Lehrstunde mit Schonfrist für den FC Zürich

Der FC Zürich verlor das dritte Europa-League-Gruppenspiel bei Villarreal 1:4 und bleibt Letzter.

Hatte alles andere als einen ruhigen Abend: FCZ-Goalie David Da Costa musste gegen Villareal vier Gegentreffer hinnehmen.

Hatte alles andere als einen ruhigen Abend: FCZ-Goalie David Da Costa musste gegen Villareal vier Gegentreffer hinnehmen. Bild: Keystone

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Mit den Besten wolle man sich messen, so hatte es David Da Costa formuliert, vor dem Spiel gegen Villarreal. Umso ernüchternder die Erkenntnis nach 90 Minuten im El Madrigal: Die Besten sind zu gut für den FCZ, selbst wenn dieser ordentlich spielt. Um es kurz zu machen: Der Tabellenführer der Super League hatte gegen ein überzeugendes Villarreal keine Chance. Und er belegt nach der 1:4-Niederlage weiterhin den letzten Platz in seiner Europa-League-Gruppe.

Blauäugig waren die Zürcher nicht nach Spanien geflogen. Trainer Urs Meier hatte um die Schwere der Aufgabe gewusst und sich an jüngere Ergebnisse von Schweizer Mannschaften in Spanien erinnert. An die Kanterniederlagen von St. Gallen oder Basel in der vergangenen Saison in Valencia beispielsweise. Oder das 1:5 der Basler in der Champions League erst kürzlich bei Real Madrid.

«Ein Punkt wäre sackstark», hatte Meier deswegen gesagt, zumal für ihn auch Villarreal, der Sechste der Primera Division, in die «europäische Spitzenklasse» gehört. Wie er diesen zu stoppen gedenke? «Mit allem Respekt antreten – aber mit dem Wissen, dass auch wir Fussball spielen können. Die Positionen halten. Um den Ball kämpfen. Fehler vermeiden.» So Meiers Fahrplan.

5 Minuten, 11 Sekunden

Als dann das Spiel angepfiffen wurde, dauerte es exkt 5 Minuten, 11 Sekunden, bis der FCZ 0:1 zurücklag. Getan hatte er dies: den Ball verloren, den Gegner laufen gelassen, ziemlich genau das also, was zu verhindern war. Villarreal nutzte dies so aus, wie man dies erwartet hatte: schnell und technisch einwandfrei, kaum zu verteidigen. Javi Espinosa lancierte Gerard Moreno, der David Da Costa im FCZ-Tor umspielte und quer Cani bediente. Dieser traf aus wenigen Metern völlig freistehend die Führung. Nach einer Viertelstunde gelang es den Zürchern, sich mehr und mehr zu lösen und ihrerseits vorsichtig die Offensive zu suchen. Ein Schuss von Chiumiento missriet noch gründlich, näher dem Ausgleich kam Oliver Buff, als er Juan Carlos im Villarreal-Tor prüfte. Und wirklich gut war die Möglichkeit für Nef in der 38. Minute mit einem Kopfball.

Es folgte der Auftritt von Yassine Chikhaoui. Beim 3:1-Sieg vor fünf Tagen im Zürcher Stadtderby noch mit einer diskreten Leistung, war er kurz vor der Pause in Villarreal wieder als Ballkünstler zu sehen. Nach einem weiten Zuspiel von Gilles Yapi deckte er den Ball im Strafraum so geschickt ab, dass er gleich zwei Verteidiger ins Leere laufen liess. Sein Schuss wurde abgelenkt und fiel Marco Schönbächler vor die Füsse. Ähnlich wie zuvor Cani war auch er aus kurzer Distanz erfolgreich. 600 Fans waren der Mannschaft aus der Schweiz nach Spanien gefolgt – sie bejubelten es also, dieses erste FCZ-Tor in einem Pflichtspiel auf spanischem Boden.

Die schnelle Entscheidung

Allzu lange feierten sie nicht. Bereits in den Minuten nach der Pause war ersichtlich, dass Villarreal um eine schnelle Entscheidung bemüht ist. Die Schonfrist war vorbei. Zunächst überforderten die Spanier den FCZ erneut mit ihrem temporeichen Spiel – auf Zuspiel von Espinosa traf Luciano Vietto. Wenig später verwertete Soriano einen direkten Freistoss sehenswert zum 3:1. Giovani dos Santos schliesslich, der spät eingewechselte Star der Spanier, besorgte mit einem satten Schuss das Schlussresultat. Urs Meier wechselte noch Franck Etoundi ein, den Matchwinner gegen GC, doch der war genauso wirkungslos wie Amine Chermit vorher. Und er schenkte dem erst 18-jährigen Verteidiger Nico Elvedi seine ersten Europacupminuten. So durfte dieser die Lehrstunde aus nächster Nähe erleben. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 23.10.2014, 23:14 Uhr

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