Neuer Anlauf im Tourbillon

Sport

Die Young Boys sind das auswärtsschwächste Team. Am Sonntag treffen sie auf das angeschlagene Sion.

Das Wiedersehen zwischen den Young Boys und Sion mit Gennaro Gattuso steht für beide Teams unter angespannten Vorzeichen.

Das Wiedersehen zwischen den Young Boys und Sion mit Gennaro Gattuso steht für beide Teams unter angespannten Vorzeichen.

(Bild: Keystone Peter Schneider)

Der Einstand bei den Young Boys ist Trainer Bernard Challandes gegen sein früheres Team FC Thun am vergangenen Sonntag beim 1:2 missglückt. Diesen Sonntag nun trifft der Neuenburger wieder auf einen ehemaligen Verein, den FC Sion. Im Wallis wirkte der temperamentvolle Coach neun Monate, ehe er von Sion-Chef Christian Constantin am 22. Februar 2011 entlassen wurde.

Am Mittwoch weilte der YB-Trainer im Tourbillon und erlebte das 0:1 der Sittener im Cup-Halbfinal gegen Basel. Das Aus im K.-o.-Wettbewerb macht Sions Präsidenten Constantin sehr zu schaffen, wie er in Interviews mit diversen welschen Zeitungen bekannte. Es ist naheliegend: Eine weitere Niederlage wird CC nicht tolerieren, er verlangt eine Reaktion von seiner Mannschaft. Wobei er seinen Spielertrainer ohne Trainerschein, Gennaro Gattuso, für die Leistung auf dem Feld gegen Basel ausdrücklich lobte.

Nun bleibt auch Sion nur noch die Hoffnung Europa League. Im dritten Viertel der Meisterschaft ergatterte YB gerade einmal acht Punkte; die Bilanz von Sion ist nicht viel besser, die Walliser holten neun Punkte aus ebenso vielen Spielen.

500 Pässe für ein Tor

Behalte seine Equipe diese schwache Kadenz bei, sei Platz 3 utopisch, sagt Constantin. Der Drittplatzierte der Super League ist direkt für die Playoff-Partien zu den Gruppenspielen der Europa League qualifiziert. Platz 4 und Platz 5 aber bedeuten den steinigen Weg durch die Vorrundenspiele. Der Vierte steigt in der dritten Qualifikationsrunde ein, der Fünfte muss bereits ab der zweiten Runde Mitte Juli um die Europa-League-Qualifikation spielen.

Die Young Boys indes müssen froh sein, wenn sie zumindest noch Platz 5 erreichen. Mit nur 7 Punkten aus 13 Spielen sind sie das schlechteste Auswärtsteam der Super League. Und dennoch liegen die Berner nur einen Punkt hinter dem Fünften FC Zürich zurück. «Unmittelbar nach dem Spiel gegen Thun war ich sehr enttäuscht und frustriert. Das Resultat dominiert immer die Stimmungslage», sagt Challandes. Doch nachdem er sich die Partie im Ruhepuls nochmals auf Video angeschaut habe, sei er zur Erkenntnis gelangt, dass nicht alles schlecht gewesen sei. Macht sich beim Mann aus dem Neuenburger Jura, der im Juli 62 wird, Altersmilde bemerkbar?

Challandes stellt das in Abrede. «Ich habe für meine Spielanalyse ein paar Thuner Torchancen gesucht, und wollte sie auf einem Video zusammenstellen, um sie meinen Spielern zu zeigen. Doch ich habe in der ersten Halbzeit keine einzige gefunden», führt er aus. Und Challandes berichtet, dass das Computerprogramm Amisco 500 Pässe der YB-Spieler in diesem Spiel erfasst habe, davon seien 85 Prozent beim Mitspieler angekommen. «Bei Thun lag die Passquote bei knapp 300», so Challandes.

Doch die Berner Oberländer schafften mit einem sogenannt stehenden Ball den Ausgleich und nutzten nach der Pause eine ihrer beiden Möglichkeiten zum Siegestreffer. Vielleicht, sinnierte Challandes, wäre ihm in dieser Begegnung mehr Erfolg beschieden gewesen, hätte er seine Mannschaft auf Abwarten spielen lassen und auf Konterchancen gelauert. Denn trotz grossem Aufwand sei auch YB nur zu wenigen guten Chancen gekommen. «Aber das ist nicht meine Philosophie von Fussball», verwarf Challandes seine eigenen Gedankenspiele gleich wieder. Er werde auch in Sitten von seinem Team verlangen, die Initiative zu ergreifen. Und im Mittelfeld wird Moreno Costanzo eine weitere Chance als Regisseur erhalten.

Ein zäher Schlussspurt

Trotzdem: Mit einem weiteren Negativerlebnis in Sion wäre der Trainerwechsel-Effekt bei YB schon wieder wirkungslos verpufft. In dieser Saison voller Pleiten, Pech und Entlassungen zeichnet sich für die Young Boys und Challandes eine zähe Schlussphase ab. Platz 5 ist für YB zurzeit die grosse Herausforderung – alle anderen Träume haben sich bereits im Nichts aufgelöst.

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