft er mit den Bernern auf seine früheren Teamkollegen.

Nach einigen Anlaufschwierigkeiten bei YB ist Raphaël Nuzzolo zuletzt besser in Fahrt gekommen.

Nach einigen Anlaufschwierigkeiten bei YB ist Raphaël Nuzzolo zuletzt besser in Fahrt gekommen. Bild: Manuel Zingg

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«YB verstärkt sich mit Nuzzolo», verkündete der «Bund» am 17. Juni 2011. Es war einer der überraschendsten Transfers während der Sommerpause, denn Raphaël Nuzzolo war eine der wichtigsten Identifikationsfiguren von Neuenburg Xamax gewesen. In der letzten Saison hatte er die Captainbinde getragen und sich als bester Torschütze des Teams sieben Meisterschaftstore notieren lassen. Die Klubverantwortlichen um den damaligen Präsidenten Sylvio Bernasconi honorierten Nuzzolos gute Leistungen im Dezember 2010 mit einer vorzeitigen Vertragsverlängerung bis 2015. «Ich ging damals davon aus, dass ich meine Karriere bei Xamax beende», sagt der gelernte Stürmer, der als 18-Jähriger vom FC Biel zum Super-League-Verein am Neuenburgersee gestossen war.

Tschagajews Wutausbruch

Kein halbes Jahr später präsentierte sich die einst beschauliche Xamax-Welt in einem ganz anderen Licht. Bauunternehmer Bernasconi, der etliche Millionen in Xamax gesteckt hatte, verkaufte sein Aktienpaket dem Tschetschenen Bulat Tschagajew. Der Besitzerwechsel wurde am 12. Mai an einer ausserordentlichen GV der Neuchâtel Xamax SA praktisch oppositionslos abgesegnet. Zweieinhalb Wochen später hatte Tschagajew während des Cupfinals Xamax - Sion (Schlussresultat: 0:2) seinen ersten unrühmlichen Auftritt. In der Pause eilte der neue Besitzer in Begleitung seines Statthalters Andrei Rudakow in die Kabine und stauchte das Fussball spielende Personal zusammen. Nuzzolo kam sich vor «wie im falschen Film». Der Zwischenfall beschäftigte den gebürtigen Bieler in den darauffolgenden Tagen stark. Mehrere beunruhigte Teamkollegen riefen ihn an und fragten, wie es wohl weitergehe. Instinktiv habe er gespürt, dass es «zwischen mir und den neuen Leuten bei Xamax nicht passt», sagt Nuzzolo rückblickend. Deshalb brauchte er keine lange Bedenkzeit, als YB bei ihm anklopfte. Innerhalb von weniger als 24 Stunden war der Wechsel perfekt. Die Xamax-Führung liess den Leistungsträger ziehen – notabene ohne eine Ablösesumme zu verlangen. Wen wunderts, sprach YB-Chef Ilja Kaenzig hinterher von einem Transfercoup: «Nuzzolo ist ein vielseitiger Spieler, er kann im rechten oder linken Mittelfeld eingesetzt werden. Ich bin sicher, dass er eine Verstärkung ist.»

Schwieriger Start in Bern

Der Verstärkungsspieler tat sich jedoch vorerst schwer in der neuen Umgebung. Von der Beschwingtheit und Leichtigkeit, die ihn bei Xamax ausgezeichnet hatte, war in den ersten Partien im gelb-schwarzen Dress nichts zu sehen. Nuzzolo war bemüht, doch es glückte ihm herzlich wenig. Er habe sich selber zu stark unter Druck gesetzt, sinniert der offensive Mittelfeldspieler. Sein Ziel sei es gewesen, möglichst rasch ein Meisterschaftstor zu schiessen für seinen neuen Arbeitgeber. «Das hätte ich wohl lieber sein lassen.»

Das persönliche Erfolgserlebnis, auf das Nuzzolo so lange wartete, ist in der Zwischenzeit Tatsache geworden. Am 11. September erzielte er gegen Lausanne Sport das Tor zum 3:0-Schlussresultat. «Das hat mir sehr gutgetan.» Am liebsten würde er sich schon heute Abend gegen Xamax wieder als Torschütze feiern lassen. «Gegen meinen Ex-Klub ein Tor zu schiessen: Das wäre ein schönes Gefühl.»Nuzzolo freut sich auf das Wiedersehen mit seinen früheren Mannschaftskollegen. Meist im linken Mittelfeld eingesetzt, dürfte er es etliche Male mit seinem Freund Bastien Geiger zu tun bekommen, der auf der rechten Abwehrseite der Neuenburger spielt. «Wir werden uns in den nächsten Stunden ausnahmsweise mal nicht anrufen», versichert der französischsprachige Seeländer.

«Mehr Durchschlagskraft»

YB-Trainer Christian Gross hat keine Angst, dass Nuzzolo unbewusst den Fuss zurückzieht, wenn es heute Abend schmerzhaft werden könnte. «Es ist ein spezieller Match für Raphaël. Doch er ist lange genug Profi, um mit einer solchen Situation umgehen zu können.» Gross war längst nicht immer zufrieden mit seiner Nummer 29. Nach dem Auswärtsspiel gegen Westerlo in der Europa-League-Qualifikation verbannte er ihn für eine Partie auf die Tribüne. Der Bestrafte verstand den Wink und legte sich im Training noch mehr ins Zeug. Gross nahm es mit Befriedigung zur Kenntnis und setzte Nuzzolo alsbald wieder ein. «Ich spüre, dass er formmässig im Aufwärtstrend ist», sagt der Übungsleiter vor dem vierten Heimspiel in der noch jungen Saison 2011/12.

Für diesen Match gibt es für die Berner Young Boys nur eines: Drei Punkte müssen her. «Wir müssen unter allen Umständen gewinnen», fordert Gross. Es sei «höchste Zeit», endlich den ersten Vollerfolg im eigenen Stadion feiern zu können. Wie schon vor dem Auswärtsmatch in Lausanne wünscht er sich von Goalie Wölfli einen fehlerfreien Auftritt. Und auch die Offensivkräfte Nuzzolo, Silberbauer und Ben Khalifa nimmt er explizit in die Pflicht: «Ich will mehr Durchschlagskraft sehen von ihnen.»

Xamax hat zwar seit fünf Runden nicht mehr verloren, zu einer Beruhigung der Lage hat die an sich gute Serie aber wenig beigetragen. Die negativen Schlagzeilen um den einst renommierten Verein haben kein Ende. Klubeigner Bulat Tschagajew unternimmt alles, um sich selber und die gesamte Xamax-Organisation zu diskreditieren. Nun trennte sich der Präsident auch noch vom «Klub der Freunde von Xamax». Die 1982 gegründete Supporter-Vereinigung überwies dem Klub in der vergangenen Saison gegen 1,6 Millionen Franken und setzte sich vorwiegend aus Unternehmern der Region zusammen. (si)

Nach einigen Anlaufschwierigkeiten bei YB ist Raphaël Nuzzolo zuletzt besser in Fahrt gekommen. Gegen seinen Ex-Klub Xamax ist er heute speziell motiviert. Foto: Manuel Zingg (Der Bund)

Erstellt: 21.09.2011, 07:01 Uhr

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