«Nach diesem 2:2 geht es mir schlecht»

Fredy Bickel sagt vor dem Heimspiel gegen Basel, dass YB in den letzten drei Runden extrem gefordert sei.

«Keine schlüssige Antwort»: Sportchef Bickel.

«Keine schlüssige Antwort»: Sportchef Bickel.

(Bild: Caroline Marti)

Am Sonntag erscheint der FC Basel im Stade de Suisse. Sollte GC heute Samstag in Aarau Punkte lassen, könnte der FCB mit einem Sieg in Bern bereits den fünften Meistertitel in Serie feiern. An dieses spezielle Szenario will Fredy Bickel gar nicht denken. Die Qualifikation für den Europacup sei ein Muss, betont der YB-Sportchef. Doch in der erneut verkorksten YB-Saison muss Bickel mit allem rechnen.

Fredy Bickel, wer ist aus Ihrer Sicht das Überraschungsteam der Saison? Ich würde sagen der FC Aarau. Der Aufsteiger hat seine Sache gut gemacht, schaffte bereits vier Runden vor Schluss den Ligaerhalt, ohne je in Abstiegsgefahr geraten zu sein. Bedenkt man, welche finanziellen Möglichkeiten der Verein hat, ist das bemerkenswert. Auch GC gehört zu den positiven Überraschungen. Die Mannschaft bestätigt Platz zwei der vergangenen Saison. Sie spielt ein hohes Niveau und das mit relativ viel Konstanz. Und noch kann GC gar Meister werden.

Ich hätte erwartet, Sie würden auf diese Frage den FC Thun nennen. Ja, da haben Sie recht, Thun gehört auch zu diesem Kreis und spielt erneut eine starke Saison. Aber da ich Thuns Trainer Urs Fischer und auch Sportchef Andreas Gerber gut kenne, erscheint das für mich wie selbstverständlich. Ich hatte Thun vor der Saison auf der Rechnung für einen Spitzenplatz.

Weshalb ist YB erneut die Enttäuschung der Saison? Wir haben Platz 3 als Saisonziel herausgegeben und zurzeit stehen wir auf Platz 3. So gesehen sind wir daran, die Vorgaben zu erfüllen. Aber was wir teilweise auf dem Feld boten, ist natürlich enttäuschend. Das müssen wir nicht schönreden. Vor allem die Unkonstanz der Mannschaft gibt mir zu denken. Es gibt sicher Gründe dafür: das grosse Verletzungspech, die Unerfahrenheit der Mannschaft. Wir haben wohl Routiniers, aber daneben auch viele junge Spieler. Ehrlich gesagt: Die Unkonstanz macht uns allen zu schaffen, und eine schlüssige Antwort wissen wir nicht.

Letztes Beispiel ist das Spiel gegen Aarau. Beim 2:2 dominierte YB während über einer Stunde klar und gab innert zweier Minuten ein 2:0 preis. Ja, nach diesem 2:2 geht es mir schlecht. Wir haben zwei wichtige Punkte im Kampf um die Europacup-Plätze vergeben. Wir sind in den letzten drei Spielen extrem gefordert. Denn die Qualifikation für die Europa League ist ein Muss.

Was sagen eigentlich die Gebrüder Ryhs? Können Sie die YB-Besitzer noch beruhigen? Ich bin fast täglich mit ihnen im Kontakt und spüre bei den Gebrüdern Ryhs keine Ungeduld. Sie sind natürlich enttäuscht, wie wir alle auch. Sie leiden mit als Sportfans.

Ein Phänomen ist auch, dass Spieler, die zu YB wechseln, plötzlich alles zu verlernen scheinen. Josef Martínez erzielte in der Vorrunde für Thun acht Tore. Jetzt in der Rückrunde sind es mit YB zwei, beide gegen Schlusslicht Lausanne erzielt. Auch die Gebrüder Schneuwly tauten erst bei Thun richtig auf. Martínez ist im Winter mit dem Anspruch zu YB zurückgekehrt, Torschützenkönig zu werden. Er hat sich selbst enorm unter Druck gesetzt und sich so ins eigene Fleisch geschnitten. Ich sprach mit Christian Schneuwly über dieses Thema. Er sagte mir, schon beim Betreten des Stade de Suisse habe er jeweils einen enormen Erwartungsdruck gespürt – anders als beim FC Thun. Es gibt mehr talentierte Spieler, als man denkt, die dem Erwartungsdruck nicht gewachsen sind. Aber Martínez ist jung, er wird diesen Lernprozess in seiner Entwicklung mitnehmen.

Wie sieht die Situation bei den Leihspielern von YB aus: Haris Tabakovic, der beim FC Wil spielt, Alexander Gonzalez bei Aarau und Mathies Vitkieviez in St. Gallen. Kehren sie Ende Saison zurück? Ich gehe davon aus, dass keiner vom Quartett Gerndt, Frey, Kubo und Afum YB verlassen wird. So werden wir Tabakovic nicht zurückholen, sondern weiterhin ausleihen, damit er Spielpraxis erhält. Ob er bei Wil bleibt, ist eine andere Frage. Auch Clubs aus der Super League melden Interesse. Aarau möchte Gonzalez für eine weitere Saison ausleihen, doch Gonzalez ist mit der Einsatzzeit, die er in Aarau hat, nicht besonders glücklich. Vielleicht wechselt er zu einem andern Verein. Und mit Vitkieviez sind wir in Verhandlungen mit St. Gallen. Gibt es vorerst keine Einigungen, erscheinen alle drei zum Trainingsbeginn am 10. Juni bei YB.

Der Bund

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